Saudi-Arabiens Staatsfinanzen schmelzen wie Schnee in der Wüstensonne: Bleiben die Ölpreise weiter so tief, könnte dem Königreich in fünf Jahren oder noch früher das Geld ausgehen. Für dieses Jahr sagt der Internationale Währungsfonds (IWF) ein Staatsdefizit von rund 20 Prozent der Wirtschaftsleistung voraus – somit schreibt Saudi-Arabien zum ersten Mal seit 2009 rote Zahlen.

Das Budget des Wüstenstaats hängt zu rund 80 Prozent von den Öleinkünften ab. Um schwarze Zahlen zu schreiben, benötigt der weltgrösste Ölförderer einen Preis von etwa 106 Dollar – aktuell wird das schwarze Öl zu rund 45 Dollar gehandelt. Zurzeit hat Saudi-Arabien noch komfortable Geldpolster: Ende August beliefen sich die Fremdwährungsreserven auf 654,5 Milliarden Dollar. Dies bedeutet aber einen Rückgang um fast 100 Milliarden Dollar innert eines Jahres.

Grosszügigkeit des Königshauses kommt teuer

Die knappen Finanzen bringen die königliche Familie mit ihren 15'000 Mitgliedern in eine ungemütliche Situation: Denn um die Bevölkerung bei Laune zu halten, verfolgt Saudi-Arabien eine sehr grosszügige Sozialpolitik. Rund drei Millionen der 30 Millionen Saudis arbeiten direkt für die Regierung.

Die Regierung stoppte wegen der Finanzlage bereits einige Grossprojekte. An Sozialprogrammen oder Steuersätzen will sie aber offenbar nicht rütteln. Die Probleme sind also auch hausgemacht: Die Krönung des neuen Königs Salman liess sich Saudi-Arabien schätzungsweise 32 Milliarden Dollar kosten - das Königshaus beschloss Lohnerhöhungen, Boni, Stipendien und andere Sozialprogramme, um das neue Staatsoberhaupt zu feiern.

Kostenpunkt Armee

Saudi-Arabien leistet sich zudem wegen der vielen Konflikte in der Region eine sehr teure Armee. Heuer löste es Russland als drittgrösster Waffenkäufer hinter den USA und China ab.

Saudi-Arabien muss auf steigende Ölpreise hoffen. Doch die Chancen darauf stehen schlecht: Der IWF rechnet bis 2020 nur mit einem schwachen Anstieg auf 60 Dollar je Fass. Noch tiefer ist die Prognose von Goldman Sachs: Laut der Investmentbank werden die Preise 15 Jahre lang auf dem aktuellen Niedrigniveau verharren, weil Libyen und Iran mehr Öl pumpen. Zudem könnte nur schon der Irak alleine künftig bis zu einem Drittel der weltweiten Nachfrage decken, so die Bankanalyse.

(mbü)

 

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