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Schäden 
Rückversicherer - die Nutzniesser der Hurrikans

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Swiss Re: Die Aktie des Rückversicherers stieg nach dem Hurrikan Irma. Keystone

Es ist eine einzige Katastrophe: In den USA und der Karibik richten Hurrikans derzeit Schäden in Milliardenhöhe an. Davon profitieren die Rückversicherer, ihre Aktien steigen. Der Grund ist einfach.

Von Georg Pröbstl
2017-09-19

Doppelter Schlag! Erst kam der Hurrikan Harvey und verursachte einen Schaden von geschätzt 25 bis 37 Milliarden Dollar – andere halten sogar das Doppelte für möglich – und das alleine in den USA. Und dann wenige Tage danach kam gleich auch noch Irma hinterher. Offizielle Stellen gehen für beide Naturkatastrophen von einer Schadensumme zusammen irgendwo zwischen 100 und 200 Milliarden Dollar aus. Alleine diese beiden Stürme hätten damit möglicherweise mehr Schäden auf ihrem Konto, als die gesamte Schadenssumme der globalen Naturkatastrophen in 2016. Im vergangenen Jahr hatte sich diese weltweit immerhin auch schon von 94 Milliarden in 2015 auf 175  Milliarden Dollar annähernd verdoppelt.

Auf den ersten Blick kurios, auf den zweiten aber leicht erklärt ist vor diesem Hintergrund die Kursentwicklung von Rückversicherern. Denn anders als man denken könnte, gingen die Aktien der Konzerne im Zusammenhang mit den Sturmschäden nicht in den Keller, sondern legten zu. Die Kurse der drei grossen Player des Sektors, Swiss Re, Munich Re und Hannover Rück, kletterten in der letzten Woche um fünf bis zehn Prozent.

Grossschäden – erst der Schreck, dann der Profit

Der Grund ist einfach: Ein Schaden wie jetzt in den USA hat für die Branche der Rückversicherer zwei positive Folgen: Die Prämien dürften steigen und wahrscheinlich wollen sich nun mehr Menschen gegen Sturmschäden und Naturkatastrophen versichern als bisher. Bei Harvey beispielsweise waren nämlich etwa 70 Prozent der Schäden nicht versichert. Die Einnahmen der Rückversicherer werden damit durch mehr Geschäft und steigende Prämien gleich doppelt angeschoben.

Und da spielt der Zeitpunkt den Rückversicherern aktuell sogar noch in die Karten. Denn die Branche trifft sich derzeit mit ihren Kunden – den Erstversicherungskonzernen, die ihren Versicherungsnehmern, also Privatleuten oder Unternehmen, Schadenversicherungen anbieten – in Monte Carlo um die Preise und Konditionen für die Vertragserneuerungsrunde für 2018 auszuhandeln.

2016 – Grossschäden waren noch vergleichsweise selten

Ein Sturmschaden wie jetzt aktuell in USA und der Karibik ist da natürlich ein gutes Argument den Erstversicherern höhere Prämien für die Absicherung abzuringen. Beispiel Münchner Rück. Der Branchenführer konnte in 2012 – im Jahr nach der Tsunami-Katastrophe in Japan aber auch wegen Risiken für Naturkatastrophen in USA und Lateinamerika – teils signifikante Preiserhöhungen in der Sparte Schaden/Unfall durchsetzen. Immerhin war die Schadenquote dort in 2011 von 69,3 auf 83,4 Prozent gestiegen – die Quote der Grossschäden hatte sich von 15,7 auf 32,7 Prozent verdoppelt. Und so stiegen die gebuchten Bruttoprämien bei Munich Re in der Schadensparte in 2012 um 3,0 Prozent auf 17,1 Milliarden Euro.

2016 dagegen war der Druck auf die Prämien nach oben wohl eher gering. Die Schadenquote der Münchner lag bei 63,3 Prozent und die Quote der Grossschäden war mit 9,1 Prozent gering. Bekommt die Neuverhandlungsrunde nun wegen Harvey und Irma Rückenwind, könnte das die Zahlen der Rückversicherer im nächsten Jahr beflügeln. Möglicherweise ist schon der Ausblick des Sektors bei Vorlage der Jahreszahlen 2017 überraschend gut. Möglicherweise gibt es aber schon bei Vorlage der Neumonatszahlen im November erste Trends.

Munich Re – Gewinn in etwa stabil, Dividende nachhaltig hoch

Derzeit sieht es folgendermassen aus. Für dieses Jahr erwartet Branchenführer Munich Re mit 48 bis 50 Milliarden Euro gebuchten Bruttobeiträgen einen Wert in etwa auf dem Vorjahresniveau von 48,9 Milliarden Euro. Der Gewinn soll dabei von 2,6 auf 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro fallen. Das Ergebnis je Aktie könnte dadurch von 16,13 Euro in etwa in den Bereich zwischen 14 und 15 Euro sinken. Da schon für 2016 trotz eines leichten Gewinnrückgangs im Vergleich zu 2015 die Dividende von 8,25 auf 8,60 Euro angehoben wurde, könnte es auch für 2017 eine kleine Steigerung vielleicht auf 9,0 Euro geben – Rendite 5,1 Prozent.

Eine nachhaltig hohe Rendite im Bereich von fünf Prozent und ein aktuelles 11er- oder 12er-KGV sind zusammen mit den möglichen Prämiensteigerungen infolge Harvey und Irma und entsprechend besseren Gewinnaussichten für 2018 ein klares Kaufargument für die Aktie. Dazu kommt: Munich Re konnte infolge der Kurssteigerungen der letzten Woche den Widerstand bei 175 Euro nach oben durchbrechen. Möglicherweise zieht das die Notierung jetzt ganz schnell in Richtung der Hochs von April und August zwischen 185 und 190 Euro. Die Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal am 9. November könnte den erforderlichen Schub bringen.

Hannover Rück – 5 Prozent Dividende sind wieder drin

Ähnlich sieht die Lage bei Hannover Rück aus. Der MDAX-Konzern peilt für 2017 mit einem Ergebnis von mehr als 1,0 Milliarden Euro ebenfalls in etwa einen Gewinn auf Vorjahresniveau an. 2016 waren es 1,2 Milliarden Euro oder 9,71 Euro je Aktie. 2017 könnte damit ein Ergebnis im Bereich von 9,0 Euro je Aktie in den Büchern stehen und eine Dividende auf dem Vorjahresniveau von 5,0 Euro.

Die Kaufargumente sprechen auch hier für sich: 11er-KGV, rund fünf Prozent nachhaltige Dividende und vor wenigen Tagen konnte die Aktie auch noch die wichtige psychologische Zone von 100 Euro zurückerobern. Nächster wichtiger Termin: Die Präsentation der Neunmonatszahlen am 11. November.

Swiss Re – verwirrende IR…

Swiss Re – und gleich eine Anmerkung vorweg: Während Munich Re oder Hannover Rück in der Lage sind, ihren Anlegern Informationen des Geschäftsberichts leicht und einfach auf der IR-Seite auf Deutsch darzustellen, schafft das Swiss Re trotz eines Milliardengewinns, einem Börsenwert von 30 Milliarden Franken und mit dem Firmen-Hauptsitz in Zürich offensichtlich nicht. Der Geschäftsbericht 2016 in Deutsch ist gut versteckt und nach längerem Suchen – zufällig – auffindbar. Der Halbjahresbericht 2017 ist sogar nur in Englisch verfügbar.

Schade, denn der Jahresbericht zeigt mit Blackrock nur einen einzigen grösseren Aktionär – aus dem Ausland – mit über fünf Prozent Anteil und 53,2 Prozent der Stimmrechte halten Anleger und Investoren aus der Schweiz. Angesichts eines Anteils von 86,7 Prozent Anlegern aus der Schweiz – konkret 75673 von weltweit 87267 Personen und Institutionen –ist diese Englischlastigkeit schon nachvollziehbar. Etwas mehr heimatliche Präsenz wäre schön. Verstecken muss sich Swiss Re mit seinen Zahlen ohnehin nicht.

… aber es gibt reichlich Dividende

Zwar dürfte auch beim SMI-Mitglied wie bei der deutschen Konkurrenz der Gewinn in diesem Jahr etwas zurückgehen – im Halbjahr gab es ein Minus beim Ergebnis um rund ein Drittel auf 3,75 Franken je Aktie. Doch im Gesamtjahr könnte das Ergebnis im Bereich von etwa 8,0 Franken liegen und damit bei einem geschätzten moderatem 10er- oder 11er-KGV. Eine Dividende von 4,85 Franken wie für 2016 dürfte auch für 2017 wieder drin sein. Eine Rendite von 5,6 Prozent wäre absolut top!

Kurzfristige Chartphantasie besteht übrigens auch bei Swiss Re. Nach dem Rebound in den letzten Tagen konnte sich die Aktie wieder auf oder sogar leicht über die untere Begrenzungslinie des langfristigen Aufwärtstrends schwingen. Das könnte weitere Dynamik bringen und möglicherweise sind da schon bald wieder Kurse zwischen 90 und 100 Franken drin. Anleger markieren den 2. November rot im Terminkalender. An dem Tag präsentiert Swiss Re die Zahlen zum dritten Quartal. Vielleicht kommen da auch Hinweise zur jüngsten Vertragsrunde.

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