Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag einen der grössten Tagesverluste im laufenden Jahr erlitten. Laut Händlern herrschten zeitweise fast panikartige Zustände. Auch an anderen europäischen Börsen ging es zum Teil in ähnlichem Ausmass bergab.

Analysten erklärten sich die Verwerfungen mit starken globalen Wachstumssorgen und mit den Nachwehen des «Nullentscheids» der US-Notenbank von vergangener Woche. Man könne nicht die Märkte ein Jahr lang auf einen Zinsanstieg vorbereiten und diesen dann wegen der China-Sorgen kurzfristig abblasen, meinte ein Experte.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 3,49 Prozent tiefer bei 8475,47 Punkten und damit auf dem Tagestief. Auch sämtliche 30 Blue Chips im Swiss Leaders Index (SLI) schlossen im Minus.

LafargeHolcim traf es am schlimmsten

Die schwersten Verluste unter den grössten Schweizer Titeln erlitten jene von LafargeHolcim (-5,2 Prozent). Die Zementaktien sind stark abhängig vom Gang der Weltwirtschaft und insbesondere der Konjunktur in den Schwellenländern. Diesbezüglich hatte die US-Notenbank letzte Woche ein grosses Fragezeichen gesetzt.

Dahinter folgten vier Titel, die um über 4 Prozent nachgaben. Zu dieser Gruppe gehörte das Pharmaschwergewicht Novartis (-4,6 Prozent). Auch Roche (-3,6 Prozent) und Actelion (-3,1 Prozent) erlitten deutliche Einbussen. Händler verwiesen auf Ankündigungen der demokratischen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, sie wolle den überhöhten Preisen von Medikamenten den Kampf ansagen und einen Plan gegen «Wucher» vorlegen.

Im breiten Markt lag das Hauptaugenmerk auf den Sunrise-Papieren, die sich mit plus 1,1 Prozent angesichts des allgemeinen Kursrutsches sehr gut behaupteten. Das Unternehmen kündigte am Dienstagmorgen Sparmassnahmen, einen Stellenabbau sowie das Zusammenlegen von Einheiten an. Die Aktie notiert aber trotz der aktuellen Gewinne noch immer weit unter dem Kurs, den sie beim Börsengang im letzten Februar hatte.

Am Mittwoch keine Erholung in Sicht

Zum Handelsstart am Mittwoch dürfte sich die Schweizer Börse erneut abschwächen. Enttäuschende Konjunkturzahlen aus China dämpfen die Hoffnung auf eine Erholung, sagten Händler. Der Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex fiel im September nach vorläufigen Berechnungen auf 47,0 Punkte - den tiefsten Stand seit sechseinhalb Jahren. «Das Gewitter ist wohl noch nicht ganz vorbei», sagte ein Händler.

Die Bank Julius Bär berechnete den SMI vorbörslich um 0,2 Prozent tiefer mit 8460 Zählern. Der SMI-Future notierte mit 8429 Punkten um 0,4 Prozent tiefer. Am Vortag war der Leitindex 3,5 Prozent abgesackt.

Doch es besteht Hoffnung

Es bestehe allerdings durchaus Hoffnung auf eine technische Erholung nach dem Ausverkauf am Dienstag, sagte ein Börsianer. «Wir hatten kaum einmal einen Tag nach einem solchen Ausverkauf, an dem die Kurse nicht wenigstens zu Beginn einen kleinen Teil davon wieder aufgeholt hätten.»

Auch die Wall Street habe Verluste zum Handelsschluss teilweise wettgemacht. Gute Chancen auf eine Erholung hätten Werte, die am Vortag unter die Räder gekommen sind. Dazu gehören vor allem die schwergewichtigen Pharmatitel Novartis und Roche. Kurseinbussen drohen wegen der schwachen Konjunkturzahlen aus China bei Anteilen von Firmen, die in der Volksrepublik bedeutende Geschäfte haben.

(sda/reuters/ccr)

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