Auch die Kasse der Mormonenkirche wird gefüllt: Alfred Gantner (38) engagiert sich persönlich in der Institution, und dazu gehört es sich, einen «Zehnten» seines Einkommens zu spenden. Der Börsengang der Baarer Partners Group spült Gantner und zwei weiteren Hauptaktionären je bis zu 148 Millionen Franken in die Privatschatulle. Die genauen Zahlen wurden erst nach Redaktionsschluss, nach Abschluss der Platzierung, bekannt.

Alfred Gantner, Marcel Erni und Urs Wietlisbach und weitere Partner und Angestellte kontrollieren auch nach dem IPO noch mindestens 67 Prozent. Zunächst wollten die Private-Equity-Spezialisten einen grösseren Anteil selber behalten, doch nicht zuletzt die Leadbank Credit Suisse bestand auf einem Freefloat von mindestens 30 Prozent, um eine echte Börsengesellschaft zu sein. Dabei ist klar: «Wir brauchen kein neues Geld.» Das tönt für viele wohl überheblich. Doch Urs Wietlisbach sagt es ganz selbstverständlich. Das Geschäft ist hochrentabel, braucht kaum Eigenkapital und ist erst noch durch langfristige lukrative Verträge dominiert. Erst vor zehn Jahren gegründet, ist aus einem Quartett eine Gruppe von 140 Menschen geworden. «Vier Goldmänner auf Schatzsuche», titelte die BILANZ im Mai 1997. Aus einer Milliarde verwaltetem Vermögen wurden elf Milliarden, der allergrösste Teil in Private Equity.

Für die Partners Group kommt der Börsengang zur richtigen Zeit: Die Branche boomt. Die Grossinvestoren wie Pensionskassen, Banken und Versicherungen sowie ganz reiche Privatleute überschwemmen die Private-Equity-Fonds und Partnerships mit Geld. Vergangenes Jahr flossen laut dem europäischen Branchenverband EVCA insgesamt 59,5 Milliarden Euro allein in europäische Fonds. In den Vereinigten Staaten sammelten die Spezialisten gut 86 Milliarden Dollar bei den Investoren, zwei Drittel mehr als noch im Vorjahr. In den vergangenen Jahren wurden total gut 522 Milliarden Franken weltweit zusammengetragen, 62 Prozent davon in den USA. Mit dem Geld kaufen die Finanzinvestoren Unternehmen, bringen sie auf Vordermann und veräussern sie im Durchschnitt drei bis sieben Jahre später mit Gewinn.

Wie viel davon in die Schweiz geflossen ist, weiss niemand. Der Markt ist und bleibt extrem intransparent – und das ist für viele Beteiligte gut so. Als Berater im komplexen und oft von Persönlichkeiten dominierten Geschäft mit Privatbeteiligungen lässt sich gutes Geld verdienen. Um die Achse Zug–Zürich hat sich eine Art Kleincluster der Spezialisten gebildet. «Anders als bei Direktinvestitionen spielt die Schweiz bei Beratung, Funds of Funds und speziell strukturierten Produkten eine bedeutende Rolle», sagt Beat Bühlmann, Managing Director von Horizon21 Private Equity. Horizon21 heisst die neue Firma von Rainer-Marc Frey, mit der dieser in erster Linie die Erlöse aus dem Verkauf der RMF Group anlegt.

Frey selber engagiert sich unter anderem im Verwaltungsrat der Zuger Capital Dynamics. Dort liegen im Kühlschrank des stilvoll eingerichteten Gemeinschaftsraums immer noch Champagnerflaschen. Gefeiert wurde vor einigen Monaten, als die staatliche Pensionskasse von Washington ein Sechs-Milliarden-Mandat an die vergleichsweise kleine Firma vergab. «Der Prophet gilt im eigenen Land wenig, unsere grössten Kunden kommen alle aus den USA und Grossbritannien», erläutert Capital-Dynamics-CEO Thomas Kubr. Mit Washington gelang ihm nun der ganz grosse Coup. Der frühere McKinsey-Mann hatte bei Partners Group das Geschäft mit aufgebaut, bevor er sich vor gut sieben Jahren mit Hilfe von Rainer-Marc Frey selbständig machte. Nun beschäftigt seine Firma 68 Leute aus 18 Nationen und amtet als Berater für über 20 Milliarden Franken ausschliesslich in Private Equity.

Mit den beiden Zürcher Firmen Adveq und Strategic Capital Management (SCM) haben sich in den vergangenen Jahren zwei weitere Spezialisten für Private-Equity-Beratung international etabliert. Die SCM hat gerade mit dem Ohio State Pension Fund ein weiteres grosses Beratungsmandat in den Vereinigten Staaten gewonnen. Auch in der Schweiz sieht SCM weiterhin gute Wachstumschancen. «Schweizer Institutionelle werden immer anspruchsvoller im Hinblick auf Private-Equity-Beratungsdienstleistungen», sagt SCM-CEO Stefan Hepp.

Firmen wie SCM helfen, die «richtigen» der weltweit rund 3000 Anlagevehikel für Private Equity zu finden. «Es gibt wohl nirgends so grosse Performance-Unterschiede wie bei Private Equity», sagt Hepp. Der Grund ist klar: «Firmen kaufen kann jeder, entscheidend ist, was man daraus macht.» Die erfolgreichen Partnerships wie Blackstone, Permira oder Texas Pacific Group wollen gar keine neuen Kunden mehr zulassen. So sammelte die US-Firma Blackstone kürzlich 13,5 Milliarden Dollar für ihren neuesten Fonds. Er hätte auch ohne Probleme mehr als 15 Milliarden Dollar bekommen können, sagte Blackstone-Chef Stephen Schwarzman.

Alle wollen bei den lukrativen Deals dabei sein – die rekordgrossen Fonds müssen entsprechend viele und vor allem grosse Firmenübernahmen tätigen. Allein die drei grössten Private-Equity-Übernahmen in den USA – Hertz, Sunguard und Toys’R’Us – kosteten im vergangenen Jahr knapp 35 Milliarden Dollar. Ein Konsortium von fünf Finanzinvestoren übernimmt nun für 13 Milliarden Euro den dänischen Telekomkonzern TDC und damit indirekt auch Sunrise. Dabei stammt der grösste Teil der Kaufpreise von Bankkrediten. Und dank den tiefen Zinsen fliesst auch der Kreditstrom überaus kräftig. Die Banken quetschten sich durch die Tür und unterböten sich mit den Konditionen, illustriert ein Private-Equity-Mann die günstige Situation für die Investoren.

Allerdings bleibt Private Equity für die meisten Normalanleger ein privates und schwer zugängliches Investment. Mit dem Börsengang der Partners Group können nun auch Kleinanleger einfach in einen Spezialisten investieren. «Wir haben ein berechenbares Geschäft und wollen einen Grossteil der Erträge als Dividende ausschütten», verspricht Partners-Group-Verwaltungsratspräsident Alfred Gantner. Mit dem Börsengang ist die Firma nach eigenen Angaben der weltweit einzige öffentlich gehandelte «integrierte Spezialist für Private Equity». Bisher mussten sich die Privatinvestoren in der Schweiz mit klassischen Beteiligungsgesellschaften und zwei spezialisierten Anlagefonds begnügen.

Auch bei den fünf börsengehandelten Gesellschaften zeigen sich die enormen Performance-Unterschiede. Zwischen 1 und 67 Prozent beträgt die kurzfristige Rendite der vergangenen zwölf Monate. In der Gesamtbetrachtung der letzten fünf Jahre schafften nur gerade drei von fünf Gesellschaften überhaupt einen leicht positiven Return, während die Kurse von Castle und der Private Equity Holding tief oder gar extrem tief im Minus liegen.

Da die «wahren Werte» der Beteiligungen im Private Equity mit unterschiedlichsten Methoden und nur in grösseren Abständen berechnet werden, ist die Diskrepanz zwischen Börsenkurs und Beteiligungswert hier oftmals besonders gross. Trotz kräftigem Anstieg in den vergangenen zwölf Monaten notiert beispielsweise Castle immer noch tiefer als der errechnete Wert der Beteiligungen. Dieser Discount beträgt zurzeit noch rund 12 Prozent – beim Börsentief vor drei Jahren konnte man die Aktien von Castle mit einem «Rabatt» von 50 Prozent haben.

Ein Discount eröffnet günstige Einstiegschancen, allerdings deutet er auch darauf hin, dass der Markt den getätigten Beteiligungen kein sehr grosses Vertrauen entgegenbringt. Diese Vertrauenslücke wurde zuletzt bei allen Beteiligungsgesellschaften kleiner, die AIG Private Equity wird seit einigen Monaten gar mit einer «Glaubensprämie» gehandelt. Der Börsenkurs liegt gut 16 Prozent über dem ausgewiesenen Wert der Beteiligungen. Hier zahlen die Anleger für die Hoffnung auf höhere Ausstiegspreise der einzelnen Investments. Können die Firmen nicht wie erhofft weiterverkauft werden, drohen allerdings Kursrückschläge.

Mit klassischen Anlagefonds können die Preisverzerrungen zwischen Nettowert und Kurs am Aktienmarkt durch geschickte Auswahl ausgenutzt werden. Die Kantonalbanken haben im Januar einen Aktienfonds mit «Listed Private Equity» lanciert: Er basiert auf einem Index der 50 grössten und liquidesten Beteiligungsgesellschaften. Seit September 2004 verkauft die Partners Group in der Schweiz einen Private-Equity-Fonds für Privatanleger. Für ein definitives Fazit ist es auch hier zu früh, allerdings starteten die Zuger schon im Sommer 2001 einen ganz ähnlichen Fonds für die deutsche DekaBank. Im Gegensatz zum Vergleichsindex fiel der Fonds in der Börsenkrise deutlich weniger, und bis heute steht der Fonds gut 25 Prozent über der Benchmark. «Das zeigt, wie ineffizient der Markt immer noch sein muss», sagt Urs Wietlisbach von der Partners Group.

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