Wer einen Teil seines Vermögens in Wein anlegen möchte, muss da hingehen, wo es garantiert keine Rebberge gibt: nach London. Im Geschäftsviertel Mayfair haben die weltweit ­führenden Weinfonds ihren Sitz. Sie ­wollen Leute mit zu viel Geld von einer ­Investment-Story überzeugen, die zumindest bis 2010 auf­gegangen ist.

«Langfristig steigt der Wert der Anlage in Wein», sagt Miles Davis, Chef von Wine Asset Managers (WAM). Sein Büro liegt an der Jermyn Street in Nachbarschaft von noblen Hemdenschneidern wie Thomas Pink, Hilditch & Key oder Turnbull & Asser, passend zu Davis’ luxuriösem Investitionsgut. «Bei Wein bin ich aber vollkommen emotionslos», sagt der 49-Jährige, der fast zwanzig Jahre in der Finanzindustrie gearbeitet hatte, bevor er vor neun Jahren WAM gründete. Emotionen haben bei Entscheidungen im Asset Management auch nichts verloren – egal ob es sich um Aktien, Immobilien oder halt um Wein handelt.

«Als Privatperson ist man rasch überfordert»

Die Emotionen: Sie sind der Grund, weshalb man sich beim Wein auf das Trinken konzentrieren und sich beim ­Investieren auf Profis verlassen sollte. Die gibt es in London bei WAM, The Wine Investment Fund und Lunzer Wine ­Investment oder bei der Schweizer Wine Wealth. Sie sorgen für eine bessere Rendite, Schonung der Nerven und mehr Zeit, um selber Wein zu trinken.

«Als Privatperson ist man rasch überfordert», sagt Mattias Sundström von Wine Wealth in Herrliberg. Seine Firma berät Investoren bei der Zusammenstellung ihrer Port­folios mit renditeträchtigen Weinen. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, handelt er selber nicht mit Wein, sondern nur mit seinem Wissen. «Wenn man seriös investieren will, lässt man sich beraten.»

Ein Zehntel in Wein

Auf die Idee, teuren Wein als Investitionsgut zu betrachten, kam Miles Davis, als er nach einem Asset suchte, dessen Wertschwankung und -entwicklung nicht mit anderen Anlageklassen wie ­Aktien, Öl oder Gold korreliert. Ziel war es, das Risiko in den Port­folios zu verringern. WAM bietet drei Investmentfunds für Wein: Beim Fine Wine Fund ist man ab 20 000 Pfund dabei, beim Fine Wine Investment Fund ab 100 000, und wer sich am Fine Wine PCC beteiligen will, muss eine halbe Million Pfund auf den Tisch legen. WAM ­investiert in ein breit diversifiziertes Portfolio mit Weinen aus dem Bordelais, der Champagne, dem Burgund und Italien. Wer möchte, kann sich jedes Jahr Wein im Wert von zehn Prozent seines Portfolios nach Hause liefern lassen – damit die emotionale Seite der Wein­investition nicht zu kurz kommt.

«Wir investieren nur in Bordeaux-Weine», sagt Andrew della Casa, Chef von The Wine Investment Fund. Die Firma hat ihre Büros in einer Parallelstrasse zur Savile Row, ebenfalls in unmittelbarer Nähe von sündhaft teuren Herrenschneidern. Wieso nur Bordeaux? Die 36 Top-Châteaux der Region produzieren Wein in ausreichender Menge, um für einen ­liquiden Markt zu sorgen. Die Produk­tionszahlen liegen pro Gut teilweise bei Zehntausenden von Flaschen. «Im Burgund wird weniger pro Erzeuger produziert», sagt er. Dies birgt das Risiko von Preisturbulenzen.

Investitionsentscheidungen liegt Auswahlverfahren zugrunde

Wie bei einem Fonds, der in Aktien ­investiert, liegt auch den Investitionsentscheidungen bei Wein ein Auswahlverfahren zugrunde. The Wine Investment Fund hat ein Verfahren entwickelt, das unter anderem die Qualität, den Preisverlauf in der Vergangenheit oder die Korrelation der Preissteigerung mit den Parker-Punkten berücksichtigt, der allgemein anerkannten Qualitätsbewertung für Weine. Mit der Einlage kauft The Wine Investment Fund Weine, die physisch in britischen Zollfreilagern liegen. «Bis vor 400 Jahren war das Bordelais britisch», sagt della Casa, und seit dieser Zeit geht ein Grossteil der Bordeaux-Weine direkt nach Grossbritannien.

Auch wenn der Wein gehandelt wird, verlässt er die staatlichen Lager nicht. Was ein gros­ser Vorteil ist: «Damit sind wir vor Fälschungen geschützt. Wir zahlen nur fünf Pfund Lagerkosten pro Kiste und müssen keine Mehrwertsteuer auf den Wein bezahlen, solange er das Lager nicht verlässt.» Damit kann das gesamte Investitionskapital in Wein angelegt werden – der Käufer ist auf der ­sicheren Seite. Auch institutionelle Investoren gehören zur Kundschaft. «Für sie ist es eine strategische Entscheidung, in eine Asset-Klasse zu investieren, die eine nur geringe Volatilität aufweist», sagt della Casa.

Magere Jahre

Gefeit sind die Weinanleger aber nicht gegen die Entwicklung der Preise, über die der Liv-ex Fine Wine 100 Index Auskunft gibt. Die Bilanz der jüngeren Vergangenheit ist ziemlich ernüchternd. Zwischen 2005 und Mitte 2010 vervierfachte sich der Index, ging aber seit der Finanzkrise bis heute kontinuierlich ­zurück. Eine starke Nachfrage aus China hatte die Preise durch die Decke schies­sen lassen. Dabei spielten auch Faktoren eine Rolle, die gar nichts mit der Qualität der Weine zu tun hatten.

«Die Asiaten zahlten beispielsweise eine Prämie von 40 Prozent für den 2008er Château Mouton Rothschild, weil er eine besondere, fernöstlich gestaltete Etikette hatte», sagt Peter Lunzer von Lunzer Wine Investment. Nachdem die chinesische Regierung strikte Regeln für Luxus­geschenke erlassen hatte, brach im Land die Nachfrage nach teurem Wein ein. ­Experten sind optimistisch, dass sich der Index wieder erholt. In der Vergangenheit sei die Nachfrage von Investoren aus ­Europa und Nordamerika getrieben worden. «Die verfügen jetzt wieder über genügend Mittel, um teuren Wein zu kaufen», sagt Lunzer. «Wer seine Yacht in Monaco anlegen kann, für den sind ein paar hundert Pfund für einen Wein wenig.»

Anzeige