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Für Grexit gibt es keine Blaupause

Demonstrationen in Athen: Die Menschen sind die notleidenden.  Keystone

Sollte Griechenland aus der EU ausscheiden, gibt es keine Blaupause. Die Börsenspieler haben sich bereits in Stellung gebracht. Soziale Unruhen wären vorprogrammiert.

Kommentar  
Von Werner-Josef Gartner
01.07.2015

Die permanenten Verlängerungen in den Verhandlungen mit Griechenland zeigen einmal mehr, welche Uneinigkeit zwischen den einzelnen Partnern besteht. Die griechischen Gesandten können ihre Versprechen, die sie gegenüber den europäischen Finanzministern machen, politisch nicht in Hellas durchsetzen. Sie scheitern an den eigenen Parteigenossen, die nicht von ihren gegebenen Wahlversprechen abweichen wollen.

Mit diesem Nervenspiel riskieren sie, dass die anderen Gesprächspartner ihre Geduld verlieren und ein Ausscheiden Griechenlands unausweichlich wird. Berlin hat immer noch Hoffnungen auf eine Einigung, aber die EU - Kommission, Internationaler Währungsfonds (IWF) und Europäische Zentralbank (EZB) sind jedoch zur Auffassung gelangt, dass Griechenland durch seine unentwegten Forderungen und nicht tragfähigen Vorstellungen keine weiteren Zugeständnisse mehr gemacht werden dürfen.

Ein weiteres Nachgeben nicht mehr durchsetzbar

Brüssel hat die Linie vorgegeben nicht von den Mindestvorgaben abzuweichen, denn gegenüber den anderen europäischen Länder ist ein weiteres Nachgeben zu Gunsten Griechenlands nicht mehr durchsetzbar. Die Politiker aus Madrid, Lissabon oder Litauen müssen den eigenen Wählern erklären, warum sie weitere Zahlungen gewähren, ohne Mindesterfüllung der Vorgaben.

Sollten die Politiker in Brüssel sich nicht durchsetzen können, so müsste die derzeitige griechische Regierung ihren Rücktritt erklären und Neuwahlen eingeleitet werden. Für die übrigen Europäer könnte dies ein Zwischenergebnis bedeuten, denn dann könnte die EZB einen weiteren Notfallkredit herausgeben und das Ergebnis der Neuwahlen abwarten.

Bei Ausscheiden keine Blaupause

Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass Griechenland aus der Eurozone ausscheidet. Für dieses Szenario gibt es jedoch keine Blaupause, denn bisher konnte noch niemand nachweisen, ob es Verwerfungen auf allen Seiten geben wird.

Auf politischer Seite ist man der Meinung, dass auch diese Episode beherrschbar wäre. Aber die Börsenspieler haben sich schon in Stellung gebracht. Sie werden versuchen weiter Wetten für ein Ausscheiden von den anderen Euroländern durchzuspielen. Dies könnte zu einem mittleren Erdbeben an den globalen Märkten führen und ganze Volkswirtschaften in den Abgrund reissen. Soziale Unruhen wären somit vorprogrammiert, denn die Menschen sind die notleidenden bei einem solchen verheerenden Dammbruch.

Die Griechischen als auch die Brüsseler-Politiker werden ob einer solchen aufkeimenden Tragödie sich am Ende zu einem, wenn auch faulen Kompromiss zusammenfinden, um Schaden für ihre Bevölkerung abzuwenden.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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