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UBS und CS sind kein Must

CS-Chef Tidjane Thiam (links) und UBS-Chef Sergio Ermotti.
«Nice to have»: Die Aktien von Tidjane Thiams CS (l.) und Sergio Ermottis UBS.Quelle: 13 Photo

Den Grossbankenaktien fehlt es unverändert an Kursfantasie; Apple verspricht trotz aller Unkenrufe anhaltende Gewinne; Dormakaba zeigt eine leichte Wachstumsschwäche.

Frank Goldfinger
Kommentar  
Von Frank Goldfinger
05.06.2018

Jahrelang habe ich meinen Lesern geraten, die Finger von den Grossbankenaktien zu lassen. Mit gutem Grund. Trader mögen zwar an den starken Kursausschlägen von Credit Suisse und UBS Gefallen finden. Langfristanleger kamen allerdings nicht auf ihre Rechnung; die Kurse beider Aktien notieren heute auf jenem Niveau, auf dem sie schon vor sechs Jahren lagen. Das heisst im Börsianerslang: Ausser Spesen nix gewesen.

Immerhin haben beide Geldhäuser die Auswirkungen der Finanzkrise dank zig Milliarden teuren Restrukturierungen zum grössten Teil überwunden. Die einst arg angeschlagenen Banken sind deutlich standfester geworden. Auch in Sachen Bussen ist das Gröbste ausgestanden, doch könnten da immer noch Milliardenforderungen auf den Tisch kommen. Dabei haben UBS und Credit Suisse seit der Finanzkrise bereits die gewaltige Summe von gut 25 Milliarden Franken abgedrückt.

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Gelungener Start bei CS und UBS

Auch der Start ins laufende Geschäftsjahr ist beiden Instituten gelungen. «Die Ergebnisse für das erste Quartal sind erfreulich», urteilt denn auch CS-CEO Tidjane Thiam (55). UBS-Chefbanker Sergio Ermotti (58) konnte zwar ebenfalls einen stattlichen Ertragsfortschritt melden, doch war das primär die Folge von Sondereffekten.

Rosiger als auch schon präsentieren sich die mittelfristigen Aussichten. Dennoch sind für mich weder die Aktien von UBS noch von CS ein «Must», höchstens ein «Nice to have». Wer dennoch auf Grossbankenvaloren setzen will und dabei Kursgewinne im Auge hat, sollte sich an CS halten: Ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,0 gegenüber 1,2 bei UBS lässt Spielraum nach oben offen. Investoren, die in erster Linie auf eine hohe Dividendenrendite aus sind, bevorzugen UBS, denn da sind 4,0 Prozent zu holen gegenüber 1,5 Prozent bei CS. Zudem will UBS die Dividende jährlich um fünf bis zehn Prozent erhöhen.

Feintool ist flott in Fahrt

Die Aktien des Lysser Konzerns Feintool tendieren seit eineinhalb Jahren seitwärts. Was erstaunlich ist, denn das auf Feinschneiden und Umformen von Komponenten für die Automobilindustrie spezialisierte Unternehmen fährt seit geraumer Zeit im Wachstumsmodus. Nach soliden Zahlen für 2017 ist auch der Auftakt ins Jahr 2018 mit einem Umsatzplus von 11,2 Prozent überzeugend ausgefallen.

Weshalb also kommen die Titel nicht vom Fleck? Klar, Feintool profitiert von der guten Automobilkonjunktur, und wenn diese mal ausgebrannt ist, schlägt das auch bei Feintool durch. Vorläufig sieht es jedoch nicht danach aus, als ob die Nachfrage bald einbräche. Sowieso will das Management den Hauptteil des künftigen Wachstums in China erzielen. Dazu wurde in der Hafenstadt Tianjin ein brandneues Werk hochgezogen. Für die nächsten drei Jahre erwartet die Zürcher Kantonalbank ein Umsatzwachstum zwischen fünf und zehn Prozent, der Betriebsgewinn dürfte jeweils um zehn Prozent zunehmen. Die Aktien sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,1 interessant, setzen aber Risikobereitschaft voraus. Mager ist hingegen die Dividendenrendite von 1,7 Prozent.

Wertvoller Techriese Apple

«Klar mag ich Apple. Ich würde liebend gerne 100 Prozent der Aktien besitzen», meinte US-Starinvestor Warren Buffett jüngst in einem TV-Interview. Doch das würde sogar die Möglichkeiten des weltweit drittreichsten Mannes übersteigen: Apple hat einen Börsenwert von über 900 Milliarden Dollar und ist damit der teuerste Konzern überhaupt.
Der 87-jährige Buffett kauft über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway laufend Apple-Aktien dazu, sein Paket von fünf Prozent steht mit mehr als 40 Milliarden zu Buche. Was gut ist für die Investorenlegende, ist auch gut für den Privataktionär. Zwar ist der Amerikaner gegen Fehler nicht gefeit, doch seine Nase für Gewinne lässt ihn selten im Stich.

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US-Starinvestor Warren Buffett kauft über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway laufend Apple-Aktien dazu.
Quelle: Getty, J. Kempin

Apple ist ein Phänomen. Seit Jahr und Tag warnen Analysten: Die iPhone-Verkäufe schwänden; die Abhängigkeit vom Smartphone-Geschäft sei gefährlich; die Aktien brächen bald ein. Nur legt der amerikanische Technologiekonzern laufend hervorragende Zahlen vor. So auch für das zweite Geschäftsquartal: Umsatz und Gewinn stiegen um 16 respektive 25 Prozent. Sicher, die erwähnten Kritikpunkte sind nicht ohne, Apple müsste sich neu erfinden, ein Wurf wie mit dem iPhone oder dem iPad täte not. Dennoch zeigt der Konzern keine Müdigkeit.

Auch die Aktien dürften weiter zulegen. Dafür spricht, dass CEO Tim Cook (57) ein neues Rückkaufprogramm im Umfang von 100 Milliarden Dollar angekündigt hat. Auch die Erhöhung der Quartalsdividende um gleich 16 Prozent stützt die Kurse. Zudem sind die Papiere mit einem geschätzten KGV von 16 nicht überteuert.

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Apple-Chef Tim Cook hat ein neues Rückkaufprogramm angekündigt.
Quelle: Keystone Images

Wachstumsschwäche bei Dormakaba

Nach ausdauerndem Höhenflug sind die Aktien von Dormakaba aus dem Tritt geraten; innert sechs Monaten haben sie ein Fünftel an Wert eingebüsst. Wurde der Zusammenschluss der deutschen Dorma mit der schweizerischen Kaba einst von den Börsianern beklatscht, so hat sich inzwischen Ernüchterung breitgemacht. CEO Riet Cadonau (57) sagte zwar klar, der Integrationsprozess werde erst Mitte 2018 endgültig abgeschlossen sein. Doch den Anlegern scheint die Geduld auszugehen.

Jedenfalls zeigt Dormakaba, einer der grössten Anbieter in der Sicherheitsindustrie, Wachstumsschwäche. Für das erste Halbjahr 2017/18 wurde zwar ein sattes Umsatzwachstum von 19,3 Prozent gemeldet – akquisitionsbedingt. Organisch verblieben jedoch magere 2,9 Prozent, die Konkurrenz wächst stärker. Worauf Riet Cadonau das Jahresziel von zuvor 4 bis 4,5 auf 3,5 Prozent Umsatzzuwachs reduzierte. Was schwerer wiegt: Auch die Ebitda-Marge liegt mit 15,1 Prozent unter den Erwartungen der Finanzanalysten.

Riet Cadonau
Riet Cadonau, Chef von Dormakaba.
Quelle: Keystone

Der CEO zeigt sich unbeirrt und hält an den mittelfristigen Zielen fest, nämlich einem Ebitda von 18 Prozent. Die Chancen dazu stehen gut. Bei innovativen Zugangssystemen ist Dormakaba Marktführer, und auch sonst schlägt sich das Unternehmen gut. Laut einer Studie von Thomson Reuters zählt die Firma zu den 100 weltweit führenden Technologiekonzernen – als einzige dieser Branche. Dennoch warte ich zuerst ab, bis die Ertragsziele erreicht werden. Zumal die Aktien trotz der Kursschwäche mit einem KGV von 25 nicht gerade wohlfeil sind.

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.