Fussball verbindet nicht nur Nationen, sondern ist längst auch die umsatzstärkste Sportart. Jährlich werden im ­europäischen Kickergeschäft zig Milliarden Euro umgesetzt. Das lockt Investoren an – vor allem aus China. So hat jüngst der Detailhändler Suning für 69 Prozent der Anteile am Fussballclub Inter Mailand 270 Millionen Euro hingeblättert; der Unternehmer Xia Jiantong kaufte den englischen Premier-League-Club Aston Villa für gegen 100 Millionen. Und der Investor Peter Lim aus Singapur erwarb für den gleichen Betrag die Kontrolle über den spanischen FC Valencia.

Nur verfolgen diese Geldgeber nicht primär pekuniäre Interessen. Denn die meisten Fussballclubs laufen finanziell auf dem Zahnfleisch. Der Kampf um die besten Spieler hat die Clubkassen ausgehöhlt. Für Ausnahmetalente wie Gareth Bale, Cristiano Ronaldo, Neymar oder Luis Suárez werden mittlerweile Transfersummen von 80 bis 100 Millionen Euro bezahlt, dazu kommen erkleckliche Jahressaläre.

Zwei Dutzend Vereine sind an der Börse. Im Kursverlauf spiegelt sich die Misere. Über die vergangenen zwölf Monate warten von den grossen Namen lediglich Borussia Dortmund und der FC Porto mit anständigen Kursgewinnen von gut 20 Prozent auf, die Titel des 19fachen türkischen Meisters ­Fenerbahce legten immerhin acht Prozent zu.

Doch sonst beherrschen die Minuszeichen das Feld; Spitzenclubs wie Ajax Amsterdam, AS Roma, Celtic oder Juventus Turin haben zwischen vier und neun Prozent verloren. Sogar mit Manchester United (ManU) war nichts zu verdienen. Dabei wird der britische Vorzeigeclub an der Börse mit imposanten 580 Millionen Euro bewertet. Andere Clubs bringen in Sachen Börsenkapitalisierung nur einen Bruchteil auf die Waage. Der FC Porto beispielsweise kostet am Aktienmarkt gerade mal 15 Millionen Franken.

Reizlos

Auch langfristig warten die Aktien der europäischen Spitzenclubs mit enttäuschenden Kursgewinnen auf. Zwar haben sich über fünf Jahre die Kurse von Celtic und Porto fast verdoppelt, doch beide Papiere gehören zu den Penny Stocks. Einzig ManU hebt sich mit einem Plus von 31 Prozent etwas ab, doch ist das über diese Periode kein Heuler. Generell gilt: Mit Fussballaktien sind keine Spitzenresultate zu holen. Daran ändert auch die laufende Europameisterschaft nichts.

In der Schweiz haben viele Fussballclubs die rechtliche Form einer AG. Nur werden deren Titel nicht an der Börse gehandelt. Mit der Grasshopper Fussball AG, die ­damals ins finanzielle Desaster schlitterte, hat sich vor acht Jahren der letzte Schweizer Club vom ­Aktienmarkt zurückgezogen, kein Team wagte mehr einen Börsengang. Kein Wunder, denn kaum ein Anleger würde solche Papiere kaufen. So müssen die Fussballclubs auf ihre Fans zählen, die trotz allem Titel kaufen.

Gut im Schuss

Schon seit der Firmengründung 2003 gefällt mir das Geschäftsmodell von Ypsomed. Das von Willy Michel (70) aufgebaute und seit zwei Jahren von Filius Simon Michel (39) geführte Unternehmen ist führender Hersteller von Injektions- und Infusionssystemen für die Selbstmedikation sowie ein ausgewiesener Diabetesspezialist. Ein Markt mit schier unerschöpf­lichem Wachstum. Aktuell leiden 285 Millionen Menschen an Diabetes, bis in 20 Jahren dürften es laut Studien gegen 600 Millionen sein. Doch das innovative Unternehmen aus Burgdorf zeigt sich schon heute fit; über die letzten drei Jahre ist der Umsatz um 38 Prozent gewachsen, das Ebitda stieg um 140 Prozent, und der Gewinn hat um das 22fache zugenommen.

Die Aktien zählen zu den Highflyern. Letztmals habe ich die ­Valoren vor zwei Jahren empfohlen, seither haben sie 120 Prozent zugelegt. Nur hat diese Superperformance ihren Preis: Die Aktien sind mit einem für dieses Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 45 und von 38 für 2017 ausgesprochen saftig bewertet. Die Anleger erwarten also viel vom ­Unternehmen; wenn da enttäuschende News kommen, haut das den Kurs in den Keller. Dennoch bleibe ich zuversichtlich für diese Papiere.

Neben den Aussichten ­gefällt mir, dass Ypsomed trotz ­Kotierung ein Familienunternehmen ist: Die Michels kontrollieren 73 Prozent der Aktien. Damit können sie auf lange Sicht investieren, ohne dass die Generalversammlung ein Njet einlegen kann. Doch wer heute einsteigt, muss einen sehr langen Atem haben.

Enger Markt

«Wie der Vater, so der Sohn» – auf die Familie Blocher trifft der oft ­zitierte Titel einer US-Filmkomödie von 1987 allerdings höchstens beschränkt zu. Denn während Christoph Blocher (75) als Unternehmer erfolgreich war, gilt Sohn Markus unter den vier Sprösslingen als jenes Kind, das seinen Anteil aus dem vorzeitig ausbezahlten Teil­erbe am schlechtesten investiert hat. Der mit 45 Jahren bereits siebenfache Vater kaufte 2005 die Sparte Feinchemikalien aus der Ems-Gruppe heraus und brachte sie als Dottikon ES an die Börse.

Doch der Pharma-Zulieferer kam nie richtig auf Touren, ja schrieb Verluste. Bis zum letzten Geschäftsjahr; da stieg der Umsatz um 26 Prozent, Ebit und Gewinn haben sich verzehnfacht. Als VR-Präsident, CEO und Mehrheitsaktionär in Personalunion will Blocher den Wachstumskurs halten. In den nächsten zwei Jahren werden 100 Millionen Franken in die Fabrikation gesteckt und 100 neue Stellen geschaffen. Zudem wird der Fokus auf Forschung und Entwicklung beibehalten.

Unter dem Gesichtspunkt der Wachstumsstärke wäre Dottikon ein attraktiver Nebenwert. Doch eben – wäre. Blocher junior hält 72 Prozent der Anteile, drei weitere Aktionäre mit gemeldeten Beteiligungen, darunter seine Schwester Miriam Baumann-Blocher (41), besitzen 17 Prozent. Der Free Float stellt sich also gerade mal auf gut ein Zehntel.

Dieser ultraenge Markt sorgt bei nur schon geringer Nachfrage für stark steigende Kurse – und bei Abgaben für überdurchschnittlich fallende Preise. Zudem wird keine Dividende ausgeschüttet, und daran wird sich so schnell nichts ändern. Auch sind die Valoren mit einem geschätzten KGV von 27 teuer. Für meinen Geschmack bergen Dottikon zu hohe Risiken.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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