Seit der Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten hat sich der Fokus der Anleger von den defensiven zu den zyklischen Aktien verschoben. Davon profitieren auch Adecco; die Titel des weltgrössten Vermittlers temporärer Arbeitskräfte gewannen über die letzten vier Wochen gut zehn Prozent an Wert.

Ich habe die Papiere bereits im Sommer empfohlen, seither stiegen sie um 25 Prozent. Damit sind sie aber noch nicht ausgereizt. Die Zahlen für das dritte Quartal bestätigen, dass das von CEO Alain Dehaze (53) und Präsident Rolf Dörig (59) geführte Unternehmen wieder aus eigener Kraft wachsen kann; das organische Wachstum stellt sich auf drei Prozent.

Dennoch ist die Beschleunigung des Wachstums vorderhand noch zaghaft. Konzernchef Dehaze sieht im Geschäftsgang «ein gutes Momentum» und geht davon aus, dass dieses «auch für 2017 anhalten wird». Umsatz- und Ertragswachstum dürften sich in den nächsten zwei Jahren im Bereich von zwei bis fünf Prozent bewegen.

Mehrere Banken haben Adecco bereits wieder auf ihre Kaufliste gesetzt. Ich bin da noch etwas zurückhaltend. Zuerst müssen sich in Europa, vor allem in Deutschland und in der Schweiz, die optimistischeren Konjunkturerwartungen bestätigen. Andererseits bieten die Titel mit einem für 2017 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 eine gute Einstiegsmöglichkeit für geduldige Anleger. Auch die Dividendenrendite von 3,7 Prozent ist ein gutes Argument.

Neue Sonnenstrahlen

Der wechselvollen Geschichte von Meyer Burger wurden in den letzten Wochen weitere Kapitel angefügt – Kapitel allerdings, die hoffen lassen. So setzt der Solarzulieferer auf einen personellen Neuanfang: Peter Pauli (56) räumt nach 14 Jahren seinen Chefsessel, Anfang 2017 übernimmt Hans Brändle (55), einstiger Chef der Beschichtungssparte Coating von Oerlikon. Der Wechsel war überfällig; Peter Pauli fand mit seinem Daueroptimismus unter den Aktionären wenig Zustimmung. Auch in verlustreichen Zeiten machte er «Licht am Ende des Tunnels» aus oder sah die «Solarindustrie im Sonnenaufgang» stehen. 

Ohne Paulis Abgang hätten die Aktionäre wohl kaum der Kapitalerhöhung von Anfang Dezember zugestimmt. Diese war nötig, damit Meyer Burger nicht mit Pauken und Trompeten untergeht und wieder auf etwas gesünderen Beinen steht. Doch auch wenn die ­Rekapitalisierung, verbunden mit weiteren Massnahmen, erfolgreich über die Bühne geht, ist die Firma noch nicht über den Berg. Zwar zeigt der Solarmarkt Anzeichen einer Genesung, doch die unverändert vorhandenen Überkapazitäten stehen einer deutlichen Preiserholung im Weg. Die Aktien sind inzwischen zu Pennystocks verkommen. Ein Engagement setzt eine gehörige Portion an Risikobereitschaft voraus. Ich warte zuerst ab, wie sich Meyer Burger über die nächsten Monate entwickelt.

Rekordzukauf

Jahrelang hat Lonza das Augenmerk auf Fortschritte im operativen Geschäft gelegt. Im Sommer jedoch verkündete CEO Richard Ridinger (58), künftig wieder in Wachstum investieren zu wollen, was auch grössere Akquisitionen einschliesst. Nur Monate später wird bekannt, dass der Feinchemikalienkonzern mit dem US-Unternehmen Capsugel in Übernahmegesprächen steckt.

Die Schweizer wollen für den Hersteller innovativer Dosierformen für den Pharma-, Gesundheits- und Nahrungsmittelsektor angeblich mehr als fünf Milliarden Dollar bezahlen. Das Lonza-Management bezeichnet Capsugel als perfekten Fit, der die Position des Unternehmens als ­Zulieferer im Pharma- und Gesundheitsgeschäft stärken würde. Einige Analysten jedoch zeigen sich überrascht über das Übernahmeziel, sehen andere Firmen als ­attraktivere Akquisitionskandidaten an.

Auch der Börse behagen die Pläne von Lonza wenig, die Aktien gerieten unter starken Abgabedruck. Die Aktionäre befürchten, dass der Einkauf nur über eine Erhöhung des Kapitals zu finanzieren ist. Vontobel schliesst denn auch eine «Kapitalerhöhung um etwa 25 Prozent der derzeitigen Marktkapitalisierung» nicht aus. Das hätte eine gewaltige Verwässerung zur Folge. Der Basler Konzern erfreut sich eines guten Geschäftsgangs. Für das erste Halbjahr wurden exzellente Zahlen vorgelegt und die Rentabilitätsziele erhöht. Auch die Aussichten sind vielversprechend. Dennoch lasse ich die Aktien vorderhand links liegen; zuerst will ich wissen, ob die Übernahme zustande kommt und wie sie finanziert wird. 

One-Man-Show

Mehr als zwei Jahre kamen die Aktienkurse von Siemens nicht vom Fleck. Seit Februar jedoch ist es mit der Langeweile vorbei, die Titel haben über 40 Prozent zugelegt und jüngst ein 16-Jahre-Hoch markiert. Nach einer langen Phase der Stagnation liefert der deutsche Vorzeigekonzern wieder gute Resultate. Für 2016 wurde die Jahresprognose mehrfach angehoben – und letztendlich noch übertroffen.

Das Ende September abgeschlossene Geschäftsjahr 2015/16 ist operativ ein Rekordjahr: Während der Umsatz um fünf Prozent stieg, nahm der Betriebsgewinn überproportional um neun Prozent zu. Der Gewinnrückgang um ein Viertel dagegen ist auf Firmenverkäufe zurückzuführen.

Weitaus stärker als vom laufenden Geschäftsgang werden die 
Aktienkurse von der Vision 2020 beflügelt: Siemens richtet sich auf die Bereiche Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung aus. Und dieser Umbau nimmt unter der straffen Führung des Konzernchefs Joe Kaeser (59), der den ­Radikalumbau vor zwei Jahren eingeleitet hat, immer konkretere Formen an. Zwar bleibt das Umsatzwachstum 2017 schwach, doch zeigt die Profitabilität klar nach oben. Und das gefällt Analysten wie Aktionären. 

Beifall ist auch Kaesers Plan gewiss, die Ertragsperle Medizinaltechnik separat an die Börse zu bringen. Trotz den starken Kursgewinnen weisen die Aktien ein moderates KGV von 14,8 für 2017 auf. Dennoch ist ein Einstieg nur auf längere Sicht zu empfehlen. Was mir bei Europas grösstem Investitionsgüterkonzern nicht gefällt, ist die One-Man-Show des Joe Kae­ser. Seine unbestreitbaren Erfolge ha­ben ihm eine gewaltige Machtfülle verliehen; wer sich ihm in den Weg stellt, muss gehen. Das kann sich eines Tages rächen.

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