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Riskantes Spiel: Wie binäre Optionen funktionieren

Riskantes Spiel: Wie binäre Optionen funktionieren
Wetten: Investoren setzten eine Summe auf einen bestimmten Markttrend. Keystone

Spezialwetten auf Marktentwicklungen boomen. Denn binäre Optionen bieten gigantische Gewinnaussichten und zugleich einfache Entscheidungen. Doch Behörden warnen vor dem Risiko - und vor Kriminellen.

Veröffentlicht am 29.09.2016

Gigantische Gewinnaussichten und einfache Entscheidungen sind der Traum eines jeden Anlegers. Sogenannte binäre Optionen bieten im Grunde beides, doch für viele Investoren sind sie zum Alptraum geworden. Während das Geschäft mit diesen speziellen Wetten auf Marktentwicklungen weltweit boomt und die Branche die Finanzderivate als legitime Anlagemethode preist, sehen Kritiker in manchen Anbietern reine Betrüger.

Prinzip «Alles oder nichts»

Das Prinzip ist simpel und funktioniert nach dem Motto «alles oder nichts»: Der Investor setzt eine Summe auf einen bestimmten Markttrend, zum Beispiel die Entwicklung des Dollar zum Yen. Steigt die US-Währung innerhalb einer festgelegten Periode wie vom Anleger vorausgesagt, winken ihm zusätzlich zum Einsatz bis zu 70 Prozent Gewinn. Hat der Kunde aber falsch getippt, ist alles weg.

Das Risiko ist also hoch, wenngleich es bei einigen anderen Derivaten noch schlimmer kommen kann. Dort müssen Anleger eventuell noch Geld nachschiessen, so dass der Verlust sich auf ein Vielfaches des Einsatzes summieren kann.

Wetten auf Kurzzeit-Trends

Hinter binären Optionen verbergen sich ganz schlichte Wetten auf die Entwicklung von zwei verschiedenen Bezugswerten. So kann man etwa darauf setzen, dass die Aktie X in einer bestimmten Zeitspanne besser laufen wird als die Aktie Y. Auch Börsenindizes und Rohstoffpreise können miteinander verglichen werden. Mitunter geht es nur um Stunden oder gar Minuten. Wegen der kaum berechenbaren Schwankungen in so kurzer Zeit sprechen Kritiker daher eher von Glücksspiel als von Geldanlage.

Darüber hinaus häufen sich Betrugsvorwürfe gegen einzelne Anbieter. Britische Behörden warnen allgemein vor Brokern, die binäre Optionen im Angebot haben. Frankreichs Finanzaufsicht stuft die gesamte Branche als «hochriskant und sehr gefährlich» ein.

Israel hat bereits die Reissleine gezogen

Die für die deutsche Wertpapieraufsicht zuständige BaFin-Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele stellte sich jüngst in einem Zeitungsinterview «voll und ganz» hinter eine entsprechende Warnung ihrer Kollegen von der europäischen Behörde ESMA. Ob die BaFin ein Verbot binärer Optionen anstrebt, liess sie aber offen.

Israel - eine Art Zentrum der Branche - hat die Reissleine bereits gezogen und die Produkte verbannt. In den USA ist der Handel nur auf kontrollierten Märkten erlaubt, während er in Europa trotz der verstärkten Restriktionen weiter auf Hunderten unregulierten Internet-Plattformen floriert. Verlässliche Zahlen zum Marktvolumen gibt es daher nicht.

Beim auch in Deutschland tätigen Brokerhaus CMC Markets machten binäre Optionen nur einen kleinen Teil des Geschäfts aus, sagt Craig Iinglis, Chef des Deutschland- und Österreich-Geschäfts. «Wir haben mit Binaries einen Wunsch unserer Kunden erfüllt, aber locken niemanden mit irreführender Werbung und hohen Renditeversprechen.»

Dubiose Internetseiten

Gerade der unregulierte Handel - zumal in den Weiten des Netzes - öffnet Manipulationen Tür und Tor. So kann es mitunter passieren, dass auch dann alles verloren ist, wenn richtig getippt wurde.

Dies beklagt etwa Jutta Strake: Die 58-Jährige selbstständige Unternehmensberaterin wollte eigenen Worten zufolge nach Verlusten mit Aktiengeschäften ihr Finanzpolster für den Ruhestand stärken und investierte 13'000 Euro bei der Firma NRGbinary mit Ursprung in Israel und späterem Sitz auf den Seychellen. Ein angeblich in Grossbritannien ansässiger Mitarbeiter habe in E-Mails geworben, es gebe kaum Risiko, der Gewinn sei so gut wie sicher.

Doch dann wurde Strakes Einsatz erst ohne ihre Erlaubnis von einem Konto zum anderen verschoben, schliesslich war er ganz weg. Die Kölnerin ging zur Polizei, doch der vorher so eifrige Berater war nicht mehr aufzufinden. Sie bat auch die israelische Botschaft in Berlin um Hilfe - vergeblich. «Wenn man übers Ohr gehauen wurde, hilft einem niemand», sagt Strake.

Leidensgenosse tauschen sich aus

Inzwischen gehört die Geprellte zu den Wortführern des Online-Forums «Forex Peace Army», wo sich Leidensgenossen aus aller Welt über ihre Erfahrungen austauschen. Sie haben nach eigener Auskunft bei verschiedenen Anbietern viele Millionen Dollar verloren. Immer wieder taucht auf der Betrugsopfer-Website das Unternehmen NRGbinary auf, das auf Reuters-Anfragen zu den Vorwürfen nicht reagierte. Es wurde bereits in mehreren Ländern verboten, sein Personal scheint aber unter anderem Firmennamen nach altem Muster weiterzumachen.

Anbieter wie NRGbinary sorgen in der Branche für Unmut, etwa bei Nadex, der grössten US-Plattform für binäre Optionen. «Wir sorgen uns seit langem, dass diese Leute im Ausland unseren Ruf schädigen», sagt Nadex-Chef Timothy McDermott.

(reuters/ccr)

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