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Fuhrs Woche 
Donald Trump erlässt Dekrete im Minutentakt

Donald Trump erlässt Dekrete im Minutentakt
Unterschrift: Donald Trump regiert schneller, als man denken kann. Keystone

Donald Trump zeigt dem Westen die lange Nase: Er braucht keinen Thinktank, er braucht nur ein Tintenfass. Denn kaum ist die Tinte unter einem Dekret trocken, unterschreibt er schon das nächste.

Kommentar  
Von Eckhard Fuhr
2017-01-30

Diese Woche habe ich endlich verstanden, was ein Dekretin ist. Ein Dekretin ist ein Mann, der am laufenden Band in Ledermappen eingelegte Schriftstücke unterschreibt und sie dann vor eine Kamera hält.

Seht her, ich habe regiert, soll das heissen. Donald Trump regiert schneller, als man denken kann. 3000 Kilometer Mauer an der Grenze zu Mexiko – zack! Eine Ölpipeline durch Indianerland – zack! Ich vermute, dass er noch vor Ostern den Austritt aus der Nato und die Aufnahme Kleinbritanniens als 51. Staat der USA dekretieren wird.

Da mag im britischen Parlament, einer dieser vielen überflüssigen Schwatzbuden, entschieden werden, was will. Trump befriedigt die antidemokratische Sehnsucht der Massen. Dafür ist das Oval Office, das schon manches gesehen hat, genau der richtige Ort.

Folter funktioniert, absolut

Eines allerdings hat das Oval Office noch nicht gesehen: einen amerikanischen Präsidenten, der vor der Weltöffentlichkeit verkündet, dass Folter funktioniert: It works, absolutely.

Man kann sich nicht vorstellen, wie erleichtert ich war, als ich aus dem Mund des Führers der westlichen Welt endlich bestätigt bekam, was ich immer schon ahnte, dass man nämlich jeden, wirklich jeden, dazu bringen kann, Kind, Frau oder Grossmutter zu verraten, wenn man ihn nur gründlich genug so robuster Verhörmethoden wie Waterboarding unterzieht.

Das ist überhaupt die Grundlage des Dekretismus. Denn irgendwie muss man die «alternativen Fakten», mit denen endlich die Trugbilder der Wirklichkeit beseitigt werden, ja erzeugen.

Trump zeigt uns die lange Nase

Ein neues Zeitalter bricht an. Und ich darf sagen: Ich bin dabei gewesen. Das Einzige, was meine Feierstimmung trübt, ist die Erkenntnis, dass wir den langen Weg nach Westen umsonst zurückgelegt haben. Die vielen Kilometer hätten wir uns sparen können.

Trump zeigt uns die lange Nase. Kein Westen, nirgends. Seine Wähler haben von diesem Ort auch noch nie etwas gehört. Sie halten den Westen offenbar bloss für eine Himmelsrichtung oder verwechseln ihn mit dem Wilden Westen.

Tatsächlich, so lernen wir aus Washington, war der Westen nie etwas anderes als eine Lüge der politischen Eliten. Und denen zeigt es Trump nun gründlich. Er braucht keinen Thinktank, er braucht nur ein Tintenfass.

Kaum ist die Tinte unter einem Dekret trocken, unterschreibt er schon das nächste. Er hat noch vier Jahre Amtszeit vor sich. Wenn er sein Tempo beibehält, muss er sich Beschäftigung suchen für seinen Dekretismus.

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