Pharmaaktien haben seit Monaten einen schweren Stand bei Anlegern. Gegenüber dem Höchstkurs von 2015 büssten Sanofi, Shire und Bayer je etwa ein Viertel ihres Werts ein, GlaxoSmithKline und Pfizer gaben um weit über zehn Prozent nach. Die gedrückte Börsenstimmung und noch mehr die Kritik in den USA, wonach viele Konzerne überrissene Preise verlangten, belasten die Pharma­aktien. Zudem leidet die Branche darunter, dass immer mehr Patente auslaufen.

Die Kursrückschläge sind aber auch eine Einstiegschance für ­Investoren, die langfristig denken. Gerade in unruhigen Zeiten üben defensive Pharmapapiere eine stabilisierende Wirkung aufs Depot aus. Zudem winken wieder rosigere Wachstumsaussichten. Die Branche hat ihre Hausaufgaben grösstenteils gemacht: In den Pipelines warten vielversprechende Medikamente auf ihre Marktzulassung. Zu den Pharmawerten einige Anlageideen.

Heimisches Schaffen

Zuoberst auf meiner «Rezeptliste» stehen Schweizer Pharmapapiere. Novartis und Roche haben längst unter Beweis gestellt, dass sie international nicht nur zu bestehen wissen, sondern ganz vorne mit­mischen. Sie zählen zu den innovativsten Vertretern. Gerade Roche zeigt, dass die Auswirkungen aus dem Ablauf von Patenten mit der Lancierung neuer Produkte gemildert werden können. Auch bei ­Novartis läuft das Geschäft gut. Einzig die auf Augenheilkunde ­fokussierte Alcon kämpft mit Problemen. Roche wie Novartis bieten im Vergleich zu den Vorjahren günstige Bewertungen.

Teuer sind dagegen Actelion. Kein Wunder, haben sich die Papiere doch seit 2011 im Wert mehr als vervierfacht. Biotech ist bei ­Investoren ein Megatrend, daran wird sich so schnell nichts ändern. Actelion feiert mit Opsumit, einem Mittel gegen Lungenhochdruck, schöne Erfolge. Jüngst hat die Firma in den USA die Zulassung für Uptravi erhalten. Das neue ­Mittel gegen Bluthochdruck, Nachfolgeprodukt für Tracleer, hat das Potenzial zum Blockbuster. Dennoch lohnt es sich, für den Einstieg Kursrückschläge abzuwarten.

Schöne Renditen

Eine saftige Dividendenrendite von 5,8 Prozent winkt bei GlaxoSmithKline. Sonst aber hatte der britische Pharmagigant über die letzten zwei Jahre nicht viel zu bieten. Ein magerer Ausstoss der Forschungsabteilung, Patentabläufe sowie die harte Konkurrenz bei Medikamenten gegen Atemwegsprobleme drückten auf den Ertrag. Doch die Aussichten hellen sich auf. Nun will CEO SirAndrew Witty (51) für gegen 1,5 Milliarden Dollar das HIV-Portfolio des US-Konkurrenten Bristol-Myers Squibb übernehmen. Das dürfte den Aktien wieder Auftrieb verleihen. Mit einem Einstieg eilt es allerdings nicht.

Die magerste Dividendenrendite der Branche bietet Shire. Nur zählen die Titel des irisch-britischen Konzerns zu den Wachstumswerten, da ist die Ausschüttung nebensächlich. Shire wurde gross mit Medikamenten zur Behandlung des Aufmerksamkeits­defizit-/Hyperaktivitätssyndroms, heute präsentiert man sich als breit aufgestelltes Biopharma-Unternehmen. Im Fokus stehen Produkte gegen seltene Krankheiten. Jüngst wurde Dyax für gegen sechs Milliarden Dollar geschluckt; der US-Konkurrent hat sich ebenfalls auf seltene Erkrankungen spezialisiert. Nun macht sich Shire daran, die US-Firma Baxalta für 32 Milliarden einzutüten. Nach heftigen Kursrückschlägen notieren die ­Aktien wieder auf einem interessanten Niveau.

Günstig zu haben sind auch die Titel von Sanofi. Das französische Unternehmen ist in den Bereichen Pharma, Impfstoffe sowie Tiergesundheit tätig. Dieser Tage führt Sanofi mit Boehringer Ingelheim Gespräche über einen milliardenschweren Austausch; die Fran­zosen möchten den Zweig Tier­gesundheit gegen den Bereich rezeptfreie Medikamente von Boehringer eintauschen. Zusätzlich müssten die Deutschen noch gegen fünf Milliarden in Cash ­liefern. Vom Deal würden beide Seiten profitieren. Zudem arbeiten die Sanofi-Forscher effizient: Bis 2020 sollen gegen 20 neue Produkte auf den Markt kommen. Das gleicht die Wachstumsschwäche im Diabetes-Geschäft aus.

Grossbaustelle

Ebenfalls mitten im Umbau steckt Bayer. Eigentlich ist die Firma aus Leverkusen kein Pharmakonzern, sondern in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft sowie Polymermaterialien tätig. Zukunftsmusik verspricht die Sparte Healthcare, die mit dem von Merck für über zehn Milliarden Euro eingekauften Zweig der rezeptfreien Medikamente verstärkt wurde. Dazu kommen rezeptpflichtige Pharmaka, Medical Care sowie Tiergesundheit. Vielversprechend ist das wachstumsstarke Agrochemie-Segment. Kunststoffe sind das margenschwächste Geschäft, doch will Bayer-Chef Marijn Dekkers (58) diese Sparte 2016 abspalten und an die Börse bringen. Von der Fokussierung auf Life Sciences verspricht sich das Management neues Wachstum. Nach dem Kurssturz sind die Papiere günstig bewertet, doch verlangen sie viel Geduld.

In den letzten Monaten hat Eli Lilly mehrmals die Prognosen angehoben – und jüngst wieder beschnitten. Der starke Dollar belastet die internationalen Geschäfte. Zudem kämpft das Unternehmen noch stärker als die Konkurrenz mit dem Auslaufen von Patenten auf Blockbustern. Auch musste die Entwicklung mehrerer Medikamente aufgegeben werden. Nun wird die Forschung verstärkt. Seit Jahren zeigen die Aktienkurse steil nach oben, aber den Valoren ist seit dem Sommer die Puste ausgegangen. Dennoch sind die Titel mit einem KGV von über 20 zu hoch bewertet. Doch erweist sich das Alzheimer-Medikament Solanezumab als wirkungsvoll, werden die Aktien durch die Decke schiessen.

Seit längerem liefert Pfizer durchzogene Resultate. Um der Stagnation entgehen zu können, will der US-Pharmakonzern seinen irischen Konkurrenten Allergan übernehmen – für 160 Milliarden Dollar! Das wäre die global zweitgrösste Fusion. Die Elefantenhochzeit hat einen fahlen Beigeschmack. Pfizer hat schon oft mangelnde Innovationskraft mit Akquisitionen übertüncht. Und der mit der Fusion verbundene Steuerkniff – Verlegung des Hauptsitzes nach Dublin – schadet dem Image. Danach soll Pfizer übrigens aufgespalten werden. Ich bin skeptisch und warte ab, wie sich die Pläne entwickeln.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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