Es könnte sein, dass der Kurssprung bei Öl Ende Januar wegen der möglichen Drosselung der Produktion durch Saudi-Arabien und Russland nur ein erster Vorgeschmack gewesen ist: Der Preis für schwarzes Gold kletterte vor vier Wochen nämlich innert weniger Tage um rund 20 Prozent, weil sich Russlands Präsident Wladimir Putin und die saudischen Ölscheiche vielleicht bald über gemeinsame Fördermengen einigen können. Und auf diesem erhöhten Preislevel ist Öl seither geblieben.

Aber vielleicht wird es mit der Ölnotierung noch viel weiter nach oben gehen, denn es kann sein, dass die Zeiten des billigen Öls bald ganz vorbei sein werden. Immerhin ist der Rohstoff derzeit so günstig wie seit dem Jahr 2003 nicht mehr. Und zwischenzeitlich – zwischen 2011 und 2014 – war Öl auch schon dreimal so teuer wie im Moment. Von Preissteigerungen könnte man auf jeden Fall ausgehen, wenn man den Worten von Fatih Birol, dem Chef der Internationalen Energieagentur IEA, Glauben schenkt.

2021 – die Öl-Nachfrage wird deutlich grösser als das Angebot werden, …

Im vor wenigen Tagen präsentierten Fünfjahresausblick der Ölagentur malt der Experte nämlich deutlich steigende Preise an die Wand. Wegen der starken Kürzungen bei den Investitionen der Ölindustrie in Fördertechnik hält der IEA-Direktor schon in der nicht allzu fernen Zukunft unangenehme Überraschungen für die Verbraucher bei Öl für möglich.

Nach Angaben der IEA sind die Ausgaben der Branche in der Fördertechnik im vergangenen Jahr bereits um einen Viertel gefallen, und sie sollen auch in diesem Jahr nochmals um 16 Prozent zurückgehen. Für Birol heisst das: Der Markt, mit einem Angebotsüberschuss bei Öl, wegen hoher Förderung in diesem Jahr, von etwa 1,1 Millionen Barrel pro Tag, soll schon im nächsten Jahr ausgeglichen werden. Laut Prognose der IEA ist aber schon 2018 mit einem Überschuss der Nachfrage zu rechnen. Diese soll dann bis 2022 von 0,4 auf 1,1 Millionen Barrel täglich steigen. Insgesamt sieht die Branchenorganisation von 29 Mitgliedsländern zwischen 2015 und 2022 einen Anstieg der täglichen Ölnachfrage von 94,4 auf 101,6 Millionen Barrel und im Angebot von 96,4 auf 100,5 Millionen Barrel.

… der Preis könnte aber schon bald deutlich steigen

Beginnt sich der Markt, wie von Birol erwartet, im nächsten Jahr tatsächlich langsam auszubalancieren, könnte das deutliche Folgen für den Ölpreis haben. Und zwar möglicherweise schon sehr zeitnah. Anleger wissen: Die Börse nimmt reale Marktentwicklungen um Monate – oder gar auch um ein halbes Jahr wie etwa bei der Konjunktur – vorweg. Da könnten Spekulanten, die früh genug bei einem möglichen Kursauftrieb mit dabei sein wollen, mit ihren Aktionen, etwa am Terminmarkt, schon in wenigen Monaten höhere Ölpreise auslösen.

Wer von dieser möglichen Entwicklung direkt profitieren will, greift entweder zum etwas riskanteren Call-Hebelpapier auf Öl (ISIN: CH0307666252, Hebel 5,6, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils 27,68 Dollar, Bezugsverhältnis 10:1) oder zum Partizipationszertifikat (ISIN: CH0048701194, Laufzeit endlos), das dem Ölpreis mehr oder weniger im Gleichschritt folgt.

Ölaktien – enormer Hebel bei steigenden Ölpreisen

Vielversprechend sind aber auch Aktien der Ölindustrie. Nebst fundamental grundsoliden Werten, wie es bei der österreichischen OMV (ISIN: AT0000743059) der Fall ist, – die Aktie notiert um etwa 30 Prozent unter dem Buchwert von rund 35 Euro – besitzen insbesondere Player der Branche aus Schwellenländern ein besonders hohes Turnaroundpotenzial.

Zu nennen sind hier beispielsweise die russische Lukoil (ISIN: US69343P1057) und die brasilianische Petrobras (ISIN: BRPETRACNOR9). Denn diese Unternehmen und ihre Aktien leiden nicht nur unter dem tiefen Ölpreis, sondern auch, infolge des billigen Rohstoffs, unter den schwachen Heimatwährungen russische Rubel und brasilianische Real. Russland und Brasilien stehen eben auch wegen tiefer Einnahmen aus Rohstoffen – als Folge der niedrigen Preise – konjunkturell unter Druck – und das lastet auch auf der Währung.

Währungsgewinne bei Ölaktien aus Schwellenländern

So hat der Rubel in den letzten zwölf Monaten gegenüber dem Dollar 15 Prozent an Wert verloren und in den letzten drei Jahren sogar 60 Prozent eingebüsst. Beim Real sind die Verluste mit 30 und 50 Prozent teilweise sogar noch grösser.

Entsprechend steil ist es mit den Kursen der beiden Ölkonzerne nach unten gegangen. Die Lukoil- und Petrobas-Notierungen haben sich in den letzten zwei Jahren in etwa halbiert. Kommt es zur Erholung bei Öl, ist auch mit einer Stärkung der beiden Landeswährungen zu rechnen. Für Anleger heisst das: Zur wahrscheinlichen operativen Erholung von Lukoil und Petrobras kommen möglicherweise noch schöne Windfall-Profite in Form von Währungsgewinnen hinzu.

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