Vögelchen im Sinkflug: Der Kurs der Twitter-Aktie ist im zurückliegenden Monat um über 20 Prozent gefallen, über ein Jahr betrachtet verlor der Titel gar doppelt so viel an Wert. Übernahmegerüchte konnten den Kurs zuletzt nur zeitweise in die Höhe treiben. Gut drei Jahre nach dem Börsengang des Online-Kurznachrichtendienstes aus den USA ist die Twitter-Euphorie merklich abgeflaut.

Die US-Internetriesen Alphabet (Google), Apple, der Cloudanbieter Salesforce sowie der Medienkonzern Disney galten bis Mitte Oktober immer wieder als Kaufanwärter für Twitter. Letztlich wollte dann aber doch niemand das junge Internet-Unternehmen mit dem Vögelchen im Firmenlogo kaufen.

Twitter bleibt auf sich allein gestellt

Twitter ist wieder auf sich allein gestellt – zu keinem guten Zeitpunkt: Denn der einstige Internetstar schwächelt. Das Wachstum stockt. Für das dritte Quartal dieses Jahres meldete Twitter am Donnerstag einen Verlust von 103 Millionen US-Dollar. Den Umsatz konnte das Unternehmen zwar um acht Prozent auf 616 Millionen US-Dollar steigern. Richtig gute Nachrichten gibt es bei Twitter aber trotzdem nicht: So plant das Unternehmen den Abbau von rund 300 Arbeitsplätzen, was etwa neun Prozent der gesamten Belegschaft entspricht.

Auch die Kurzvideo-App Vine will das Unternehmen nach rund vier Jahren einstampfen, dafür soll die Livestreaming-App Periscope neue Kunden anlocken.

Wie es mit Twitter weitergeht, weiss niemand. Fakt ist: Für Anleger ist die Aktie derzeit nur attraktiv, wenn sie ausgesprochen optimistisch in die Zukunft des Unternehmens blicken und die negative Stimmung zum Aufbau von Positionen nutzen wollen. Analysten raten mehrheitlich zwar dazu, den Titel zu halten. Als Kauf sieht den Valor allerdings fast niemand mehr. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 31 ist sie zudem hoch bewertet.

Netflix überrascht positiv

Bei einem anderen Internetstar aus Übersee sieht es wesentlich besser aus: Der Online-Streamingdienst Netflix hat unerwartet gute Quartalszahlen vorgelegt. Mit einem Plus von 32 Prozent schoss der Umsatz steil nach oben, noch besser sah es beim Gewinn aus: Im Jahresvergleich stieg er um 75 Prozent. Im vergangenen Vierteljahr haben sich 3,57 Millionen neue Kunden bei Netflix angemeldet, um online Serien, Filme und Dokumentationen zu schauen.

Die Zahlen sind beeindruckend. Anleger liessen denn auch fleissig die Korken knallen. Nach der Ergebnispräsentation stieg der Kurs der Netflix-Aktie um 19 Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf war die Aktie zwischenzeitlich immer wieder unter Druck geraten, weil Netflix trotz nahezu globaler Verfügbarkeit schwächer wuchs als erwartet. Nun scheint der Titel wieder in der Spur. Die Chancen für eine weiterhin schwungvolle Geschäfts- und Gewinnentwicklung stehen gut, sagt Heath Terry, Analyst der US-Investmentbank Goldman Sachs.

Riskantes Investment

Allerdings bleibt Netflix – wie auch andere junge Internet-Unternehmen – ein riskantes Investment. Das soziale Netzwerk Snapchat etwa kündigte kürzlich an, ebenfalls den Gang aufs Parkett zu wagen: Gründer Evan Spiegel will bei Anlegern über 4 Milliarden Dollar einsammeln. Mit einer angestrebten Kapitalisierung von bis zu 25 Milliarden Dollar wäre Snapchat sogar höher bewertet als viele Schweizer SMI-Giganten.

Anleger sollten sich der riesigen Euphorie – und der damit verbundenene möglichen Enttäuschung – bewusst sein. Auch Analysten betrachten den Internetstar Netflix zum Teil mit Skepsis: So könne Netflix die gegenwärtige Dynamik wahrscheinlich nicht auf Dauer halten, heisst es von John Janedis, Analyst bei Jefferies. Stephen Ju von der Credit Suisse stuft die Netflix-Aktie als «neutral» ein. Ob sich das rasante Wachstum fortsetzt und die Begeisterung der Kunden anhält, ist ungewiss – zumal die Kursanstiege des Titels inzwischen zu einer gigantisch hohen Bewertung geführt haben: Das KGV der Netflix-Aktie liegt bei 132.

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