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Ökologie 
Deutschlands Suche nach grünen Autos

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Kann der Audi E-Tron endlich die elektrischen Hoffnungen erfüllen?  Keystone

Seit über einem Jahrzehnt ist Deutschland Vorreiter für umweltfreundliche Autos. Ihre Entwicklungen werden grosszügig mit Fördergeldern unterstützt. Doch wie sieht die Realität aus?

Kommentar  
Von Andrea Schaller
2015-09-24

An umweltfreundlichen Autos forschen deutsche Autobauer seit Jahren - mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich. Dabei werden sie grosszügig mit Fördergeldern unterstützt. Heraus gekommen sind zum Teil revolutionäre Modelle, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt:

1999 erschien der VW Lupo 3L TDI  und gilt mit einem Verbrauch von 2,99 Litern Diesel auf 100 Kilometer als weltweit erstes vollwertig serienmässig hergestelltes Sparauto. Ein Verkaufsschlager wurde er nie.

Im April 2002 fuhr VW-Chef Ferdinand Piëch mit einer Messerschmitt Kabinenroller ähnlicher Konzeptstudie des 1-Liter-Autos zur VW-Hauptversammlung. Der mittlere Verbrauch lag bei 0,89 Liter Diesel auf 100 Kilometer bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von circa 72 Kilometern pro Stunde.

Viel Lob, wenig Resultat

2006 feierte Loremo sein 1,5-Liter-Auto auf dem Genfer Automobilsalon. Das Interesse an dem schnittigen Umweltsportwagen war riesig. Die Presse überschlug sich mit Lob, 2009 wurde das Konzept sogar von der Initiative «Deutschland – Land der Ideen» ausgezeichnet und mehr 60'000 Autofahrer bekundeten ihr Kaufinteresse.

Das ursprünglich mit einem Dieselmotor geplante Auto avancierte 2009 zum Elektroauto, denn Elektromobilität wurde und wird immer noch grosszügig gefördert. Für mehr als den Prototypen hat es beim Loremo nie gereicht. Dafür wurden 2,3 Millionen Euro Fördergelder und Gelder von Kleininvestoren garantiert CO2 frei in die Luft geblasen.

Dennoch verdeutlichte Loremo, dass ein Umweltauto ankommt, wenn es sexy ist. Wie sportlich ein CO2-neutrales Auto sein kann, zeigte sich 2008, als Tesla seinen rein elektrischen Roadster auf die Strasse brachte.

Nicht in den Handel geschafft

Auch die Volkswagengruppe entwickelte diverse Leichtbau-Dieselfahrzeug und Plug-In-Hybride, darunter den VW XL1, das ehemalige 1-Liter-Auto. Mit einer 10-Liter-Tankfüllung und einem in 90 Minuten geladenen Lithium-Ionen-Akku kam das Fahrzeug 550 Kilometer weit, wovon 35 km elektrisch zurückgelegt wurden. Der Verbrauch lag bei 1,82 Litern pro 100 Kilometer bei vollem und 1,94 Litern pro 100 Kilometer bei entladenem Akku. Ehemals als Grossserie gedacht wurde aus dem XL1 eine Kleinserie, die nicht im Handel verfügbar ist.

Audi entwickelte bereits 1989 ein Fahrzeug mit elektrischem Antrieb. Klar dass 20 Jahre später, als Elektromobilität verstärkt ins öffentliche Interesse rückte, die Pläne wieder aufgenommen wurden. Ende des Jahres kann der Audi R8 e-tron, bereits 2009 auf der IAA als Showcar vorgestellt, endlich bestellt werden. Mit 340 Kilowatt und gewaltigen 920 Newtonmeter Drehmoment sprintet der Elektro-Sportler in 3,9 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 250 Kilometer pro Stunde begrenzt, damit eine Reichweite von bis zu 450 Kilometern erreicht werden kann.

Seit dieser Woche sind Dieselfahrzeuge als Umweltautos ganz klar out. Fragt sich nur, wenn schon beim Diesel mit der Software geschummelt wurde, wie umweltfreundlich sind dann erst Elektroautos. Ist es also vernünftig, dass die Deutsche Regierung gerade E-Mobility verstärkt fördert?

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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