Die Schweizer Börse hat ein turbulentes Jahr hinter sich: Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zur Aufhebung des Euro-Mindestkurses, Sorgen um Griechenland und die Unsicherheiten bezüglich des weiteren Kurses der Notenbanken belasteten die Schweizer Börse. Während der Euro Stoxx 50 wie auch der Dax dank der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) übers Jahr gesehen zulegen konnten, notiert die Schweizer Börse heute tiefer als Anfang des Jahres.

Der Leitindex SMI stand zur Eröffnung am 5. Januar bei 9002 Punkten. Auch das Allzeithoch, das die meisten Börsenexperten für 2015 vorausgesagt hatten, blieb unerreicht. Zwar verpasste der SMI im August den höchsten je gemessenen Schlussstand von 9531 Punkten vom 1. Juni 2007 nur ganz knapp, danach fiel der Index aber rasant – und steht aktuell klar unter der Marke von 9000 Punkten.

Keine Euphorie für 2016

Nach diesem durchzogenen Jahr sind viele Börsenexperten auch für 2016 zurückhaltend. Schweizer Aktien werden generell als hoch bewertet eingeschätzt, mit oft nur wenig Potenzial nach oben. Daneben bleibt das Thema der Währungseinflüsse aktuell. Denn auch wenn sich der Schweizer Franken seit dem Knall Mitte Januar abgeschwächt hat, bleiben die Wachstumsaussichten für die Schweizer Wirtschaft gedämpft.

Ob nächstes Jahr endlich das Allzeithoch beim SMI geknackt wird, ist deswegen fraglich. Martin Neff, Chefökonom bei der Raiffeisenbank glaubt nicht daran: «Das Allzeithoch ist zwar nicht allzuweit entfernt, aber dennoch erwarte ich nicht, dass es bald erreicht wird.» Die Gewinndynamik bei den Unternehmen spreche nur für geringes Kurspotenzial.

Allzeithoch nicht ausgeschlossen

Angesichts weiterhin hoher Volatilität schliesst dagegen Reto Hintermann, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Gam ein neues Allzeithoch nicht aus: «Die Gewinnaussichten für nächstes Jahr bleiben allerdings gedämpft», betont auch er. Als Grund dafür nennt Hintermann vor allem die extreme Abwertung der Währungen in den Schwellenländern, unter der die weltweit tätigen Grosskonzerne litten. Dagegen hätten sie die Aufhebung des Euro-Mindestkurses noch relativ gut weggesteckt hätten.

Deutlich optimistischer für die Schweizer Börse gibt sich Harald Preissler. Der Chefökonom der Bantleon Bank geht davon aus, dass der SMI in der ersten Jahreshälfte 2016 bei 10'000 Punkten notieren wird und damit locker das Allzeithoch knackt. «Der Frankenschock ist an den Aktienmärkten längst verdaut. Dort wirkt die leichte Abwertungstendenz sogar als Turbomotor», ist Preissler überzeugt.

Allerdings hatte Preissler den SMI schon für Mitte des zu Ende gehenden Jahres über 10'000 Punkten prognostiziert – da hatten ihm SNB und Athen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für Aktien spricht heute noch immer der Mangel an Alternativen.

Aktien mit Potenzial

Trotz des mehrheitlich schwachen Ausblicks für die Gesamtbörse gibt es auf Titelebene betrachtet nach wie vor Schweizer Aktien mit Potenzial. Je nach Strategie können beispielsweise defensive und dividendenstarke Titel eine Möglichkeit sein. UBS-Chefökonom Daniel Kalt nennt diesbezüglich Gategroup, Roche sowie Zurich, während Raiffeisen-Experte Neff bei Nestlé und Roche weiteres Potenzial sieht. Für langfristig orientierte Investoren ist gemäss Peter Garnry, Anlagestratege bei der Saxo Bank, insbesondere der Warenprüfkonzern SGS attraktiv.

Diese hoch bewerteten Titel bergen aber auch Risiken, weil sie teuer im Erwerb sind und das Kurspotenzial mittelfristig begrenzt sein dürfte. «Wir favorisieren 2016 stattdessen Titel, welche von einer allfälligen Konjunkturbelebung profitieren werden», sagt Daniel Häuselmann, Head of Swiss Equities beim Vermögensverwalter Gam. Unter diesem Aspekt interessant seien Adecco, Bossard, Clariant, Logitech und Sika. Auf letztere setzt auch die Saxo Bank.

Auf Konjunkturerholung setzen

Zykliker dürften von einer Konjunkturerholung überdurchschnittlich profitieren. Viele sind im vergangenen Jahr stark unter Druck geraten und nun bezüglich Aktien-Bewertung attraktiv. Die Raiffeisenbank sieht beispielsweise bei Georg Fischer, Richemont und Actelion Potenzial. Der Luxusgüterkonzern Richemont zählt ebenfalls für die Saxo Bank zu den fünf Top-Picks, ebenso das Pharmazieunternehmen Galenica.

Daneben empfiehlt Saxo Bank-Analyst Garnry die Aktien von Swatch. Diese hätten sich zuletzt schlecht entwickelt und seien nun günstig bewertet. Stärker auf das Mid-Cap-Segment setzt dagegen die UBS. Diese Firmen hätten solide Bilanzen und ein starkes organisches Wachstum. Sonova und Aryzta werden aus dem SMIM-Index diesbezüglich als Favoriten genannt.

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