Mit einigem Argwohn beobachten Szenekenner, was sich zurzeit international tut. Die Escala-Gruppe mischt den Bereich Sammlerobjekte gehörig auf. Bei Escala ist die spanische Firma Afinsa Mehrheitsaktionärin, und zur «Sammlung» gehören diverse Händlerfirmen und Auktionshäuser für Antiquitäten, Briefmarken, Münzen und anderes. Mit Ablegern in Nordamerika, Asien und Europa ist Escala ein bedeutender Player. Das Zürcher Auktionshaus Corinphila gehört ebenfalls dazu.

Seit zwei, drei Jahren kauft die Mutterfirma Afinsa weltweit gezielt Briefmarken auf und treibt damit die Katalogpreise nach oben. Einige Kataloge verlegt Afinsa gleich selber.

Gleichzeitig sucht das Sammelimperium Investoren für Anlagen in Briefmarken mit Rückkaufgarantie. Versprochen werden jährliche Wertsteigerungen zwischen sechs und zehn Prozent über die Laufzeit. Ein riskantes Geschäft: Briefmarken sind keine liquiden Aktien. Wer schnell zum gewünschten Preis verkaufen will, tut sich schwer. In der Wirtschaftspresse – etwa bei «Barron’s» oder «Financial Times» – mehren sich kritische Stimmen zum Afinsa-Konstrukt. Auch die Haltung von Jean-Paul Bach, Präsident des Schweizer Briefmarken-Händler-Verbands und Mitglied der Rapp-Geschäftsleitung, ist viel sagend: «Zu Afinsa möchte ich mich nicht äussern.»

Ende 2005 hat auch der führende britische Briefmarkenhändler Stanley Gibbons die erste Tranche eines Briefmarkenfonds zur Zeichnung aufgelegt. Mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einer Minimalinvestition von 20 000 Pfund – aber ohne Renditeversprechen.

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