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Apple: Ein Spotify-Klon als «One more thing»

Apple: Ein Spotify-Klon als «One more thing»
Bezeichnet «Apple Music» als «revolutionären Streaming-Dienst»: Tim Cook.   Keystone

Apple will sein Musikgeschäft wiederbeleben. Gegen sinkende Downloads soll eine Spotify-Alternative helfen. Dafür wird es höchste Zeit. Warum aber verkauft der iPhone-Konzern das als Revolution?

Kommentar  
Von Thomas Heuzeroth
2015-06-09

Apple hat seinen neuen Musikstreaming-Dienst «Apple Music» enthüllt – und greift damit seinen Konkurrenten Spotify an. Das Angebot startet am 30. Juni in 100 Ländern und wird in den USA monatlich knapp zehn Dollar kosten. Für 15 Dollar können Familien den Dienst auf sechs Geräten parallel nutzen. Ein Preis für Deutschland hat Apple noch nicht genannt.

Apple-Chef Tim Cook präsentierte «Apple Music» am Montag auf der Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco als «One More Thing». Mit dieser Einleitung hatte der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs immer wieder Überraschungen präsentiert. Das neue Musikangebot des iPhone-Konzerns war allerdings erwartet worden.

«Wir lieben Musik. Musik ist ein so wichtiger Teil unseres Lebens», sagte Cook vor 5000 Entwicklern. Bei einem Streamingdienst wird die Musik während der Übertragung über das Internet abgespielt und nicht auf dem Gerät gespeichert. Apple selbst bezeichnet sein Angebot als «revolutionären Streaming-Dienst».

Beats Music mit wenig Erfolg

Der iPhone-Konzern startet spät in das Geschäft mit dem Musikstreaming. Zwar hatte Apple bereits im vergangenen Jahr den Anbieter Beats Music übernommen. Doch der Dienst wurde nur wenig beworben und hat in den USA gerade einmal 300'000 Nutzer gewinnen können.

Zum Vergleich: Der schwedische Marktführer Spotify zählt neun Jahre nach seinem Start 60 Millionen Nutzer, jeder Vierte zahlt eine monatliche Gebühr. Das kostenlose Angebot wird mit Werbeunterbrechungen finanziert.

Apple hatte im Vorfeld Druck auf die Musik-Labels ausgeübt, den Kostenlos-Dienst nicht weiter zu unterstützten. Berichten zufolge soll sich das US-Justizinisterium und die Wettbewerbsbehörde der Europäischen Kommission mit dem Fall beschäftigen.

Streit um Gratis-Musik

Spotify hat immer wieder betont, dass das kostenlose Angebot für die Nutzer häufig ein Sprungbrett in den Abo-Dienst ist. Die Schweden legten sich dafür sogar mit Musikern an.

Im vergangenen Jahr hat die Künstlerin Taylor Swift ihre Musik aus der Spotify-Bibliothek abgezogen, nachdem Spotify nicht auf die Forderung eingegangen war, ihre Stücke aus dem Kostenlos-Angebot zu streichen.

Apple will einen solchen Gratis-Dienst neben dem Abo-Modell nicht anbieten. Mit «Apple Music» dürfte das Musikstreaming seine Nische verlassen. Zum Start dürfen Nutzer den Dienst drei Monate lang kostenlos testen.

Downloads gehen zurück

Der iPhone-Konzern reagiert mit seinem neuen Angebot auf zurückgehende Verkäufe von Musikdownloads. Apple hatte seinen iTunes Music Store vor zwölf Jahren geöffnet. Der Kauf von digitaler Musik soll aber weiterhin möglich sein.

Wie auch bei anderen Streamingdiensten können Nutzer bei «Apple Music» ihre gewünschten Musik-Genres und Interpreten angeben, um sich im Anschluss Empfehlungen geben zu lassen. Das System berücksichtigt dabei auch bereits erstellte Abspiellisten und gekaufte Alben. Apple betonte am Montag, dass Empfehlungen auch von Musikexperten vorgenommen werden.

Auch unbekannte Künstler können ihre Musik zu «Apple Music» hochladen und sie zusammen mit Videos, Fotos und Liedertexten ihren Fans zugänglich machen. Die Funktion «Connect» ist in die «Apple Music»-Anwendung eingebunden.

Siri findet Musikwünsche

«Apple Music» wird eng mit Siri verbunden, so dass Nutzer dem digitalen Assistenten Anweisungen geben kann wie «Spiele mir die besten Songs des Jahres 1994 vor». Der Dienst wird zum Start Ende Juni auf iPhones, iPads, Macs und Windows-Rechner verfügbar sein. Im Herbst soll eine App-Version für Smartphones folgen, die mit dem Google-Betriebssystem Android laufen.

Zusammen mit «Apple Music» startet der iPhone-Konzern auch einen Radiosender im Internet, der von DJs aus den drei Städten New York, Los Angeles und London rund um die Uhr bestückt wird. Der Sender mit der Bezeichnung «Beats One» kann ebenfalls in 100 Ländern auf die Geräte gestreamt werden.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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