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Welt & Wirtschaft 
Europa muss jetzt zusammenstehen

Europa muss jetzt zusammenstehen
Europa: Trump betrachtet die europäischen Politiker als zu weich. Keystone

Die USA stellen gerade ihre eigenen politischen Standards auf. Europa muss nun zusammenstehen und darf sich nicht durch bilaterale Abkommen Vorteile verschaffen. Eine gewaltige Krise wäre die Folge.

Kommentar  
Von Werner-Josef Gartner
2017-01-27

Die Formel «Wir wollen mit allen Wirtschaftspartnern ein gutes Verhältnis haben» ringt dem 45. US-Präsidenten nur ein müdes Lächeln ab. Er betrachtet die europäischen Politiker als zu weich und zu nachgiebig, wenn es um ihre Interessen geht. Das Ergebnis dieser politischen Aufgabe hat jedoch zum Wohlstand Europas geführt. Die solidarische Haltung auch zu den Krisenländern wie Griechenland, Spanien oder Italien hat den europäischen Kontinent in schwierigen Zeiten zusammengeschweisst.

Diplomatie und gegenseitiger Respekt ist ein eindrucksvolles Führungsmittel in den demokratischen Nationen. Die USA sind gerade dabei dieses Feld zu verlassen und eigene politische Standards aufzustellen. Die Botschaft des neuen Präsidenten, der sich noch in einer Identitätsphase befindet, heisst «Amerika zuerst», was von allen Partner gebilligt werden kann, aber nicht mit einer Oben-Herab-Politik, sondern mit einem fairen Umgang.

Einfuhrzölle könnten den Ausfuhrboom stoppen

Die Ausfuhren nach den USA besonders der Automobilindustrie gehören zu den wichtigen Stützen der deutschen Wirtschaft. Wer in diesem schwierigen Umfeld Erfolge vorzeigen kann, der findet auch in anderen Ländern Anerkennung für seine Produkte. Die derzeit schwache Eurowährung hat enorme Vorteile für den Export von Waren aus der Eurozone in die USA. Dieser Ausfuhrboom könnte nur durch Einfuhrzölle gestoppt werden, der das Ende des Freihandels einläuten würde.

Die Konjunktur in den USA zieht seit Monaten an, denn die Wirtschaftszahlen im vergangenen Jahr waren nicht berauschend, das Wachstum erreichte nur 1,6 Prozent und von der neuen Regierung wird ein kräftiger Aufschwung erwartet. Die geplanten Trumponomics sollen das Wirtschaftswachstum auf 2,5 Prozent steigern.

Die amerikanische Regierung will die Einkommensteuern gewaltig senken und die Unternehmen entlasten. Die beabsichtigten Investitionen in die Infrastruktur und die in den letzten Wochen zunehmende Beschäftigung werden die Konjunktur zusätzlich stimulieren. Durch die weitere Einstellung von Mitarbeitern, die somit in Lohn und Arbeit kommen, steigt auch der Konsum an, denn er ist für die grösste Volkswirtschaft der Welt nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsindikator.

US-Populismus findet Nachahmer

Kommt jedoch die Wirtschaft nicht in Tritt, könnte die Euphorie schnell verflogen sein und die Versprechungen im Wahlkampf würden sich in umgekehrte Richtung drehen. All die unorthodoxen Strategien müsste die Regierung über den Haufen werfen. Die über Jahrzehnte zusammengewachsenen Industrien über alle Kontinente haben einen regen Austausch an technologischem Wissen und Produkten. Ein Abtrennen von diesen Ingenieur-Erfahrungen und Errungenschaften würden den USA mehr schaden, als Europa und dem Rest der Welt. Auch wenn eine poltische Führungskraft seine Wähler im Auge behalten sollte, so muss sie durch die ökonomischen Verflechtungen auch ein Interesse an seinen Geschäftspartnern haben.

Die Regierung will jetzt mehr Ordnung in den USA schaffen, aber sie kann durch ein rigides Vorgehen auch mehr Unordnung erreichen. Der Handel mit den USA könnte durch die angekündigte Abschottung erheblich belastet werden. Der zunehmende Populismus, der durch den nervenaufreibenden Wahlkampf in der ganzen Welt Nachahmer findet, wird auch in den kommenden Wahlen seine Imitatoren antreffen. Europa muss jetzt zusammenstehen und darf sich nicht in einzelnen Abkommen mit den USA bilaterale Vorteile verschaffen, sonst könnte das Euroland in eine gewaltige Krise stürzen.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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