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Währungen: Kampf mit Billionen

Lange Zeit war der Handel mit Devisen als Königsdisziplin den Profis vorbehalten. Mittlerweile gibt es aber eine grosse Auswahl an Produkten, die auch Privatanlegern den Zugang zu diesem riesigen Markt ermöglichen.

Von Harry Büsser
20.11.2009

Der Schweizer Urs Schwarzenbach ist mit Devisengeschäften zu einem phänomenalen Reichtum gekommen, der es ihm erlaubte, eine halbe Milliarde in das Zürcher Luxushotel Dolder zu investieren – als Hobby, wie er selber sagt. Und George Soros verdiente im Jahr 1992 eine Milliarde Dollar mit einer Wette gegen das britische Pfund.

Das Devisengeschäft ist ein verschwiegenes. Aber auch dieses Jahr sind in dem Geschäft Milliarden verdient worden, weil meist mit enormen Hebeln gearbeitet wird. Aus Währungsverschiebungen von lediglich einem Prozent kann – mit einem 100fachen Hebel – das eingesetzte Kapital verdoppelt werden (siehe «Top oder Flop» unter 'Weitere Artikel'). Das ist riskant, denn genauso schnell wie nach oben geht es nach unten. Trotzdem übt der Devisenhandel eine enorme Anziehungskraft auf Spekulanten aus. Das zeigt sich darin, dass in diesem Markt Tag für Tag drei Billionen Franken umgesetzt werden. Damit ist er der liquideste Finanzmarkt überhaupt.

Waren Deviseninvestitionen früher als Königsdisziplin den Profis vorbehalten, so erfreuen sie sich heute bei immer mehr Privatanlegern grosser Beliebtheit. In der Schweiz werden ­inzwischen fast 600 strukturierte Produkte auf Devisen gehandelt. Auch grössere Privatinvestoren haben den Markt entdeckt. Beispielsweise Rumen Hranov, der vor allem mit Options­geschäften auf Aktien Schlagzeilen machte und im Zusammenhang mit der Bank Swissfirst zu ­einiger Bekanntheit gelangte. «Ich betrachte die Anlagen in ­Devisen auch als eine Diversifizierung meiner ­Aktienanlagen», sagt er, der vom Devisenhändler Giuseppe Manieri einen grösseren Millionenbetrag verwalten lässt (siehe «Investieren mit den Devisen­profis» unter 'Weitere Artikel').

Gewinner dank Rohstoffen. Die einfachste und am wenigsten riskante Möglichkeit, in Devisen zu investieren, bietet sich Privatanlegern, indem sie ein Konto in einer Fremdwährung eröffnen. Die meisten grösseren Banken bieten diesen Service an. Milliardengewinne winken so zwar nicht, aber gutes Geld lässt sich schon verdienen. Schweizer Anleger, die ihr Geld im laufenden Jahr in brasilianische Reais investiert haben, können sich über einen Gewinn von 28 Prozent freuen. Auch mit australischen Dollars oder dem südafrikanischen Rand haben Anleger Gewinne erzielt, 24 respektive 19 Prozent (siehe «Gewinner und Verlierer» im Anhang). Zum Vergleich: Der Schweizer Aktienleitindex SMI hat seit Anfang Jahr – trotz Rally ab März – nur 13 Prozent zugelegt.

Dass die Währungen von Brasilien, Australien und Südafrika weit oben auf der Gewinnerliste stehen, ist kein Zufall. Denn in jüngster Vergangenheit haben die Valuten von rohstoffreichen Ländern (sogenannte Rohstoffwährungen) besonders an Wert zugelegt. Ihre Wirtschaftskraft konnte vom starken Anstieg der Rohstoffpreise profitieren, beispielsweise bei Öl, Zucker und Metallen. Und wo die Wirtschaftskraft im Verhältnis zu anderen Ländern steigt, dort sollte auch der Wert der Landeswährung steigen.

Exportwaffe Währung. Ob der Wert der Rohstoffwährungen weiter in die ­Höhe geht, hängt stark davon ab, ob die Preise weitersteigen. Anleger, die von einem weiteren Aufwärtstrend überzeugt sind, könnten durchaus über Investitionen in diese Währungen vom Rohstoffboom profitieren. Und dies zudem mit einem Diversifikationseffekt. Die brasilianische Wirtschaftskraft etwa ist mit den Preisen eines Sammelsuriums von Rohstoffen verknüpft: Öl, Zucker, Kaffee, ­Eisen, Silber, Mangan usw. Und damit ist auch der Wert des brasilianischen Real mit diesen Produkten verknüpft.

Die Theorie, dass eine im Vergleich zu anderen Ländern stärker werdende Wirtschaftskraft zur Aufwertung einer Währung führt, wird manchmal allerdings auch ausser Kraft gesetzt. Erstens gibt es auch andere Faktoren, die für den relativen Wert einer Währung mitbestimmend sind (beispielsweise das relative Zinsniveau). Und zweitens greifen Staaten manchmal auch in den Währungsmarkt ein und verhindern so eine Aufwertung ihrer Währung.

Gemäss ihrer relativ stärker werdenden Wirtschaftskraft müssten sich nämlich die asiatischen Währungen, insbesondere der chinesische Renminbi, gegenüber anderen Währungen, insbesondere dem Dollar, massiv aufwerten. Denn die Wirtschaftskraft Chinas ist in den vergangenen Jahren wie auch im laufenden Jahr deutlich stärker gewachsen als diejenige der USA. Aber die chinesische Regierung hält den Kurs des Renminbi zum Dollar künstlich konstant, verhindert so eine Aufwertung und hält die Preise ihrer Exportgüter in den USA auf tiefem Niveau (siehe «Geschützter Renminbi» im Anhang).

Das gefällt den USA nicht, und es entwickelt sich ein Währungsstreit, in dem sich die beiden Länder ineinander verkeilen. Reibereien ergeben sich allerdings nicht nur zwischen den USA und China. Auch Japan, Grossbritannien und Euroland sind in der Währungsarena dabei. Für die Eurozone ist nicht nur der künstlich tiefe Renminbi ein Problem – die ­internationale Wettbewerbs­fähigkeit der Unternehmen in Euroland wird aus­serdem durch die Dollarabwertung geschwächt.

Im laufenden Jahr ist auch die Schweizerische Nationalbank in die Arena eingezogen und hat verhindert, dass der Wert des Frankens gegenüber dem Euro zu hoch steigt. Denn ein stärkerer Franken hätte auch die Produkte der Schweizer Exportindustrie verteuert.

Ein Land kann seine Währung aber nicht kostenlos vor dem Aufwertungsdruck schützen. Denn bei gut laufender Wirtschaft führen diese Interventionen zu Inflationsdruck im eigenen Land. Für die Schweiz ist das derzeit weniger ein Problem – bei Inflationsraten um null Prozent und einem sehr niedrigen Wirtschaftswachstum. Für schnell wachsende Schwellenländer jedoch schon, insbesondere für China mit seinem Wirtschaftswachstum von zehn Prozent pro Jahr. Denn um eine Aufwertung der eigenen Währung zu verhindern, kauft die chinesische Regierung Dollars. Vereinfacht ausgedrückt, werden Renminbi gedruckt und damit Dollars gekauft. So erhöht sich das Angebot an Geld in chinesischer Währung, was zu Infla­tionsdruck in China führt – wie jede expansive Geldpolitik.

Inflationsdruck ist aber nicht der einzige Grund, warum China und andere Schwellenländer ihre Tiefwährungspolitik gegenüber dem Dollar nicht ewig weiterziehen können. «Die USA brauchen einfach eine schwächere Währung gegenüber den Schwellenländern. Diese müssen mehr wirtschaftliche Verantwortung übernehmen», sagt der Inder Venkatraman Anantha-Nageswaran, Chef der Anlagepolitik bei der Bank Julius Bär. «Wenn sie das nicht tun, dann könnte es durchaus zu ökonomischen Konflikten und starkem Protektionismus in der Welt kommen», erklärt er. «Allerdings ist nicht klar, wann es zu einer Aufwertung der Schwellenländer-Währungen kommt», bemerkt David Bloom, Chefstratege für Devisen bei der Grossbank HSBC.

Schutz vor Dollarrisiko. Anleger können auf eine Aufwertung der Schwellenländer-Währungen gegenüber dem Dollar setzen. Von der Bank ABN Amro gibt es beispielsweise eine Capital Protected Note, um von einer Aufwertung des chinesischen Renminbi gegenüber dem Dollar zu profitieren (siehe «Spekulation auf Renminbi-Aufwertung» im Anhang). Das Produkt bietet Anlegern 100 Prozent Kapitalschutz per Laufzeitende im Dezember 2012. Zudem gibt es einen jährlichen Coupon von 1.50 Dollar pro Jahr und 95 Prozent Partizipation an einer allfälligen Aufwertung des Renminbi gegenüber dem Dollar. Das heisst, wenn der Renminbi gegenüber dem Dollar um 20 Prozent steigt, dann steigt der Wert der Capital Protected Note um 19 Prozent.

Anleger, die nicht allein auf eine Aufwertung der chinesischen Währung setzen wollen, sondern lieber auf einen Schwellenländer-Währungskorb, können sich ein Produkt der EFG Bank genauer anschauen. Diese bietet ein strukturiertes Finanzinstrument, mit dem auf eine Aufwertung der Währungen von Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC-Länder) spekuliert werden kann (siehe «Spekulation auf BRIC-Währungen» im Anhang). Steigt der Wert der vier Währungen gegenüber dem Dollar um 20 Prozent, dann verdienen Anleger 40 Prozent. Das Verlustpotenzial per Laufzeitende im Juni 2011 ist dagegen begrenzt, beim derzeitigen Kurs liegt es bei maximal 11 Prozent.

Beide Produkte sind allerdings in Dollars kotiert, sodass eine allfällige Abschwächung des Dollars gegenüber dem Schweizer Franken die Performance vermiesen könnte. Zwar ist der Dollar derzeit auf relativ tiefem Niveau, und einige Experten wie der Devisenhändler Giuseppe Manieri glauben eher, dass der Dollar in nächster Zeit wieder zulegen wird. Langfristig ist eine Prognose aber schwierig, und es wird allgemein erwartet, dass der amerikanische Greenback zur Schwäche neigen dürfte.

Anleger können das Dollarrisiko über Termingeschäfte absichern. Bereits ab Beträgen von 50  000 Dollar ist das möglich. Dabei werden Dollars zum heutigen Kurs auf einen Termin in der Zukunft verkauft. Die Kosten berechnen sich aus der Zinsdifferenz in den jeweiligen beiden Ländern. Die Differenz der Zinssätze zwischen den USA und der Schweiz ist derzeit sehr klein, rund ein halbes Prozent. Deshalb sind die Kosten einer Absicherung des Dollars auch tief: Um 50  000 Dollar für ein Jahr abzusichern, müssen Anleger mit Kosten von rund 250 Franken rechnen.

Stabiler Euro. Eine Währungsabsicherung empfiehlt sich nicht nur bei den beiden oben beschriebenen strukturierten Produkten, sondern auch bei Aktien- und vor allem Obligationenanlagen in Dollars und anderen Währungen. Denn Währungsverluste können sonst schnell eine schöne Performance einer Aktie oder ­einer Obligation zunichtemachen.

Beim Euro ist eine solche Absicherung aber weniger angezeigt. Denn da können Anleger in nächster Zukunft wohl getrost darauf vertrauen, dass die Schweizerische Nationalbank in der Währungsarena dafür sorgen wird, dass der Euro nicht zu viel Wert gegenüber dem Schweizer Franken verlieren wird.

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