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Für und wider dem Laufen mit Fitness-Trackern

Für und wider dem Laufen mit dem Fitness-Tracker
Fitness-Tracker: Lassen Sie die Datenaufzeichner auch mal zuhause!  DncnH/CC/Flickr

Fitness-Bänder sind bei Läufern beliebt und dafür gibt es gute Gründe. Doch stets läuft die Frage nach der Datensicherheit mit. Diese gibt es nicht – es sei denn, der Rebell rennt oldschool ganz ohne.

Kommentar  
Von Mike Kleiss
2016-03-11

Es ist schon irgendwie süss. Dinge, die für Läufer längst zum Laufen gehören, die für Läufer längst gelernt sind, jedenfalls für den modernen Lifestyle-Läufer, werden für die «Alten» plötzlich zur grossen Debatte. Vergangene Woche waren die Fitness-Tracker plötzlich Teufelswerk. Teufelswerk, bei dem Deutschlands Justiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas aus dem Off auffällt, dass ein Drittel aller Deutschen von diesem Virus bereits infiziert ist.

Maas stellte eine Umfrage anlässlich des Safer Internet Day in Berlin vor. Und schlug Alarm. Vielleicht hat diesen sein eigener Tracker ausgelöst. Denn Maas trägt als Triathlet selbst einen dieser Datenteufel.

Eine Generationenfrage

Die plötzlich entfachte Debatte zum Thema Fitness-Tracker und Datenschutz mutet meiner Meinung nach ein wenig Oldschool an. Und auch irgendwie ziemlich uncool. Im Grunde ist es die leidige Diskussion zwischen Generationen. Während die Generation 50 plus noch immer Radio hört und am Samstagabend vor dem Fernseher sitzt, kennt eine junge und moderne Zielgruppe das TV-Programm schon gar nicht mehr. Sie nutzt es schlicht nicht. Ihr Fernsehprogramm läuft längst im Netz. Ihr Thomas Gottschalk heisst zum Beispiel LeFloid. Ihre Helene Fischer heisst Dagi Bee.

Diese Generation – und das ist durchaus auch eine –, die Fitness-Tracker benutzt, geht heute komplett anders mit dem Thema Datenschutz um. Facebook gilt als eine der grössten Datenschleudern ever. Ein Drittel aller Deutschen besitzt einen Facebook-Account, hier gibt ein Drittel der Deutschen seinen persönlichen Datenschutz beinahe komplett auf. Die Generation Youtube empfiehlt Facebook bereits ihren Eltern. Für sie selbst ist Facebook längst uncool.

Datensicherheit ist ein Ding der Unmöglichkeit

Geht es um Datenschutz, ist der Aufschrei schnell laut und gross. Rührt man dann noch den sensiblen Gesundheitsaspekt mit unter, geht es schnell um die Weltherrschaft. Und hier wird der Verbraucherminister sicher auch mit Recht wuschig. Was aber, wenn er der Kanzlerin das Ergebnis der Umfrage via WhatsApp geschickt hat? Kann er sicher sein, dass die Resultate sicher bei der Chefin angekommen sind?

Etwa die Hälfte der Deutschen nutzt den schnellen kleinen grünen Messenger. Damit hat er das mächtige Facebook bereits überholt. Hat Heiko Maas zudem eventuell seiner Frau die Ergebnisse des letzten Gesundheitschecks beim Arzt via WhatsApp geschickt, kennen nun schon mindestens fünf Quellen seine Blutwerte. Das Labor, der Arzt, seine Frau, er selbst und WhatsApp. Über die Datensicherheit des Messengers ist ausreichend geschrieben worden.

Die Datensicherheit ist im Grunde eine einfache Sache. Es gibt sie nicht. Man kann sich komplett gegen Technik und soziale Netzwerke entscheiden. Der User selbst hat vieles in der Hand. Sicherheit über seine persönlichen Daten hat er jedoch in unserer digitalen Welt nie.

Fitness-Tracker haben ihren Wert

Zum modernen Leben, zu einem zeitgemässen Training, zu einem gesundheitsbewussten Leben, gehören Fitness-Tracker einfach dazu. Sie motivieren, sie schaffen Klarheit über die Tagesaktivität. Sie sind Pulsmesser und Tagesbegleiter, sie sind Lifestyle, sie sind Fashion-Accesoires. Wer gern die tägliche Bewegungschallenge gegen Kollegen mag, der benötigt einen Tracker. Und es gibt zudem einen recht simplen Grund für diese digitalen Armbänder: Viele von ihnen sehen nicht nur sexy aus, sie machen auch noch Spass.

Wer sich wirklich mit den Bändern auskennt, der weiss: Es gibt Hersteller, die es dem User selbst überlassen, ob und wie er mit seinen persönlichen Daten umgehen will. Ob er sie teilen möchte oder nicht. Ob er sie überhaupt kommunizieren will oder ob sie die Grenzen des eigenen Computers nicht verlassen sollen. Dazu lohnt es sich, einfach die Gebrauchsanleitung zu lesen. Oder einen der vielen Tests, die es überall im Netz gibt.

Ausbrechen aus der Datenverfolgung

Grundsätzlich bleibt dem Läufer übrigens noch immer eine total verrückte Möglichkeit. Der coole Läufer von heute kann ein echter Rebell sein. Wer seine Daten wirklich für sich behalten will, nicht jeden Lauf bei Facebook in einer der zahlreichen Gruppen teilen will, der lässt sein Handy beim Laufen einfach zu Hause. Ich gebe es zu: Man fühlt sich dabei sehr allein. Nur die Bäume jubeln einem zu. Plötzlich registriert man so etwas Veraltetes wie Menschen, die einem begegnen, die einem Respekt vor so viel Sportlichkeit zollen. Oldschool, ich weiss. Aber wunderbar! Wirklich!

Vor ein paar Tagen sagte eine Bekannte zu mir: «Ach, das ist aber auch doof. Wenn ich laufe, mit Tracker oder Uhr, und das immer teile, dann wissen ja im Zweifel alle, wo ich laufe. Da könnte mir ja jemand auflauern.» Ich hatte prompt einen irre wertvollen Tipp für sie: «Du, lauf doch einfach. Ohne den Lauf aufzuzeichnen. Ohne zu teilen. Ohne technisches Gerät. Geniess den Frühling. Der kommt quasi jetzt.» So läuft es!

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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