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Welt & Wirtschaft 
Chinas Wirtschaft schlittert in Richtung Rezession

Gefahr für den Wohlstand: Chinas Wirtschaft fehlt der Schwung.  Keystone

Die Industrie bereitet der chinesischen Regierung grosse Sorgen. Zahlreiche Interventionen konnten bisher die Boom-Phase nicht wiederbeleben. Die Rettung könnte im Automobilsektor liegen.

Kommentar  
Von Werner-Josef Gartner
02.10.2015

China driftet immer weiter in die Rezession. Die Zahlen der vergangen Wochen sind für die Regierung in Peking nicht erfreulich. Der Industriesektor - eine wichtige Stütze der Wirtschaft - hat an Schwung verloren. Bisher konnte das Reich der Mitte die übrigen führenden Volkswirtschaften gross beeindrucken. Der Nimbus ist inzwischen erheblich geschwunden. Nach einer jahrelangen Boom-Phase sind Sättigungsgrade bei der chinesischen Bevölkerung, aber auch in den Absatzmärkten festzustellen.

Peking muss sich mit bescheideneren Zahlen zufrieden geben. Das Bruttosozialprodukt (BIP) ist um 5 Prozent zurückgegangen. Für das verwöhnte Reich der Mitte ist dies eine bemerkenswerte Schwäche, die sich seit Beginn des Jahres abzeichnet. Der Konsum unterstützte bisher das Wirtschaftswachstum, doch jetzt scheinen die Verbraucher zugeknöpfter. Die Notenbank in Peking versucht derweil mit Massnahmen, die Wirtschaft am Laufen zu halten. Die Zinssenkungen haben ihr Ziel noch nicht erreicht, zusätzliche Stimulierungen sollen die Unternehmen unterstützen.

Reformen sollen China wieder attraktiver machen

Die Schwäche Chinas hat für die übrigen Volkwirtschaften der Welt den Vorteil, dass die Preise für Rohstoffe zur Herstellung von Produkten an den Märkten erheblich zurückgegangen sind. Auch der Ölpreis, ein wichtiger Indikator, ist für ein Barrel von 159 Liter auf dem niedrigen Niveau von 40 Dollar angekommen. Den Verbrauchern bleibt für den Konsum mehr Geld im Portemonnaie.

China kann mit seinen riesigen Währungsreserven von fast 3000 Milliarden Dollar die Konjunktur befeuern und somit erheblichen Einfluss auf die eigene Wirtschaftslage nehmen. Zugleich muss China für ausländische Investoren weiter attraktiv werden und zunehmend Reformen einleiten, denn die fehlende Rechtssicherheit ist vielen ausländischen Firmen ein Dorn im Auge.

Autoindustrie als Rettungsanker

Die Regierung will die Wirtschaft weiter auf Wachstumskurs halten und hat dafür die chinesische Währung (Yuan) abgewertet, was eine zusätzliche grosse Hilfe ist. Chinesische Produkte auf den Weltmärkten können so günstiger angeboten werden und die eigenen Arbeitsplätze im Land wären sicherer. Einen Impuls könnte die Automobilindustrie liefern. China ist nämlich ein Hauptlieferant von Produkten für die Herstellung von Personenwagen. Dies hat Einfluss auf den Kaufpreis von Premiumautos, die wegen des schwachen Euros auch noch durch einen schwachen Yuan unterstützt werden.

Falls diese Treiber nachhaltig sind, könnten sich die ökonomischen Bedingungen wieder zum Besseren entwickeln. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt soll wieder den Anschluss an die anderen führenden Volkswirtschaften finden. Ein Desaster für die Pekinger Politiker, die verantwortliche Elite also, wäre die Zunahme der Arbeitslosigkeit und folgende soziale Unruhen.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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