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Aktienmärkte 
Wall-Street-Crash: Was hinter den rapiden Kursverlusten steckt

Wall Street
US-Börsenhändler an Wall Street: Indizes drehten am Montag stark ins Minus.Quelle: Spencer Platt / Getty Images

Schwere Verluste sorgen für Panikstimmung an der Wall Street, wenige Stunden später sackt auch der Nikkei ab. Als mögliche Gründe werden vor allem zwei Dinge genannt.

Veröffentlicht am 06.02.2018

Panikstimmung an der Wall Street: Die US-Börsen sind mit den schwersten Verlusten seit Jahren in die neue Woche gestartet. Der Dow Jones verlor am Montag über 1000 Zähler und rutschte wieder unter die Marke von 25'000 Punkten. Der Index wies wie der S&P 500 den grössten Tagesverlust in Prozent seit August 2011 auf.

Für den Dow Jones bedeutete das unter dem Strich ein Minus von 4,6 Prozent. Der breiter gefasste S&P gab um 4,1 Prozent auf 2649 Stellen nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 3,8 Prozent auf 6968 Zähler. 

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Der Dow hatte bereits vergangene Woche mehr als 4 Prozent verloren, kommt allerdings auch von einem Rekordniveau. Am Montag lag der Index zeitweilig 10 Prozent unter seinem Rekordhoch vom 26. Januar, bevor er sich bis zum Handelsschluss etwas erholte. Im Vorfeld der US-Märkte hatten auch Dax und SMI bereits deutlich tiefer geschlossen. Der wichtigste Schweizer Index lag während des Handelstages zum ersten Mal seit November unter 9100 Punkten und schloss nur knapp darüber.

Dow Jones Chart
Dow Jones: Chartansicht seit November 2017
Quelle: Cash.ch

Asiatische Börsen folgen Wall Street in den Keller

Die heftigen Abschläge an den US-Märkten finden in Asien ihr Echo: Der Nikkei-Index in Tokio fällt in den Keller. Er verlor allein in den ersten 15  Handelsminuten fast 1000 Punkte, später weitete der Nikkei seine Verluste aus um 6 Prozent auf gut 21'300 Zähler. Der breiter gefasste Topix gibt 5,5 Prozent nach. Auch an den anderen asiatischen Börsen geht es steil abwärts.

Experten suchen das Abrutschen der US-Börsen zu begründen. Viele Börsianer halten es für möglich, dass die US-Notenbank Fed die derzeit bei 1,25 bis 1,5 Prozent liegenden Leitzinsen in diesem Jahr vier Mal erhöhen könnte statt drei Mal wie bislang signalisiert. Denn in den USA brummt die Wirtschaft, am Arbeitsmarkt läuft es rund, und die Löhne stiegen im Januar so stark an wie seit Mitte 2009 nicht mehr. Steigende Zinsen erhöhen jedoch die Kapitalkosten der Firmen und können sich so negativ auf Aktienkurse auswirken.

In der Nacht auf Montag war zudem die Rendite der zehnjährigen Papiere auf den höchsten Stand seit Januar 2014 gestiegen. «Dass der Zehnjährige mehrjährige Hochs durchbrochen hat und dass es so schnell passiert ist, hat dem Markt gezeigt, dass da draussen einige echte Risiken lauern», sagte Brian McMillan, Chefinvestor beim Wertpapierhändler Commonwealth Financial.

Ursache automatisierter Handel?

Der Investment-Stratege Jeffrey Kleintop von dem Geldhaus Charles Schwab erklärte dagegen, er habe «nichts Fundamentales» gesehen, was als Auslöser hätte herhalten können. «Es wurde nicht durch ein Makro-Ereignis ausgelöst«, sagte er. «Eher scheint es der Computer-getriebene Handel gewesen zu sein, der das Ungleichgewicht ausgelöst hat.» Dieser verstärkt Markttrends; beim Durchbruch wichtiger charttechnischer Marken und Stopp-Loss-Levels sausen die Kurse dann kaskadenartig in die Tiefe. Dieses Muster war auch bei vergangenen Korrekturen zu beobachten, sprich eine fundamentale Verunsicherung, die durch Algo-Trading verstärkt wird.

Dem stimmte Larry Milstein, Chefhändler beim Broker R.W. Pressprich zu: «Es war wahrscheinlich irgendeine 'Black Box', Algo-Verkäufe von Aktien und -Käufe von Staatsanleihen.»

Auch der Absturz bei Bitcoin ging weiter. Die Kryptowährung hat seit Ende Jahr die Hälfte ihres Wertes halbiert und hatte in der Vorwoche den grössten Wochenverlust seit drei Jahren kassiert. Am Montag verlor der Bitcoin weitere 12 Prozent auf knapp 7200 Dollar. Der Werteverfall setzt sich am Dienstag fort mit einem Kurs von rund 6300 Dollar am frühen Morgen.

(me mit Material von reuters, sda)