Sogar die Finanzanalysten erschraken, als der Baarer Bergbau- und Rohstoffhandelskonzern Glencore die Halbjahresresultate veröffentlichte: Der Umsatz konnte zwar knapp gehalten werden, doch brach der Reingewinn um sage und schreibe neun Zehntel ein. Die Schuld am katastrophalen Resultat ortete CEO Ivan Glasenberg (62) primär bei den sinkenden Rohstoffpreisen. Erstaunlich: Der kleinere Konkurrent Trafigura konnte in derselben Periode den Reingewinn um über 90 Prozent steigern.

Auch sonst steht der Rohstoffkonzern unter Druck: In Afrika häufen sich die Probleme mit diversen Minen, in Brasilien wird (auch) gegen Glencore wegen des Verdachts auf Schmiergeldzahlungen ermittelt, das US-Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC haben Verfahren eingeleitet wegen möglicher Geldwäscherei und Korruption in verschiedenen Ländern. Zudem sind einige Top-Händler unter unklaren Umständen ausgeschieden. Das Resultat: Die Investoren fliehen en masse aus den Aktien, seit Februar 2018 ist der Kurs um über 40 Prozent abgestürzt.

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Nicht wenige der Probleme sind hausgemacht. Nur schon der Kurssturz hätte in anderen Firmen den CEO wohl den Kopf gekostet. Glasenberg jedoch erfreut sich einer starken Position. Er ist zweitgrösster Aktionär und wird von anderen Grossaktionären gestützt – noch. Auch VR-Präsident Tony Hayward (62) wird wohl weiterhin nicht aufmucken. Für mich sind die Aktien ein No-Go.

Tony Hayward, chairman of Glencore Plc, pauses during the Institute of Directors (IoD) Annual Convention 2016 at the Royal Albert Hall in London, U.K., on Tuesday, Sept. 27, 2016. The IoD said its latest survey found increasing pessimism about the economy. Photographer: Chris Ratcliffe/Bloomberg

Wird nicht gegen Glasenberg aufmucken: Glencore-Präsident Tony Hayward.

Quelle: Bloomberg

Kräftiger Windstoss

Die Akquisition der dänischen JSB Group hat sich positiv im Neun-Monats-Ergebnis von Gurit niedergeschlagen: Der Umsatz stieg um 45 Prozent auf 429 Millionen Franken. Doch auch ohne JSB, einen Produzenten von Bausätzen für Windturbinenblätter, hätten die Verkäufe um ansehnliche zehn Prozent angezogen. Für 2019 hat Gurit die Umsatzprognose erhöht. Die Betriebsgewinnmarge wird im Bereich von acht bis zehn Prozent erwartet.

Jahrelang litt die Firma an einer Wachstumsschwäche. Doch seit der Bau neuer Windenergieanlagen boomt, läuft es rund. Denn Gurit hat sich auf Verbundwerkstoffe spezialisiert, die gesucht sind in der Windenergie, für Boote, Züge und anderes. Gerade der Windkraftmarkt sollte noch längere Zeit für eine hohe Wachstumsdynamik sorgen. Das könnte auch die Aktien weiter beflügeln. Mit einem für 2020 geschätzten KGV von 15,6 bieten die Titel noch etwas Kurspotenzial.

Wolkige Gewinne

Wissen Sie, welches der wertvollste Konzern der Welt ist? Nein, es ist nicht Apple. Auch nicht Amazon. Oder Alphabet. Sondern Microsoft, von der Börse mit etwas über einer Billion Dollar bewertet. Stimmt, in einigen Wochen kann sich diesen Titel wieder Apple holen. Dennoch finde ich die Entwicklung von Microsoft beachtlich. Denn der Hard- und Softwareentwickler wurde nach der Jahrtausendwende, als die Dotcom-Blase zerbarst, von nicht wenigen Analysten als schwerfällig und wenig innovativ abgeschrieben. Die Aktienkurse haben sich denn auch über ein Jahrzehnt kaum bewegt. Bis 2013; dann zündeten die Papiere den Turbolader und haben sich seither im Wert vervierfacht.

MUMBAI, INDIA - FEBRUARY 19: Microsoft CEO Satya Nadella delivers his keynotes at the company’s flagship technology and business conference -- Future Decoded 2017 at JW Marriott, on February 19, 2017 in Mumbai, India. The two-day event is claimed to bring together 1,500 business and government decision makers to engage in conversations on how technology can empower people and organisations. (Photo by Satish Bate/Hindustan Times via Getty Images)

Macht Apple wieder Konkurrenz: Microsoft-CEO Satya Nadella.

Quelle: Hindustan Times via Getty Images

Einen Neustart verpasst hat dem US-Konzern 2014 CEO Satya Nadella (52). Nun macht Microsoft mit ihren Notebooks und Tablets Apple wieder Konkurrenz. Und das schon oft totgesagte Betriebssystem Windows oder das Softwarepaket Microsoft Office werden noch lange saftige Erträge generieren. Der Wachstumstreiber jedoch ist die Cloud-Plattform Azure. Dieses Segment sorgte auch 2018/19 für Superresultate: Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 126 Milliarden Dollar, der Gewinn verbesserte sich um 20 Prozent auf 37 Milliarden. Das entspricht einer Marge von sagenhaften 29 Prozent.

Die Erfolgsgeschichte setzt sich fort. Nach der langen Hausse sind die Aktien mit einem geschätzten KGV von 26,8 nicht mehr billig. Die Titel sollten deshalb nur auf längere Sicht und während Schwächephasen gekauft werden.

Spekulation gefällig?

Seit die Schweizer Biopharmafirma ObsEva Anfang 2017 ihre Aktien an die New Yorker Börse Nasdaq gebracht hat, verfolge ich den Kursverlauf mit Interesse. Nach einem holprigen Start legten die Titel kräftig zu. Doch seit einem Jahr ist die Luft draussen, ObsEva verloren seither gegen 60 Prozent an Wert. Nun erfreuen sich Biotech-Papiere seit geraumer Zeit keines grossen Zuspruchs. Dennoch erstaunt mich die Schwäche von ObsEva.

Ernest Loumaye, CEO of ObsEva, poses for the photographer at the ObsEva headquarters, in Plan-les-Ouates near Geneva, Switzerland, Monday, July 9, 2018. ObsEva plans a listing on the Swiss Stock Exchange from Friday 13 July. The Geneva biopharmaceutical company expects a market capitalization of more than 650 million francs, it announced Friday. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Interessantes Investment: Ernest Loumaye will in gut einem Jahr ObsEvas erstes Medikament lancieren.

Quelle: Keystone

Das junge, auf Frauenkrankheiten ausgerichtete Unternehmen hat zwar noch kein Produkt auf dem Markt. Trotzdem sind die Genfer weiter als viele ihrer Konkurrenten. In gut einem Jahr soll das erste Medikament gegen Unfruchtbarkeit lanciert werden. Jüngst wurden weitere Daten zu Linzagolix angekündigt, einem Wirkstoff zur Behandlung der gynäkologischen Erkrankung Endometriose.

Das Marktpotenzial ist enorm, Millionen Frauen leiden darunter. Noch wichtiger: Bald soll ein Zulassungsantrag eingereicht werden für Nolasiban, das die Chancen bei künstlicher Befruchtung verbessert. Und die aus den Überbleibseln von Merck Serono entstandene ObsEva verfügt über ein leistungsstarkes Management, angeführt von CEO Ernest Loumaye (67).

Die Aktien erfordern einiges an Risikobereitschaft. Doch für mich sind ObsEva unter den jungen Biotechfirmen eines der interessantesten Investments.

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch