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In der Grösse zeigt sich die Grösse

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Barack Obama und Bill Clinton: Ihre Grösse zeugt von der guten Lebensqualität.  Keystone

Vergessen Sie die Kleingeister. Die Lebensqualität auf dieser Erde war noch nie grösser als heute.

Kommentar  
Von Kurt W. Zimmermann
2015-10-20

Beginnen wir mit einer ­individuellen Frage: Wie fühlen Sie sich? Gut oder schlecht? Man kann dieselbe Frage nicht nur individuell, sondern auch statistisch stellen. Dann lautet sie: Wie hoch ist die Lebensqualität? Hoch oder tief?

Die OECD hat zur Messung der Lebensqualität eine Reihe von Indikatoren definiert. Es sind Kriterien wie Inlandprodukt, Gesundheit, Umweltqualität, Demokratie und Sicherheit. Nach diesen liegt Australien an erster, der Irak an letzter Stelle.

Körpergrösse als Kriterium

Das Problem dieser Indikatoren besteht darin, dass sie im historischen Vergleich untauglich sind. War die Lebensqualität vor hundert Jahren wirklich schlechter als heute? War sie schlechter, nur weil das BIP tiefer lag, es weniger Volksbefragungen gab und der Umweltschutz noch nicht so wichtig war?

Zur Bestimmung der Lebensqualität hat die Biologie deshalb ein viel einfacheres und präziseres Kriterium definiert. Es ist die Körpergrösse. Wenn Lebewesen immer grösser werden, sind ihre Umweltbedingungen ideal. Sie können sich Wachstum leisten, weil es genügend Ressourcen und wenig Risikofaktoren gibt. Werden Lebewesen hingegen kleiner, dann darum, weil ihr Leben härter geworden ist und sie Energie sparen müssen.

Pflanzenfresser können ernten

Die Pferde zum Beispiel begannen in der Steppe als eine Art mittelgrosse Hunde. Heute erreichen sie ein Stockmass bis 1,80 Meter. Auch Elefanten haben zugelegt. Nun ist die Lebensqualität von Tieren sehr einfach zu definieren: Erst kommt das Fressen und dann die Moral.

Pferde und Elefanten sind Pflanzenfresser. Diese profitieren besonders von stabilen Umweltbedingungen. Ihre Nah­rungsreserven sind per­manent vor­handen. Sie können ernten, sie müssen nicht jagen. Raubtiere hingegen brauchen viel mehr Energie und Geschwindigkeit, um ihrer Beute nachzustellen. Sie werden darum nie ähnlich gross wie die Vegetarier im Tierreich.

Im Alten Rom waren die Menschen deutlich kleiner

Der Mensch ist ein Fleischfresser mit vegetarischem Lebensstil. Er jagt keine Beute mehr. Er züchtet stattdessen Rinder, Schafe und Schweine in stationärer Haltung. Sie sind eine Art Pflanzen. Er hat immer gastronomischen Zugriff auf sie, ohne viel Energieaufwand.

Darum ist der Mensch gewaltig in die Höhe geschossen. Alexander der Grosse und Julius Cäsar massen noch um 1,50 Meter. Ludwig XIV. war 1,63 Meter, Martin Luther und Napoleon waren 1,68 Meter gross. Ausnahmen gab es zu allen Zeiten. Karl der Grosse und Leonardo da Vinci massen 1,84 Meter.

Besseres Leben, grössere Lebewesen

Man nennt das Copes Gesetz. Der US-Paläontologe Edward Cope formulierte im 19. Jahrhundert erstmals die Regel, wonach Lebewesen im Zuge der Evolution immer grösser wurden, weil ihre Lebensbedingungen sich andauernd verbesserten. Eine neue Studie stützt die These. Untersucht wurden marine Fossilien, die fast 60 Prozent aller bestehenden Tiergattungen umfassen. In den letzten 500 Millionen Jahren hat ihre Körpergrösse im Schnitt um das 150fache zugenommen.

Das alles sind Gegenbeweise gegen Wachstumsskeptiker, Umweltfanatiker, Weltuntergangsbeschwörer und Kultur­pessimisten. In der Grösse zeigt sich die Grösse. Die Lebensqualität auf unserer Welt war nie grösser.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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