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Frankreich: Zwischen Terror und Perspektivlosigkeit

Trauer: Frankreichs Seele ist schwer getroffen. Keystone

Perspektivlosigkeit ist der Acker auf dem sich Aggressionen und Verbitterung unkontrolliert ausbreiten. Zu spüren bekommt das gerade Frankreich. Doch notwendige Reformen landen in der Schublade.

Kommentar  
Von Werner-Josef Gartner
27.07.2016

Frankreich ist seit Monaten Ziel von terroristischen Anschlägen, das Land kommt nicht wirklich zur Ruhe. Mitten in den Ferien hat ein erneuter Anschlag die Seele Frankreichs schwer getroffen. Aber dies ist nicht nur ein Problem der Grande Nation sondern auch Europas.

Junge Menschen fühlen sich an den Rand der Gesellschaft gedrängt, da sie nicht wahrgenommen oder benötigt werden. Jugendliche, die aus den ehemaligen Kolonien nach Frankreich mit grossen Hoffnungen gekommen sind, wurden enttäuscht. Sie haben eine geringe Bildung, keine nachgefragten Berufe und sind daher chancenlos.

Perspektivlosigkeit auch in Deutschland

Deutschland kennt inzwischen dieses Phänomen auch. Die Migranten, sind für den deutschen Arbeitsmarkt zum grossen Teil unqualifiziert. Auch wenn sie nach und nach eine Ausbildung erfahren, benötigen sie noch Jahre um in einem technisch hoch entwickelten Land eine adäquate Arbeitsstelle zu finden.

Perspektivlosigkeit ist der Acker auf dem sich Aggressionen und Verbitterung unkontrolliert ausbreiten. Weit über zehn Prozent der Franzosen sind ohne Arbeit, besonders die Jugendarbeitslosigkeit ist auf einem erschreckenden Niveau angelangt. Bei über zwanzig Prozent der Jugendlichen die eine Job suchen, haben die Unternehmen und auch der Elysée Palast immens versagt.

Entwürfe bleiben in der Schublade

Seit Jahren versuchen die derzeitige und auch schon die Vorgängerregierung, die duale Ausbildung, das Erfolgssystem aus Deutschland, einzuführen. Bisher sind alle Entwürfe und Konzeptionen in der Schublade im Matignon verschwunden. Die Wirtschaft beklagt wiederum die Verkrustungen, die sich über alle die Jahre in den Gesetzen und Verordnungen niedergeschlagen haben und zu Blockaden bei der Einstellung oder Entlassung von Mitarbeitern führen.

Die Regierung will jetzt mit allen Mitteln das verabschiedete Arbeitsreformpaket umsetzen, das die Kündigung von Mitarbeitern neuordnet. Mitarbeiter können jetzt leichter entlassen werden, um so die Behäbigkeit am Arbeitsmarkt zu beheben. Obwohl zuvor gewaltige Streiks das Land in eine schwere Krise gestürzt hat, haben am Ende die Arbeitgeberverbände ihren Segen gegeben, um den durch Arbeitsniederlegung angerichteten Schaden, ein Ende zu bereiten.

Das Vorhaben hätte schon vor Monaten auf den Weg gebracht werden müssen und nicht zehn Monate vor den Präsidentschaftswahlen. Regierungen sind allemal gut beraten, schmerzliche Einschnitte immer umgehend nach Neuwahlen auf die Tagesordnung zu setzen, um sie danach zügig durch die Parlamente zu bringen.

Rechtes politisches Lager hat keine Lösungen

Die französische Regierung hat inzwischen jegliche Zustimmung in der breiten Bevölkerung verloren. Nur knapp über zwölf Prozent gehen davon aus, dass der derzeitige Präsident die Probleme des Landes lösen kann. Auch die Oppositionsparteien machen keinen guten Eindruck auf die Wähler. Bei Neuansiedlungen oder Erweiterung von Betrieben sind ausländische Investoren, wegen den Politikern aus dem rechten Lager eher skeptisch und legen die Pläne zunächst einmal auf Eis.

Auch bei den heimtückischen Anschlägen sassen sie teilweise in den Stadtparlamenten und haben nicht gerade den Anschein vermittelt, dass sie Lösungen parat hätten. Es ist zu hoffen, dass das Arbeitsreformpaket doch noch bis zu den Wahlen in 2017 greift und die Menschen in Arbeit bringt, damit wieder Ruhe auf den Strassen einkehrt und der Wohlstand in der Grande Nation weiter fortbestehen kann.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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