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Swisscom: Kurswende dank Online-Handel mit Coop?

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Könnte wegen hoher Bewertung von Online-Händlern interessant werden: Swisscom.  KeystoneQuelle: Keystone

Swisscom und Coop starten eine Online-Plattform. Für den Telefonkonzern könnte sich das an der Börse bezahlt machen. Denn: Online-Handel ist der Renner, bei Konsumenten, aber auch bei Börsianern.

Von Georg Pröbstl
10.07.2015

Das könnte die Kurswende gewesen sein. Nachdem die Aktie von Swisscom seit der Generalversammlung am 8. April mit der folgenden Zahlung der hohen Dividende – Rendite zum damaligen Kurs von 3,8 Prozent – im Rückwärtsgang war, drehte die Notierung gestern nach oben. Immerhin war bei der Aktie des Telefonkonzerns in den letzten drei Monaten schon eine Underperformance, selbst inklusive Dividende, von rund 5,0 Prozent gegenüber dem SMI aufgelaufen.

Die Wende könnte Folge der allgemeinen Erholungstendenz am breiten Aktienmarkt gewesen sein, aber auch auf das Konto einer aktuellen Meldung gehen: Swisscom will nämlich zusammen mit dem Detail- und Grosshändler Coop einen gemeinsamen Online-Handelsplatz ins Leben rufen. Ab 2016 sollen über diese Plattform Kunden und Händler besser zueinander finden können, und sie soll eine Alternative zum Schweizer Online-Händler Galaxus bieten.

Bis dahin bleibt zwar noch etwas Zeit und das Projekt wird dann wohl auch erst langsam anlaufen, doch Online-Handel ist der Renner, bei Konsumenten, aber auch bei Börsianern. Ein Rechenbeispiel. Der deutsche Online-Versandhändler Zalando kostet bei einem Jahresumsatz im 2014 von 2,2 Milliarden Euro derzeit 7,7 Milliarden Euro an der Börse. Galaxus soll es im nächsten Jahr auf Erlöse von 700 Millionen Franken bringen. Bei ähnlicher Bewertung wie Zalando könnte der Online-Händler damit an der Börse etwa 2,5 Milliarden Franken kosten.

Online-Phantasie

Das jetzt bekanntgemachte Projekt von Swisscom und Coop könnte schon bald im Verhältnis zum genannten Betrag ähnlich wertvoll sein. 2,5 Milliarden Franken – das wären in etwa 10 Prozent des Börsenwerts von Swisscom. Angesichts des ungebremsten Online-Booms besteht da mittel- bis langfristig sicher noch jede Menge Phantasie nach oben. Denn, während der Umsatz im Schweizer Detailhandel im vergangenen Jahr nur um 0,9 Prozent wachsen konnte, gab es bei Online und Versand ein Plus von 7,2 Prozent.

Anleger werfen deshalb wieder einmal einen kurzen Blick auf Swisscom. Im ersten Quartal steigerte der Telefonkonzern seinen Umsatz zwar um 2,6 Prozent auf 2,9 Milliarden Franken, doch infolge eines tieferen Betriebsergebnisses und des höheren Nettofinanzaufwands ging der Gewinn um 5,9 Prozent auf 351 Millionen Franken zurück. Bei einem angekündigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 4,2 Milliarden Franken für das Gesamtjahr, 2014 waren es 4,4 Milliarden Franken, ist zwar im 2015 ein leichter Gewinnrückgang von 32.53 auf etwa 31.0 Franken zu erwarten, doch schon jetzt kündigt Firmenchef Urs Schaeppi für dieses Gewinnniveau die erneute Zahlung einer Dividende von 22 Franken je Aktie an. Nach dem Kursverfall der letzten Monate ergibt sich daraus eine Rendite von 4,2 Prozent.

Swisscom – Spannung im Chart, Bank Coop – mehr als einen Blick wert

Vor weiteren Kursverlusten dürfte dabei nicht nur die hohe Dividendenzahlung schützen, sondern auch die starke Unterstützung bei 500 Franken. Zudem ist jetzt auch die 38-Tage-Linie bei der Swisscom-Aktie zum Greifen nah. Ein Sprung über diese Marke könnte dem Kurs neue Dynamik bringen. Wird das Unternehmen in der Kommunikation hinsichtlich Online-Projekt mit Coop konkreter, könnte das zusätzlichen Auftrieb geben.

Und der andere Partner? Coop selbst ist zwar nicht börsenkotiert, doch immerhin können Anleger jetzt einmal aus dem gegebenen Anlass die ehemalige Tochter Bank Coop unter die Lupe nehmen. Die Mehrheit an Bank Coop wurde zwar schon 1999 an Basler Kantonalbank verkauft und Coop selbst hält nur noch rund 10 Prozent der Aktien, doch das spielt keine Rolle, denn Bank Coop ist eine wahre Ertragsperle.

Hohe Mittelzuflüsse und deutlich gestiegenes Kreditvolumen

In den letzten Jahren allerdings rutschte das Geldhaus aus der Wahrnehmung der Börsianer, denn die Zinsmargen sind im Keller, und damit kam das Ergebnis des Instituts aus Basel seit Jahren nicht vom Fleck. Doch dieser erste Eindruck täuscht. Denn genau betrachtet kommt Bank Coop gut voran. Das Unternehmen erwirtschaftet zwei Drittel der Erträge im Zinsgeschäft. 95,8 Prozent davon stammen von Hypotheken. Und da geht es seit vielen Jahren klar nach oben.

So steigerte Bank Coop die Kundengelder seit 2005 im Durchschnitt um 5,2 Prozent im Jahr auf inzwischen 11,6 Milliarden Franken. Das ausgegebene Kreditvolumen kletterte im selben Zeitraum jährlich um 4,8 Prozent, seit 2005 ein Anstieg um 53,8 Prozent auf 14,3 Milliarden Franken.

Trotz des deutlich erhöhten Kreditvolumens gab es seither zwar beim Erfolg im Zinsgeschäft mehr oder weniger nur Stagnation, doch anders als bei vielen anderen Banken hinterliessen weder Finanzmarkt- noch Euro-Schuldenkrise nennenswerte Spuren in der Bank-Coop-Bilanz. So lag der Gewinn der Bank seit 2005 meist im Bereich von 4.0 bis 4.50 Franken je Aktie. Und dann gibt es seit 2006 hohe Dividenden von 1.80 Franken je Aktie.

Mit einer nachhaltigen Dividendenrendite von 4,2 Prozent wäre die Aktie auf dem aktuellen Kursniveau ohnehin schon attraktiv. Doch es kommt noch besser. Das Institut notiert derzeit rund 35 Prozent unter dem Buchwert von 63.97 Franken je Aktie und ist damit einer der günstigsten Bankenwerte an der Börse. Stabile Geschäfte, schwarze Zahlen auch in Krisenzeiten, hohe Dividende und Discount zum Buchwert – Anlegerherz, was willst du mehr?

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