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Die Mächtigen-Liste von «Forbes» ist bedenklich

Die Mächtigen-Liste von «Forbes» ist bedenklich
Wladimir Putin: Laut «Forbes» der mächtigste Mensch der Welt.  Keystone

Laut «Forbes» ist Wladimir Putin der mächtigste Mensch der Welt. Doch was «Forbes» vergisst: Macht heisst nicht, tun zu können, was man will. Sondern andere dazu zu bringen, das zu tun, was man will.

Kommentar  
Von Alan Posener
2015-11-06

Das dritte Jahr hintereinander hat das amerikanische Wirtschaftsmagazin «Forbes» Wladimir Putin zum mächtigsten Menschen der Erde erklärt. Zur Begründung heisst es: Internationale Sanktionen wegen der Annexion der Krim und des Krieges gegen die Ukraine hätten «der russischen Wirtschaft ins Knie geschossen und Russland in eine immer tiefere Rezession getrieben». Das klingt eher nach Ohnmacht.

Doch die «Forbes»-Redakteure fahren fort: «Das hat Putin kein bisschen geschadet.» Zuhause hätten die Zustimmungsraten des russischen Präsidenten ein Allzeithoch erreicht, in Syrien hätten seine Bomben Amerika und die Nato schwach aussehen lassen.

Das stimmt. Putin benimmt sich, wie Präsident Barack Obama einmal bemerkte, wie der Lümmel von der letzten Bank. Und es gibt Leute, die Brutalität bewundern oder fürchten. Doch kann der Halbstarke nur so lange die Klasse terrorisieren, wie ihm niemand die Stirn bietet. Spätestens dann zeigt sich, wie schwach er tatsächlich ist.

Politiker sind keine Manager

Womit wir bei Barack Obama wären: Platz drei bei «Forbes» ist eine Schande für den Führer der einzigen Supermacht. Doch liegt das auch an der Brille, mit der Wirtschaftsredakteure zuweilen die Politik betrachten. Der amerikanische Präsident setze sich nur schwer durch, schreiben sie. Richtig. Demokratische Politiker sind keine Manager, sondern Moderatoren.

Niemand weiss das besser als Angela Merkel, die von Platz fünf auf Platz zwei geklettert ist «wegen ihres entschiedenen Handelns in der syrischen Flüchtlings- und der griechischen Kreditkrise». Dabei fährt die Bundeskanzlerin, wie sie selbst zugibt, in beiden Krisen «auf Sicht». Als sie in Sachen Flüchtlinge «entschieden» handelte, wurden die Grenzen ihrer Macht deutlich.

Wenn Macht nicht als die Fähigkeit definiert wird, tun zu können, was man will, sondern als die Kunst, andere Menschen dazu zu bringen, das zu tun, was man will, so könnte Putin kaum Anspruch auf Platz eins erheben.

Bedenklich ist es freilich, wenn ein Flaggschiff der kapitalistischen Demokratie wie die Zeitschrift «Forbes» diesen Unterschied nicht erkennt. Der Westen traut sich zu wenig zu. Darum wirkt Putin stark.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

 

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