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Klimafreundlichkeit 
Schweizer Finanzplätze beweisen grünen Daumen

Frühling am Zürichsee
Frühling am Zürichsee: Die Limmatstadt zählt zu den Zentren nachhaltiger Investments. Quelle: Keystone

Klimafreundliche Investments sind ein Boomthema. Der erste internationale Vergleich zeigt: Zürich und Genf können hier punkten.

Melanie Loos
Von Ram Etwareea («Le Temps») und Melanie Loos
am 26.03.2018

Die beiden wichtigsten Finanzplätze der Schweiz, Genf und Zürich, sind im Bereich der nachhaltigen Finanzwirtschaft gut positioniert. Das geht aus dem gerade veröffentlichten Ranking von Finance Watch, einer Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Brüssel, hervor. Danach belegt Zürich unter den weltweiten Finanzzentren den 8. Platz, Genf kommt auf Platz 26 im quantitativen Ranking und auf 16 bei der Qualität. In dem Ranking wurden die grössten Finanzzentren der Welt nach der Verbreitung und Qualität ihrer Green-Finance-Angebote eingestuft. 

Der neue Global Green Finance Index (GGFI) wurde von Finance Watch in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern lanciert – darunter MAVA, einer Schweizerischen philanthropischen Stiftung, die sich dem Schutz der Biodiversität verschrieben hat. «Wir freuen uns, an der Initiative teilzunehmen», sagt Stiftungspräsident André Hoffmann. «Wir sind beeindruckt, dass wichtige Finanzzentren wie Paris, Luxemburg und chinesische Städte ganz oben auf der Liste stehen.» Die Stiftung hofft, dass in Zukunft auch andere Finanzplätze einbezogen werden.  

Amsterdam, Brüssel, Hamburg in den Top 5

»Der GGFI wird auf Grundlage der Wahrnehmung des ökologischen Engagements der Finanzwirtschaft ermittelt», erklärt Benoît Lallemand, Generalsekretär von Finance Watch. Dazu wurden Finanzakteure weltweit über die Verbreitung und Qualität von ökologisch nachhaltigen Finanzierungsangeboten in 108 internationalen Finanzzentren befragt – 47 schafften es letztlich in das Ranking. Die Arbeit sei vergleichbar mit dem jährlichen Korruptionsbericht von Transparency International

Benoît Lallemand zeigt sich bei der ersten Ausgabe zufrieden mit der geleisteten Arbeit, zumal die Finanzwelt weiterhin relativ undurchsichtig sei. Nach Auswertung der Wahrnehmungen, die für den Bericht auf der Basis einschlägiger Kriterien und Fakten (Finanzwissen, Höhe der Emissionen von grünen Anleihen) gesammelt und analysiert wurden, kommt die Londoner City in beiden Rankings (Verbreitung und Qualität) auf den ersten Platz. 

«Zweifelsohne weil es eine grosse Zahl von Finanzakteuren gibt, die direkte und dauerhafte Verbindungen mit dem britischen Finanzplatz unterhalten», erklärt der Generalsekretär von Finance Watch. Im quantitativen Ranking folgen Luxemburg, Kopenhagen, Amsterdam und Shenzhen. Bei der Qualität sind Amsterdam, Brüssel, Hamburg und Paris unter den Top 5. 

Zürich und Genf weit vorne

Auch Zürich und Genf schneiden gut ab – vor allem Zürich schafft es unter die besten Zehn. Dass die Schweiz nicht noch besser abschneidet, hat damit zu tun, dass hiesige Unternehmen 2017 grüne Anleihen nur im Wert von 750 Millionen Franken emittiert haben, erklärt Benoît Lallemand.

Zum Vergleich: Schwedische Unternehmen haben 5 Milliarden Euro investiert. Eine weitere Erklärung ist, dass an der Schweizer Börse kotierte Unternehmen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern insgesamt mehr Kohlendioxid ausstossen, wie eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Corporate Knights zeigt.

Laut Finance Watch werden die Finanzplätze Paris, Frankfurt und New York in den kommenden zwei bis drei Jahren im Bereich der nachhaltigen Finanzierungen weiter an Bedeutung gewinnen. Unterstützende politische Massnahmen und die Nachfrage der Investoren werden als Hauptantriebskräfte von «Green Finance» genannt.

Nur 5 bis 10 Prozent der Bankkredite sind «grün»

«Der Global Green Finance Index wird sich nach dieser ersten Runde im Laufe der Jahre weiter verbessern», sagt der Generalsekretär von Finance Watch. «Vor allem aber wollen wir eine wirklich nachhaltige finanzielle Entwicklung. Heute sind nachhaltige Investments gegenüber Staatsanleihen und Unternehmensanleihen noch unbedeutend.» Die Finanzialisierung der Wirtschaft habe eher dazu beigetragen, die Umweltzerstörung zu beschleunigen. Doch der Kampf gegen den Klimawandel sei eine Herausforderung, die sehr viel mehr Aufmerksamkeit erfordere. 

Fazit des Berichts: Es ist noch ein langer Weg. Bisher sind nur 5 bis 10 Prozent der Bankkredite «grün». Denn die Investitionen in kohlenstoffintensive Aktivitäten übersteigen die Finanzierung ökologischer Nachhaltigkeit noch massiv. Für die Befragten der Studie sind Desinvestitionen aus fossilen Brennstoffen zwar sehr wichtig für die Nachhaltigkeit, aber keine Priorität. Im Gegenteil: Die G20-Länder gaben zwischen 2013 und 2015 jährlich 72 Milliarden US-Dollar für die Finanzierung fossiler Energieerzeugung aus, so heisst es im Bericht. 

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