n den Jahren 2000 bis 2002 hat die Börsenkrise bei den Sammelstiftungen der Kollektivversicherer die Reservetöpfe geleert. Ende 2006 waren sie wieder voll, dank vier guten Anlagejahren. Somit können die Versicherten künftig wieder mit der Verteilung von Überschüssen rechnen. Sie erhalten höhere Zinsen auf ihrem Alterskapital gutgeschrieben, als dies der Bundesrat mittels des BVG-Mindestzinssatzes vorschreibt. Oder sie bezahlen niedrigere Pensionskassenbeiträge. Wofür die Überschüsse eingesetzt werden, entscheidet die Vorsorgekommission. Wie hoch sie ausfallen, hängt vom Gesamterfolg jeder Versicherung ab. Ausschlaggebend dafür sind die Ergebnisse bei den Kapitalanlagen, der Risikoversicherung und den Verwaltungskosten. Hier bewirken kleine Unterschiede grosse Differenzen: Wegen des Zinseszinseffekts ergeben 0,5 Prozent jährlicher Zinsüberschuss nach vierzig Jahren eine um zehn Prozent höhere Rente.

Überschüsse erwirtschaften die Kollektivversicherungen hauptsächlich auf den Kapitalanlagen. Hier ist nicht nur die gute Performance entscheidend. Auch die Vermögensverwaltungskosten beeinflussen das Ergebnis. Zudem hängt die Überschussentwicklung von den Gewinnen oder Verlusten aus den Verwaltungskosten und der Risikoversicherung ab. Im kürzlich publizierten Bericht des Bundesamts für Privatversicherungswesen (BPV) sind die Ergebnisse der Kollektivversicherungen detailliert nachzulesen.

Insgesamt haben die Kollektivversicherer im Jahr 2006 in den relevanten Bereichen Kapitalanlagen, Risikoversicherung und Verwaltungskosten Gewinne von rund 1,5 Milliarden erwirtschaftet. Doch nicht der gesamte Betrag kam den Versicherten zugute. Dank der sogenannten Legalquote konnten sich die Gesellschaften 696 Millionen als zusätzlichen Gewinn zuweisen. Der verbleibende Überschuss wurde den Versicherten nicht direkt ausbezahlt, sondern im sogenannten Überschussfonds angelegt.

Im Jahr 2006 flossen in die Überschussfonds der Versicherten 869 Millionen, ausbezahlt wurden 508 Millionen Franken. Gemeinsam umfassten die Überschussfonds aller Kollektivversicherungen Ende 2006 rund 1,2 Milliarden Franken, was etwa einem Prozent ihres gesamten Vorsorgekapitals entspricht. Dies mag im Vergleich zu den Reserven der autonomen Pensionskassen von mehr als zehn Prozent des Vorsorgekapitals wenig erscheinen. Doch die Kollektivversicherer legen konservativ an. Sie müssen eine viel geringere Risikoreserve halten als die autonomen Pensionskassen, die in der Regel mit höheren Aktienanteilen operieren.

Die Sammelstiftungen der Kollektivversicherer können deshalb schon viel früher Überschüsse ausschütten.

Die Tabelle zeigt, dass die Ausschüttungen der einzelnen Gesellschaften stark variieren. Allen voraus waren 2005 und 2006 die Axa Winterthur und die Bâloise.

Auch ein Blick in die Zukunft ist möglich, weil die Höhe des Überschussfonds bekannt ist. Denn es ist anzunehmen, dass dieses Geld irgendwann an die Versicherten ausbezahlt wird. Hier übernimmt die Helvetia die Führungsrolle. Mit über 1000 Franken pro Versicherten ist ihr Überschussfonds am höchsten dotiert. Die Töpfe von Swiss Life und Axa Winterthur sind nur halb so gut gefüllt. Die Versicherten der Helvetia können sich also der rosigsten
«Überschuss-Aussichten» erfreuen. Denn die Höhe des Überschussfonds ist ein klarer Indikator für die zukünftige Erfolgsbeteiligung der Versicherten.

Zum BILANZ-Dossier "Altersvorsorge"

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