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Welt & Wirtschaft 
Die verschworene Machtelite der Aufsichtsräte

Hauptversammlung: Die wirkliche Machtelite ist klein und eingeschworen.  Keystone

Aktionäre vieler Firmen können sich 2016 über üppige Dividenden freuen. Zu sagen haben sie aber nicht viel. Die wahre Macht besitzen wenige ausgewählte Personen, die viel Schaden anrichten können.

Kommentar  
Von Werner-Josef Gartner
19.05.2016

Der Monat Mai ist – wie in jedem Jahr – der grosse Zahltag für die Aktionäre. Im Jahr 2016 sind jedoch die Dividenden bei den Unternehmen im Deutschen Aktienindex mit über 50 Milliarden Euro besonders üppig ausgefallen. Die Unternehmen waren im zurückliegenden Geschäftsjahr ausserordentlich erfolgreich, insbesondere durch Zukäufe und Fusionen geschäfteten die Unternehmen weltweit gewinnbringend.

Dividenden-Zahlungen sind jedoch immer nur eine Zeitaufnahme, da sich durch wirtschaftliche und politische Umgestaltungen auch die Unternehmen verändern können. In wirtschaftlicher Hinsicht wichtig ist auch das eigene Personal.

Mächtige unter sich

Die grossen Unternehmenstanker werden von Vorständen und Aufsichtsräten geleitet, die zu den Architekten und Regisseuren der Wirtschaft gehören. Diese Machtelite ist verantwortlich für Strategien und leitet die Unternehmen wie ein Orchesterchef nur ohne Taktstock. Ein Mandat als Aufsichtsrat ist für die meisten Wirtschaftspäpste ein Ritterschlag erster Klasse. Das gilt insbesondere für Unternehmen, die zu den Blue Chips gehören.

Überdies werden die meisten Aufsichtsratspositionen nicht nach Können und Erfahrung vergeben, sondern wie Adelstitel vererbt. Der Zutritt zu diesem Orden bleibt manchem Manager ein Leben lang verwehrt. Durch Überkreuzmandate der Vorstände und der Aufsichtsräte stellen sie auf diese Weise sicher, dass Macht und Kontrolle «in der Familie» bleiben.

Wenn nur Knochen zurückbleiben

Sie sind die begnadeten Strippenzieher, die über allen Dingen stehen und alle sowie alles steuern. Sie sind die auserwählten Doyens der Wirtschaft und fast ausschliesslich unter sich in diesem Interessensdickicht. Sie geben sich ungern mit den Niederungen des täglichen Geschäfts ab. Darüber hinaus liefert ihnen ein feinmaschig angelegtes Netz eng verbundener Beziehungen, Informationen, Wissen und Macht über ganze Firmenbranchen.

Trotz aller unterschiedlichen Meinungen von Aufsichtsrat und Vorstand scheint es doch in einer Hinsicht eine Einigung zu geben. Wenn es nämlich darum geht, Unternehmen bedenkenlos erleichtern zu können. Die Führungseliten benehmen sich wie hemmungslose Imperatoren und nehmen manche Firma ungeniert wie eine Weihnachtsgans aus. Sie betrachten fortwährend das Unternehmen als Selbstbedienungsladen und lassen nur die abgenagten Knochen zurück.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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