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Die Trends im Markt der privaten Gesundheitsversicherungen

Anlageentscheide und die Verwaltung des eigenen Vermögens beschränken sich nicht nur auf die Börse. Ein erhebliches Renditepotenzial ergibt sich auch aus der Optimierung der Investitionen in die ­private Gesundheitsvorsorge, also bei ­Risikoversicherungen, Taggeldversicherungen oder Zusatzversicherungen der Krankenkassen.

In der Schweiz werden pro Jahr elf Prozent des Bruttoinlandproduktes für Gesundheitskosten über Steuern und Prämien finanziert, so viel wie in keinem anderen OECD-Land. Das ergibt 7000 Franken pro Kopf, bei einer vierköpfigen Familie somit fast 30  000 Franken im Jahr. Die Versicherungsprämien, die dafür zu bezahlen sind, übersteigen inzwischen in vielen Haushalten die Ausgaben für die Wohnung.

Der Löwenanteil von 40 Prozent fällt in der obligatorischen Grundversicherung an. Nach einem Prämienanstieg von rund 50 Prozent seit dem Jahr 2000 steht diesen Herbst ein eigentlicher Schock mit Aufschlägen von bis zu 30 Prozent an. Die Krankenkassen machen zwar Sparvorschläge, gestalten ihre Abläufe effizienter und bieten Rabattsysteme an, haben aber auf diese Kostenentwicklung letztlich kaum Einfluss, wie Otto Bitterli, Chef von Sanitas/Wincare, feststellt (siehe Interview in 'Weitere Artikel'). Und wer im November jeweils zur billigsten Kasse wechselt, hat nach zwei Jahren den Prämienvorsprung meist wieder eingebüsst.

Kaum thematisiert wird hingegen der ganze Markt der privaten Angebote im Bereich der Gesundheitsversicherungen, obwohl sich hier erhebliche Einspar- und Optimierungsmöglichkeiten bieten. Ausmisten und seine Versicherungen nach Sparpotenzial durchforsten muss jedoch jetzt erfolgen, bevor die neue Prämienrechnung für die Grundversicherung ins Haus flattert. Denn bei den Zusatzverträgen muss die Kündigung bis zu drei Monate vor Vertragsende bei der Versicherung eintreffen, in der Regel bis Ende September. Bevor jedoch die Kündigung abgeschickt wird, sollte eine neue Lösung gefunden und der Vertrag mit der neuen Versicherung unterzeichnet sein (siehe «Die richtige Wahl», in 'Weitere Artikel').

«Vieles ist nicht wirklich nötig», stellt Stefan Thurnherr vom VermögensZentrum (VZ) fest. Allein die Zusatzversicherungen der Krankenkassen umfassen rund 1000 Angebote. Ob Badekuren, Zahnstellungskorrekturen, Impfungen, Fitnessstudios oder Spitalaufenthalte: Für alles wird ein zusätzlicher Versicherungsschutz geboten. Hinzu kommt das Segment der Taggeld- und Risikoversicherungen wie Todesfall- oder Erwerbsunfähigkeitsschutz. Und fast alle Versicherer bieten für die ältere Generation inzwischen Pflegeversicherungen an. Selbst Burnout oder Sabbaticals lassen sich versichern.

Die Grösse dieses privaten Versicherungsmarktes ist nicht bekannt. Es fehlen Statistiken dazu. So existieren beispielsweise keine Branchenerhebungen zu den Prämienvolumen der Risikoversicherun­gen. Oder das starre Sparten­denken in den einzelnen Versicherungsarten verhindert einen Gesamtblick.

Im privaten Versicherungsmarkt des Gesundheitswesens stagniert zwar das Prämienvolumen seit zehn Jahren zwischen 4 und 4,5 Milliarden Franken. Doch verdienen die Krankenkassen im Zusatzgeschäft einen von fünf Prämienfranken, wie das Beratungsunternehmen Roland Berger errechnet hat. Für die Kassen sei es eine wichtige Ertragsquelle, betont Sanitas/Wincare-Chef Bitterli. Schliesslich werden nur etwa 70 Prozent dieser Prämieneinnahmen effektiv für Leistungen aufgewendet. Der gegenüber der Grundversicherung wesentlich moderatere Prämienanstieg von 17 Prozent in den letzten acht Jahren hat weniger mit scharfem Wettbewerb zu tun als vielmehr mit der immer restriktiveren Risikoselektion. Wie dieser Selektion Einhalt zu gebieten wäre, ist auch Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz nicht klar: «Es gibt in diesem Markt kaum Begrenzungs­möglichkeiten.»

Spartipp eins: Weg mit Zusatzversicherungen

Da liegt die Frage nahe, wie sinnvoll solche Zusatzversicherungen überhaupt noch sind. Zumal der Leistungskatalog in der Grundversicherung laufend erweitert wird, demnächst mit alternativen Heilmethoden, in drei Jahren zudem mit der freien Spitalwahl. «Die Grundversicherung ist eigentlich komplett», stellt VZ-Experte Thurnherr fest. Die Zusatzversicherungen sind weitgehend Luxus.

Ein Luxus mit Prämien bis zu 300 Franken monatlich sind die Zusatzversicherun­gen für Privatabteilungen von Spitälern. Mehrbettzimmer werden in Schweizer Spitälern immer seltener und ohnehin nicht mit schweren Fällen belegt. Auch die Auslandsdeckung ist unnötig, wenn die Reisen nicht über Europa hinaus führen. Und die wenigen durchaus nützlichen Zusatzversicherungen wie etwa Transportkosten sind oft nur in einem Paket mit kaum notwendigen Leistungen zu haben, wie Rückbildungsgymnastik für Männer oder Sitzungen bei freiberuflichen Psychologen.

Schwierig wird der Prämienvergleich, weil die Leistungen der verschiedenen Angebote selten identisch sind. Manuel Martin vom Vergleichsdienst Sparziel.ch rät deshalb, erst den Bedarf festzulegen und dann die entsprechenden Angebote zu suchen.

Spartipp zwei: Weg mit ­Taggeldversicherungen

Sparen lässt sich auch bei den Taggeldversicherungen. Mit einem Prämienvolumen von rund 2,8 Milliarden Franken sind sie zwar das gewichtigste Segment der Zusatzversicherungen. Und die vermehrte Beanspruchung als Folge der Rezession wird einen Prämienanstieg bis zu 15 Prozent nach sich ziehen, wie die «SonntagsZeitung» recherchierte. Allerdings entfällt der grösste Teil dieses Prämienvolumens auf die Taggeldversicherungen der Unternehmen, mit denen die Lohnfortzahlungen der Mitarbeiter versichert werden. Wer bei Krankheit während 720 Tagen 80 Prozent oder mehr seines Lohnes erhält, braucht keine Taggeldversicherung.

Eine neue Art von Taggeldern sind die Pflegeversicherungen für Ältere. Nicht nur sind die Prämien teuer, oftmals ist auch die Leistung sehr begrenzt. Bei einigen Anbietern wird erst bei einer hohen Pflegestufe im Pflegeheim nach einer Wartefrist von zwei Jahren bezahlt. Die meisten derart pflegebedürftigen Personen sterben allerdings innerhalb dieser zwei Jahre.

Spartipp drei: Weg mit ­Erwerbsunfähigkeitsrenten

Gerne wird die Angst vor Invalidität durch Krankheit geschürt. Verständlich, ist doch das Risiko, durch Krankheit arbeitsunfähig zu werden, zehnmal höher als jenes, dass dies durch Unfall geschieht. Bei Invalidität durch Krankheit fehlt die Unfallversicherung als zusätzliche Rentenzahlerin neben IV und Pensionskasse. Bei Familienvätern mit einem Jahreseinkommen bis 200  000 Franken sind aber oft die Rentenleistungen der Pensionskassen mit Überobligatorium ­gewährleistet, um zusammen mit der IV-Rente 80 Prozent des bisherigen Einkommens zu ersetzen. Damit kann der bisherige Lebensstandard aufrechterhalten werden.

Die Leistungen aus einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung werden ohnehin von der Höhe der IV abhängig gemacht und helfen nicht, eine allfällige Rentenkürzung auszugleichen.

Spartipp vier: Die günstigste Todesfallversicherung

Der konkreteste Spartipp und auch einer der lukrativsten ist die Wahl der günstigsten Todesfallversicherung. Weil die Leute dank ihrer Lebenshaltung und dem medizinischen Fortschritt immer älter werden, steigen die Kosten in der Grundversicherung. Andererseits werden dafür die Leistungen aus den Todesfallversicherungen weniger beansprucht. Zudem wird die Prämienhöhe immer stärker vom individuellen Risiko des Versicherten abhängig gemacht. «Solidarität gibt es nur noch innerhalb der gleichen Risikogruppe», weiss Rudolf Schnider von Marktleader Mobiliar. In den letzten sechs Jahren sind die Prämien in der Folge um ein Viertel gesunken, wie die Vergleichsdaten der Versicherungsmakler Roth Gygax & Partner zeigen.

Bei den Risikoversicherungen ist zwar eine lange Laufzeit bis zur Pensionierung empfehlenswert, trotzdem kann jedes Jahr zum günstigsten Anbieter gewechselt werden. Die Prämienunterschiede betragen bis zu 60 Prozent (siehe Grafik im Anhang).

Übrigens können diese Versicherungen im Rahmen der Säule 3a abgeschlossen und die Prämien vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Da bei der Bank gespart und bei der Versicherung versichert werden sollte, ist es ohnehin ratsam, anstelle einer gemischten Lebensversicherung mit einem Sparteil eine Todesfallversicherung abzuschliessen und mit einem Anlage- oder Sparkonto bei der Bank die Vorsorge zu äufnen.

Spartipp fünf: Weg mit dem ­Unfallzusatz

Auch die Unfalldeckung kann bei allen Versicherungen im Gesundheitsbereich ausgeschlossen werden, sobald jemand erwerbstätig und einer Pensionskasse angeschlossen ist. Die Heilungskosten sind obligatorisch versichert, und bei Invalidität reichen die Renten von IV, Unfallversicherung und Pensionskasse aus, um wenigstens 80 Prozent des aktuellen Verdienstes zu sichern.

Es besteht aber auch das Risiko, am falschen Ort zu sparen. Besonders gefährdet sind Hausfrauen und Kinder bei Invalidität, insbesondere infolge von Krankheit. Sodann lässt sich eine Versicherung nicht mehr abschliessen, wenn die Leistung benötigt wird. Denn niemand versichert ein brennendes Haus. Oft sind zudem Zusatz- und Risikoversicherungen deshalb günstig, weil die Leistung nicht an eine feste Summe gebunden ist, sondern von der Schadenshöhe abhängt, die dann oft zum Streitfall wird. Und schliesslich werden zusätzliche Rabatte von Maklern offeriert, weil ein hoher Selbstbehalt eingeschlossen wird.

Wie hoch letztlich die Prämieneinsparungen in Franken und Rappen ausfallen, lässt sich an dieser Stelle nicht beziffern, da sie von den individuellen Verhältnissen abhängen. Die Performance durch die strikte Optimierung der verschiedenen Gesundheitsversicherungen dürfte sich aber durchaus mit jener bei Finanz­anlagen vergleichen lassen. Und mit den einge­sparten Prämienfranken kann an der Börse zusätzliche Rendite erzielt werden.

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