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Apples App-Übermacht steht vor dem Ende

App-Markt: Spiele sind die beliebtesten Apps und für 80 Prozent der App-Umsätze verantwortlich. Keystone

Im App-Markt bahnt sich ein Umbruch an: 2017 werden Android-Nutzer erstmals mehr Geld für Apps ausgeben als iPhone-Besitzer, sagt eine Studie. Überhaupt verbringen wir immer mehr Zeit mit Apps.

Kommentar  
Von Thomas Heuzeroth
16.02.2016

Apple steht kurz davor, seine Dominanz im App-Markt zu verlieren. Nach der jüngsten Prognose des Marktforschers App Annie werden die Android-App-Stores bereits im kommenden Jahr mehr Umsatz machen als der App-Store von Apple. Im vergangenen Jahr haben Googles hauseigener App-Store Google Play und Drittanbieter-Stores mehr als 18 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Bis 2020 wird dieser Umsatz auf mehr als 55 Milliarden Dollar ansteigen.

Für sich allein bleibt Apples App-Store der nach Umsatz stärkste – zumindest in den kommenden fünf Jahren. In dieser Zeit werden Apples App-Umsätze von derzeit mehr als 20 Milliarden auf knapp 45 Milliarden Dollar steigen.

Bis 2020 werden sich die Umsätze verdoppeln

In fünf Jahren werden Smartphone- und Tablet-Nutzer nach den Schätzungen von App Annie weltweit zum ersten Mal mehr als 100 Milliarden Dollar für Anwendungen ausgeben und damit doppelt so viel Geld wie im laufenden Jahr.

Während es für die mobilen Geräte von Apple nur einen App-Store gibt, sind es für Smartphones, die mit Googles Android-System laufen, gleich mehrere. In China gibt es sogar mehrere Dutzend Drittanbieter-Stores.

Nicht nur insgesamt steigen die Umsätze in den Stores, auch pro Gerät nehmen die Ausgaben für Anwendungen nach der Prognose von App Annie zu. Lag der durchschnittliche Umsatz im vergangenen Jahr noch bei 15,42 Dollar, wird er innerhalb von fünf Jahren auf 16,22 Dollar zulegen.

Chinesische Nutzer sehr aktiv

Auch die Zahl der Downloads, zu denen bezahlte und kostenlose Apps gehören, steigt steil an. Etwa ein Drittel aller Downloads sind heute chinesischen Nutzern zuzuschreiben.

Waren es im vergangenen Jahr weltweit gut 111 Milliarden Apps, die auf Smartphones und Tablets geladen wurden, sollen es im laufenden Jahr schon ein Drittel mehr sein. In fünf Jahren sind es der Studie zufolge fast 285 Milliarden Apps.

Mit gut 166 Milliarden Apps entfällt dann mehr als die Hälfte der Downloads auf den Google Play Store, eine Verdreifachung zum vergangenen Jahr. Googles hauseigener App-Store wird somit zum wichtigsten Motor des globalen Wachstums.

Immer mehr Geräte

Das liegt vor allem an schnell wachsenden Märkten wie Indien, Brasilien, Mexiko und Indonesien. Im Vergleich dazu werden die Downloads von Apps für Apple-Geräte nur um 46 Prozent auf gut 35 Milliarden zunehmen.

Der steile Anstieg geht mit der schnell zunehmenden Verbreitung der Geräte einher. Nach den Zahlen von App Annie sind derzeit 2,6 Milliarden Smartphones und Tablets in Betrieb. In fünf Jahren wird sich die Verbreitung mehr als verdoppeln.

Spiele gehören nach wie vor zur beliebtesten App-Kategorie. Im vergangenen Jahr standen sie für 85 Prozent der Umsätze, also für knapp 35 Milliarden Dollar weltweit. In diesem Jahr sollen es der Studie zufolge bereits 41,5 Milliarden Dollar werden und in fünf Jahren fast 75 Milliarden Dollar.

Verweildauer nimmt ebenfalls zu

Der Marktforscher analysiert ausserdem permanent die Nutzung von mehreren Hunderttausend Apps in 60 Ländern und kann so detaillierte Angaben über die Nutzungshäufigkeit und Dauer von Apps machen. So haben die Nutzer von Android-Smartphones im vergangenen Jahr fast zwei Drittel mehr Zeit in ihren Apps verbracht als im Vorjahr. Die verbrachte Zeit in Medien- und Video-Apps stieg sogar um mehr als 90 Prozent.

Den Zeitvertreib führen Apps an, mit denen Kommunikation unterstützt wird, also Anwendungen rund um soziale Netzwerke und Messaging.

Zusätzliche Umsätze mit Werbung

Insgesamt jedoch liegen die Umsätze mit Apps noch höher, wenn man den Kreis etwas breiter zieht. So beinhaltet die Studie von App Annie nicht Umsätze, die mit Werbung in den Apps gemacht werden.

Auch Gebühren für Dienste, die ausserhalb von Apps abonniert wurden, sind darin nicht enthalten, was unter anderem auf Streaming-Dienste wie Netflix zutrifft.

App als Jobmotor

Apple selbst nennt die Zahl von 36,5 Milliarden Euro, die Entwickler bis heute mit dem Verkauf von Apps und Spielen für mobile Apple-Geräte verdient haben. Gut ein Viertel davon sei an europäische Entwickler gegangen.

Ein Drittel des Verkaufspreises behält Apple ein. Allein in Europa sind nach Apple-Angaben etwa 1,2 Millionen Arbeitsplätze direkt durch den App-Store entstanden.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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