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500-Euro-Schein: Die Schweiz als Vorbild für die EZB

500-Euro-Note: Die EZB will den grössten Euro-Schein abschaffen.  Keystone

Bargeld hat derzeit einen schweren Stand: Die EZB erwägt nun sogar den 500-Euro-Schein abzuschaffen. Dass es anders geht, zeigt das Beispiel Schweiz: Da geniesst die 1000er-Note grossen Rückhalt.

Kommentar  
Von Werner-Josef Gartner
08.04.2016


Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Politiker in Europa erwägen das Bargeld abzuschaffen, beziehungsweise die grossen 500-Euro-Scheine aus dem Verkehr zu ziehen. Grund soll die Geldwäsche sein, das bedeutet, dass diese grossen Geldscheine vornehmlich für strafrechtliche Delikte verwendet werden. Dies scheint für manchen Politiker verständlich, aber es gibt noch viele Geschäfte, die mit Bargeld abgewickelt werden, die kaum den Anschein haben, irgendetwas vertuschen zu wollen.

Auch grosse Teile der Bevölkerung in Europa und besonders in Deutschland lieben das Bargeld, zumal durch die Nullzinspolitik der EZB die Menschen aufgeschreckt sind. Für Guthaben, die bei der EZB von Banken unterhalten werden, müssen sie einen Strafzins von 0,4 Prozent bezahlen. Obwohl bisher Privatpersonen von der Verwahrgebühr nicht betroffen sind, trauen sie dem Treueschwur nicht. Viele Bürger horten schon heute Papiergeld in grossen Scheinen zu Hause oder mieten Banktresore an, um dort die Barschaft unterzubringen.

Neue Notenserie in Arbeit

Die Banken, die sich von einer Krise und von einem Skandal zum anderen schleppen, haben bei der europäischen Bevölkerung immenses Vertrauen verloren. Ganz anders die Schweiz, sie ist gerade dabei neue Geldscheine zu drucken und zwar mit wunderschönem Design aus den Kantonen. Sie sind künstlerisch vielseitig gestaltet und erfüllen die höchsten Ansprüche in Sachen Sicherheit.

Die Notennachfrage steigt im Gegensatz zum übrigen Europa stetig und derzeit sind über 400 Millionen Noten im Umlauf. Normalerweise sind Geldscheine drei bis fünf Jahre im Umlauf und die Schweizer Nationalbank (SNB) lässt sich den Druck und die Sicherheitsvorkehrung fast eine Milliarde Franken kosten.

Grosse Scheine sind äusserst beliebt

Besonders gefragt sind die 1000-Franken-Scheine – sie werden liebevoll Ameisen genannt, weil auf dem Schein eine Ameise zu sehen ist. Diese Noten werden von den Eidgenossen als Geldreserve für schlechtere Zeiten verwendet und in Schatullen gehortet. Dieser Geldschein soll wie auch alle übrigen Noten neu gestaltet werden und in drei Jahren im neuen Design erscheinen.

Gerade als die Negativzinsen die Schweizer vor drei Jahren für ihre Guthaben bei den Banken erfasst hat, begann ein Run auf die grossen Scheine und die Krisen in Europa haben die Nachfrage stark befeuert. Die Eidgenossen sind seit Jahren an niedrige Zinsen gewohnt und können auch damit umgehen. Sie jammern und lamentieren nicht und der Schweizer Franken hat dadurch auch nicht an Attraktivität verloren, sondern eher dazugewonnen. Ein Grossteil der Schweizer hat sein Geld auch nicht nur im Sparstrumpf sondern auch an den Aktienmärkten angelegt, wo es ihm reichlich Dividende und auch Kursgewinne beschert.

Vorbild in Sachen Geldpolitik

Die Schweiz ist bekanntlich nicht nur das Land der schönen Berge sondern auch der grossen Banken. Trotzdem reagieren die Menschen auf Spannungen und Gefahren mit den gleichen Gewohnheiten, sie wollen Sicherheit für ihr Geld haben. Politiker in Europa wollen jedoch die Bürger entmündigen und sie bevormunden, wie sie mit dem Geld umzugehen haben. Die EZB, die auf Geldwertstabilität achten muss, macht sich durch ihr Vorhaben, den 500-Euro-Schein aus dem Verkehr ziehen zu wollen, auch nicht vertrauenswürdig.

Die besonnene SNB macht den übrigen Europäern vor, wie man anständig mit den Bürgern umgeht und ihnen nicht die Pfade sowie den Umgang mit Geld verriegelt. Die EZB sollte daher die Situation nochmals überdenken, nicht vorschnell durch ständige Äusserungen die Menschen verunsichern und die Einstampfung der Geldscheine unterlassen. Die Eidgenossen haben nach wie vor grosses Vertrauen in den Schweizer Franken, sowie in ihre Ameise, denn sie können nicht genug davon haben. Wir können daher nur von den Schweizern lernen.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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