1. Home
  2. Kontributoren
  3. Googles Video-Chat kann wenig, aber das kann es gut

Web 
Googles Video-Chat kann wenig, aber das kann es gut

Video-Chat: Zur Nutzung von Duo ist kein Google-Konto notwendig. Keystone

Mit der neuen Smartphone-App Duo macht Google Facetime und Skype Konkurrenz. Die Anwendung könnte kaum einfacher geraten sein. Doch reicht das um gegen Apple und Microsoft zu bestehen?

Kommentar  
Von Thomas Heuzeroth
19.08.2016

Apple hat Facetime, Microsoft hat Skype und Google hat … eigentlich nichts, was wirklich überzeugt. Die Google-Anwendung Hangouts, mit der Chats und Videotelefonie möglich sind, hat nur wenige Anwender gefunden. Das soll sich nun ändern.

Mit einer neuen Videochat-App will sich Google nun wieder ins Spiel bringen. Die Anwendung «Duo» hatte der Internetkonzern bereits bei seiner Entwicklerkonferenz I/O zusammen mit der Chat-App «Allo» vorgestellt, darüber aber nicht viele Worte verloren.

In den kommenden Tagen soll Duo in den App-Stores für Android und Apple-Geräte zur Verfügung stehen. Die «Welt» konnte Duo bereits vorher testen. Auffällig dabei ist vor allem, wie unauffällig Duo ist. Die Anwendung könnte kaum einfacher geraten sein.

Kein Google-Konto notwendig

Wer Duo auf seinem Smartphone startet, sieht erst einmal nur sich selbst und einen blauen Button, der mit «Videoanruf» unterschrieben ist. Darauf geklickt, erscheinen aus dem Adressbuch des Telefons alle Kontakte, die auch über Duo verfügen, also mit der App anrufbar sind. Alle anderen Kontakte können per SMS zu Duo eingeladen werden.

Ungewöhnlich für Google: Zur Nutzung von Duo ist kein Google-Konto notwendig. Wer Duo nutzt, identifiziert sich ausschliesslich über seine Telefonnummer. Beim ersten Mal verifiziert Google die Nummer mit einem Code, der per SMS übertragen wird. Dann kann es auch schon losgehen.

Duo mit einer Besonderheit

Im Test funktionierte Duo einwandfrei. Die Schärfe des Videobildes wird der Geschwindigkeit der Internetverbindung angepasst. Selbst wenn man sich vom Wlan in das Mobilfunknetz begibt, gibt es kein Gesprächsabbruch. Wird die Internetverbindung sehr schlecht, hält Duo nur noch die Tonverbindung aufrecht, sodass man zumindest noch miteinander sprechen kann.

Auch wenn es schon mehrere ähnliche Anwendungen von anderen Anbietern gibt, hat sich Google doch etwas Besonderes einfallen lassen. Die Funktion Kuckuck bezeichnet eine Live-Videovorschau, sodass der Angerufene bereits das Video des Anrufers sieht, bevor er den Anruf annimmt. Das soll persönlicher und einladender sein, als nur die Darstellung des Namens.

Wer Kuckuck nicht mag, kann diese Funktion in den Einstellungen abstellen. Dort lassen sich übrigens auch Anrufer blockieren. Anrufe werden ausserdem Ende-zu-Ende verschlüsselt.

Besser als Facetime und Skype?

Reicht das alles, um gegen die Konkurrenten Apple und Microsoft zu bestehen? Apples Facetime funktioniert nicht auf Android-Handys, Microsofts Skype kann hingegen auf Apple- und Android-Geräten genutzt werden. Die Konkurrenten können aber mehr als Googles Duo. So kann Facetime von Anfang an einen Audioanruf starten, der meist mit einer hervorragenden Tonqualität überzeugt.

Skype funktioniert sogar mit Gruppen-Chats, während Facetime und Duo immer nur eine Eins-zu-Eins-Verbindung zulassen. Mit Skype können sogar normale Telefone angerufen werden, wofür jedoch eine Gebühr erhoben wird.

Im Unterschied zu Facetime und Skype lässt sich Googles Duo auch nicht auf Computern nutzen, für die Zukunft will der Konzern das aber nicht ausschliessen. All dies kann aber Googles Hangouts, das nach Angaben von Google auch nicht verschwinden soll. Allerdings werde sich Hangouts zunehmend auf Geschäftskunden ausrichten, heisst es.

Googles Duo kann also unter dem Strich wenig, aber das kann es gut. Die App und ihre Nutzung sind kostenlos.

 Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Anzeige