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Gesellschaft 
Der Kapitalismus als Lösung für den Klimawandel

Der Kapitalismus als Lösung für den Klimawandel
«Earth Crisis»: Der Klimagipfel sollte Abstand nehmen von Obergrenzenrhetorik.  Keystone

Im Kampf gegen den Klimawandel hilft keine Obergrenzenrhetorik à la soundso viele Elektroautos bis dann und dann. Dies käme einer Delegitimierung der Politik gleich.

Kommentar  
Von Alan Posener
2015-11-30

Die Erde ist flach, übervölkert und überhitzt. So der amerikanische Journalist Thomas Friedman. Das Internet macht die Welt flach und vernetzt nicht nur Produzenten und Konsumenten, sondern dient auch Terroristen zur Rekrutierung. Die Übervölkerung führt zu tödlichen Konflikten um Land und Ressourcen. Der Klimawandel verschärft diese Konflikte. Die Vernunft gebietet es, den Klimawandel zu bekämpfen.

Das vergangene Jahrzehnt wurde mit ideologischem Streit vergeudet. Ideologen von rechts leugneten, was die meisten Wissenschaftler als Fakt akzeptieren: Man kann nicht riesige Mengen Treibhausgase in die Atmosphäre pumpen und erwarten, dass nichts passiert. Leider gehören die meisten Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner immer noch zum Vogel-Strauss-Lager. Ideologen von links sahen im Klimawandel den Hebel, um den Kapitalismus und den Hedonismus, die Moderne schlechthin zu diskreditieren. Leider hat sich ihnen auch der Papst angeschlossen.

Unglückliche Nebeneffekte

Wenn sich ab dem 30. November die mächtigsten Politiker der Welt in Paris zum Klimagipfel versammeln, so werden sie immerhin diese ideologischen Fehler vermeiden. Die Frage ist aber, ob sie auch praktische Fehler vermeiden können, die aus gut gemeintem Gestaltungswillen resultieren.

Deutschland etwa hat mit der übereilten Abschaltung von Atomkraftwerken dafür gesorgt, dass Kohle und Braunkohle unverzichtbare Energieträger bleiben. Mit der Förderung von Solaranlagen statt Solarenergieforschung wurde Innovation erstickt. Mit der Zwangsbeigabe von Ethanol zum Benzin wurde die Mais-Monokultur befördert, die Biodiversität im Namen von «Bio» gefährdet.

Wer das Problem schafft, kann das Problem auch lösen

Derweil kamen aus den von Anhängern des härenen Hemdes als «Klimasünder» verteufelten USA Innovationen: Elektroautos, computergesteuerte «smart grids», Fortschritte bei Fusionsreaktoren und dergleichen mehr. Wie schon Friedrich Hölderlin wusste: «Wo Gefahr ist / Wächst das Rettende auch.» Die kapitalistische Industrialisierung hat das Problem Klimawandel geschaffen. Nur die kapitalistische Industrie kann sie lösen.

Es hilft nicht, im Sinne der Planwirtschaft gut gemeinte, aber unrealistische Ziele vorzugeben: Die Erde darf sich nur um zwei Prozent erwärmen; soundso viel Prozent erneuerbare Energie, soundso viele Elektroautos bis dann und dann. Das Ergebnis solcher Obergrenzenrhetorik ist absehbar: Delegitimierung der Politik, weil die Planvorgaben nicht erreicht werden.

Oder – wie der VW-Abgasskandal zeigt, und wie jeder weiss, der in einer Planwirtschaft gelebt hat – massenhafter Betrug. Die Politiker müssen den Mut haben, den Kohlenstoff teuer zu machen und die Forschung massiv zu fördern. Den Rest besorgt der Markt.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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