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Frauen - das unfriedliche Geschlecht

Frauen - das unfriedliche Geschlecht
Lachmöwen: Geht es um das Futter, kennen Weibchen keine Gnade.  Kev Chapman/CC/Flickr

Man kann es an den Lachmöwen oder an Susanne und Babsi festmachen: Die Aggressivität der Weibchen wird deutlich unterschätzt.

Kurt W. Zimmermann
Kommentar  
Von Kurt W. Zimmermann
2016-03-07

In der Biologie gibt es ein bekanntes Fall­beispiel aus dem Gombe-Nationalpark in Tansania. Ein Schimpansen-Weibchen versuchte, sich einer kleinen Gruppe von anderen Schimpansinnen anzuschliessen. Die reagierten mit roher Gewalt und attackierten die Neue aufs Übelste. Erst nach Stunden der Tortur konnte sie sich schwer verletzt davonmachen.

Im Tierreich weiss man es seit langem. Die Idee, wonach es sich bei den Weibchen um vergleichsweise sanfte Wesen handle, hat mit der Realität nichts zu tun. Weibliche Tiere übertreffen die Männchen oftmals durch ihre unglaubliche Aggressivität. Die weiblichen Fleckenhyänen zum Beispiel kennen mit ihren Kolleginnen kein Erbarmen. Die Konzentration des männlichen Geschlechtshormons Testosteron ist in ihrem Blut bei den brutalen Attacken höher als jene im Blut der Männchen.

Auch die vermeintlich unschuldigen Lachmöwen-Weibchen hacken ihren Konkurrentinnen hemmungslos die Augen aus, wenn sie sich beispielsweise um Futter streiten.

Verwesender Fisch und verschütteter Kaffee

«Die Idee vom friedlichen Geschlecht ist ein Mythos», beschrieb es treffend die «Süddeutsche Zeitung» auf ihrer Wissenschaftsseite.

Und damit wären wir bei Susanne, Daniela und Babsi. Ich arbeitete einmal in einem Betrieb, wo drei von sechs Ressortleitern Frauen waren. Sie waren sehr produktiv, kein Zweifel, oftmals produktiver als ihre männlichen Kollegen. Aber ihre Aggressivität untereinander war ungeheuerlich. Auf dem Korridor schrien sie sich an, sie entwendeten sich gegenseitig die Unterlagen, sie schütteten sich Kaffee übers Kleid («Oh, Entschuldigung, Babsi»).

Der Höhepunkt war erreicht, als die Susanne der Daniela – kein Witz – einen verwesenden Fisch in die oberste Pultschublade legte. Susanne tat es am Freitagabend, damit es am Montagmorgen so richtig schön stank.

Zunehmende Aggressivität

Es ist schwer, über weibliche Aggressivität zu reden, ohne in Geschlechterklischees abzugleiten. ­Sicher aber ist: Das weibliche Aggressionspotenzial ist deutlich höher, als der Mythos es will. Und die weibliche Aggression nimmt zu.

In der Kriminalstatistik schlägt sich das sichtbar nieder. Rund 25 Prozent der Straftaten werden heute von Frauen begangen. Noch vor wenigen Jahren waren es 20 Prozent. Dazu registriert die Polizei zunehmend das Phänomen prügelnder Frauen, in der Öffentlichkeit wie zu Hause. Mitunter gehen sie mit Pfefferspray und Schlagstöcken aufeinander los. Rund 2500 Anzeigen wegen häuslicher Gewalt richten sich jährlich gegen Frauen.

Fehlender sozialer Kodex

Warum das so ist, erklärt uns erneut die Zoologie. Skorpion-Weibchen zum Beispiel sind nicht nur wesentlich aggressiver als die Herren der Gattung, sie stechen auch viel schneller und hemmungsloser als männliche Artgenossen. Weibliche Kaninchen beis­sen schneller zu als die Kaninchen-Männer.

Skorpione und Kaninchen, genauso wie Schimpansen und Lachmöwen, haben keinen sozialen Kodex. Es gibt keine Verhaltensvorschriften dazu, was man darf und was nicht. Lachmöwen haben auch keine zehn Gebote.

Annäherung an die Tierwelt

Bei der menschlichen Rasse haben jahrhundertelang Gebote und Vorschriften die Frauen domestiziert. Sie waren eingeplant als Heimchen am Herd und als sanfte Gefährtinnen. Nun fallen die Schranken dahin.

Frauen nähern sich dem natürlichen Verhalten im Tierreich an. Sie prügeln sich. Und sie legen sich ­Fische in die Schublade.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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