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Der Biber zeigt uns, wie wir uns im Büro schützen können

Der Biber zeigt uns, wie wir uns im Büro schützen können
Biber: Die Nagetiere bauen Dämme zum Schutz vor Feinden. Arterra / Kontributor/ Getty Images

Gegen unsere natürlichen Feinde im Büro schützen uns 
selbst gebaute Dämme. Wie man das macht 
und wo die Risiken liegen, lernt man vom Biber.

Kommentar  
Von Kurt W. Zimmermann
2017-10-26

Heute geht es um das Thema Selbstverteidigung am Arbeitsplatz. Wir müssen uns darum zuerst mit dem Biber beschäftigen, in der Zoologie genannt Castor fiber.

Biber bauen bekanntlich Dämme. Dazu fällen sie mit ihren Nagezähnen bis zu fünfzig Zentimeter dicke Bäume und lassen sie ins Wasser stürzen. Dann schleppen sie Äste, Zweige und Gestrüpp herbei und verflechten sie mit Schlamm, Steinen und Geröll zu einem Staudamm.

Dämme zum Schutz vor Feinden

Warum tun die Viecher das? Aus Selbstschutz. Der Zugang zu ihrem Biberbau liegt immer unter Wasser. So ist Feinden wie Fuchs, Luchs und Dachs der Eintritt verwehrt. Für den Unterwassereingang aber brauchen sie einen stabilen Wasserstand, der nicht austrocknet und bei Regen nicht zum reissenden Bach wird. Also bauen sie sich einen Stausee und verschanzen sich hinter ihrem Damm.

Dämme werden auch gerne in Büros gebaut. Der beliebteste Damm dürfte dabei die Vor­zimmerdame sein. Das gefürchtetste Exemplar, das ich jemals erlebte, nannten im Betrieb alle politisch unkorrekt «Fräulein Widmer», obwohl an ihr nun gar nichts Fräuleinhaftes war. An Fräulein Widmer war schwerer vorbeizukommen als an einem italienischen Innenverteidiger. Einer versuchte es einmal mit einer Schachtel Pralinés. Er erntete eisiges Schweigen.

Der Biber, der hinter ihr sass, war der Geschäftsführer. Er kam nur ganz selten aus seinem Bau. Er erinnerte uns an das Bonmot, das man über den früheren Präsidenten der Schweizerischen Bankgesellschaft Robert Holzach gern erzählte. An seiner Bürotür hing ein Schild: «Eintritt verboten. Ich führe.»

Andere Formen von Dämmen im Middle Management

Vorzimmerdamen sind leider Chefsache. Die Biber aus dem Middle Management müssen sich darum mit anderen Formen von Dämmen behelfen. Eine schöne Lösung fand ein Controller in einem deutschen Unternehmen, für das ich mal arbeitete.

Vor ihm auf dem Pult stand ein riesiger Flachbildschirm, der ihn abschirmte. Nach längeren Verhandlungen gelang es ihm, bei der zentralen Beschaffung einen zweiten Flachbildschirm zu organisieren. Den stellte er links auf das Pult, in Richtung Türe. Der Damm war nun undurchdringlich.

Kubus aus Plexiglas als Biberbau

Manchmal braucht es auch Einfallsreichtum, um sich den eigenen Bau zu sichern. Das Problem unseres Personalchefs war beispielsweise, dass seine Human-Resources-Abteilung, wie überall üblich, ein soziales Vorbild sein wollte. Ein Einzelbüro kam für ihn darum nicht in Frage.

Er löste das Problem, indem er im Grossraumbüro um sich herum einen Kubus aus Plexiglas bauen liess, dies unter dem Vorwand, ungestört Gespräche führen zu müssen. Gespräche wurden dann dort nie geführt. Aber er hatte seinen Biberbau, zu dem all die Füchse, Luchse und Dachse rundherum keinen Zutritt hatten.

Bei uns leben etwa 2800 Biber

Damit wären wir zurück beim Biber. Ums Jahr 1800 war er in der Schweiz ausgerottet. Vor allem Bauern konnten ihn nicht leiden, weil wegen seiner Staudämme mitunter Felder überschwemmt wurden. Erst in den Fünfzigern siedelte man den Nager wieder an. Heute leben etwa 2800 Biber bei uns.

In den Biberhochburgen wie Aargau und Thurgau überlegen sie sich bereits wieder, ob sie den Nager für Jäger zum Abschuss freigeben sollten. Die von ihm verursachten Überflutungen richten inzwischen Flurschäden in Millionenhöhe an.

Es ist wie immer in Wirtschaft und Politik. Man kann es mit der Abschottung auch übertreiben.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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