Zurzeit wird viel über die Verschuldung der europäischen Staaten und die sogenannten Maastricht-Kriterien diskutiert, welche die Voraussetzungen bilden, damit ein Land der Währungsunion des Euro beitreten darf. Die n­ebenstehende Grafik zeigt für das laufende Jahr die geschätzte Schuldenquote und Defizitquote von 15 EU-Staaten sowie von Norwegen und der Schweiz. Zusätzlich sind die Limiten des Maastricht-Vertrages von 1992 abgetragen: Staaten, die der ­gemeinsamen Euro-Währung beitreten wollen, dürfen eine Schuldenquote von höchstens 60 Prozent und eine jährliche Defizitquote von höchstens 3 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) aufweisen.

Zunächst fällt auf, dass sich keiner der fünf grössten europäischen Staaten auch nur in der Nähe der erforderlichen Limiten befindet. Dies trifft übrigens auch auf die beiden weltwirtschaftlichen Schwergewichte USA und Japan zu. Die kleineren Länder schneiden mit Ausnahme von Belgien und Portugal wesentlich besser ab. Möglicherweise hat die Nähe der Regierenden zum Bürger einen mässigenden Einfluss auf die Staatsfinanzen.

Zum andern wird deutlich, dass Länder mit einer eigenen Währung tendenziell besser abschneiden als Länder, die sich dem Euro angeschlossen haben. Die Bedingungen für den Euro-Beitritt erfüllen somit ausgerechnet jene Länder, für die diese Kriterien nicht gelten. Die Ausnahme bildet Grossbritannien, das sich durch die Rettung des stark in Schief­lage geratenen Bankensektors selber in Schräglage manövriert hat.

Schliesslich ist zu ergänzen, dass die kleinen Nicht-Euro-Länder auch sonst gut für die Zukunft gerüstet sind. Norwegen verfügt dank seinen Erdöleinnahmen über ­einen grossen Staatsfonds für zukünftige Belastungen, Schweden hat kürzlich sein Rentensystem auf eine solide Basis gestellt. Und auch die Schweiz steht mit dem Drei-Säulen-Prinzip der Altersvorsorge im internationalen Vergleich sehr gut da. Bei den meisten europäischen Nachbarn wird die Staatskasse für die Renten erst noch geradestehen müssen.

Für Anleger bedeutet dies, dass die nordischen Währun­gen (dänische, norwegische, schwedische Krone) und der Schweizer Franken weiterhin stark bleiben werden.

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