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Für ein längeres Leben gilt: Je später der Sex, desto besser

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Riesenschildkröten: Warten bis zum ersten Sex ein paar Jahrzehnte ab. Keystone

Die Menschheit wird immer älter. Allerdings ist 
eine weitere Steigerung unserer Lebenserwartung gefährdet, 
weil wir zu früh mit Sex beginnen.

Kommentar  
Von Kurt W. Zimmermann
2016-10-14

Den Rekord des Gipfelstürmers hält Luis Trenker. Der Bergsteiger und Schauspieler aus Südtirol («Der Berg ruft») bekam mit 96 Jahren noch einmal Nachwuchs. Das war ein Jahr vor seinem Tod. Trenker hatte schon vier Kinder.

Einen schönen Rekord hält auch der amerikanische Komiker Steve Martin («Der rosarote Panther»). Vor drei Jahren wurde er im Alter von 67 Jahren Vater. Es war sein erstes Kind.

Die bisher älteste Mutter ist die Inderin Omkari Singh. Sie bekam im Alter von 70 Jahren Zwillinge. Vorher war sie kinderlos.

Riesenschildkröten erreichen das grösste Alter

Damit wären wir bei den Riesenschildkröten. Frau Singh nämlich war bei der Geburt immer noch zehn Jahre jünger als Nigrita, die Galapagos-Schildkröte aus dem Zürcher Zoo. Nigrita wurde Mutter mit 80. Die Schildkröten sind die Landbewohner, die auf ­diesem Planeten das grösste Alter erreichen. Die älteste heisst Jonathan, ist 184 Jahre alt und lebt auf der britischen Überseeinsel St. Helena im Südpazifik (ja, jene mit Napoleon). Anlässlich eines Feiertags wurde Jonathan in diesem Frühjahr erstmals in 184 Jahren gewaschen. Er sah danach deutlich jünger aus.

Extreme Spätzünder

Das Alter von lebenden Kreaturen hängt eng mit ihrer Fortpflanzung zusammen. Je später die Männchen sich für die Weibchen zu interessieren beginnen, desto älter werden sie. Die Riesenschildkröten zum Beispiel interessieren sich erst ab etwa 40 überhaupt für das andere Geschlecht.

Die Grönland-Haie, die ältesten Meeresbewohner, sind noch viel extremere Spätzünder. Sie erreichen die Geschlechtsreife erst nach etwa 150 Jahren. Dann haben sie aber noch weit über zweihundert Jahre lang Zeit für Sex. Der älteste lebende Grönland-Hai wurde vermutlich im Jahr 1624 geboren.

Länger als hundert Jahre leben

Gemessen an solchen Dimensionen ist die aktuelle Diskussion ums Rentenalter eine Zeitverschwendung. Von den im Jahr 1900 geborenen Männern sind nur 0,2 Prozent mehr als 100 Jahre alt geworden. Von den im Jahr 1950 geborenen Männern werden bereits 5,3 Prozent den hundertsten Geburtstag feiern können.

Bei den heute geborenen Männern werden Anfang des 22. Jahrhunderts schon 17,6 Prozent mehr als 100 Jahre alt werden. Bei den Frauen sind es mit 23,9 Prozent noch deutlich mehr. Jeder fünfte Schweizer wird damit künftig länger als hundert Jahre leben. Da können die SP und die Gewerkschaften dagegen dann das Referendum erheben.

Eltern werden immer jünger

Auf der anderen Seite werden aber die Eltern immer jünger. Die bisher jüngste Mutter der Schweiz stammt aus dem Kanton Solothurn und war 13-jährig. Der Vater war ebenfalls 13. Die Jugendlichen von heute, so sagen Mediziner und Soziologen, beginnen immer früher mit Sex und Fortpflanzung.

Das ist aus biologischer Sicht kein allzu gutes ­Zeichen. Die Eintagsfliege braucht von der Geburt bis zur Geschlechtsreife nur ein paar Minuten. Nach 24 Stunden jedoch ist sie tot. Hasen sind schon ab drei Monaten zeugungsfähig, rammeln dann kräftig und gehen schon ein paar Jahre später ein. Riesenschildkröten warten bis zum ersten Mal ein paar Jahrzehnte ab, geniessen den Spass aber dann noch hundert Jahre lang.

So gesehen ist die Lebenserwartung der Menschheit nach oben limitiert. Mehr als 120 Jahre, so sagen Biologen, liegen vermutlich kaum drin. Denn wir beginnen einfach viel zu früh mit dem Sex.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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