Noch selten sei eine Prognose so schwierig gewesen wie für das neue Börsenjahr, klagten Analysten und Ökonomen Ende 2007. Und der Start ins neue Jahr ist gründlich misslungen. Nach vier Jahren Börsenautobahn wurden die Anleger durch die Kreditkrise aufgeschreckt, die immer weitere Kreise zu ziehen droht. In derart unsicheren Zeiten wächst das Bedürfnis nach Kapitalschutz, ohne dass man sich die Chance auf Performance verbauen will, falls sich die Finanzmärkte doch noch zum Guten wenden. In guten Zeiten Performance zu erzielen und das Kapital in schlechten Zeiten zu erhalten, ist die Maxime der Vermögensverwaltung schlechthin. Auf dem Markt werden unter den Prädikaten Kapitalschutz oder Kapitalgarantie unzählige Produkte angeboten, die genau diesem Leitsatz entsprechen sollen. Doch längst nicht bei allen ist auch drin, was draufsteht.

Wer sein Geld in Kapitalschutzprodukte investiert, nimmt bewusst eine Renditeschmälerung gegenüber dem Vergleichsmarkt in Kauf. Denn es gibt keinen Schutz umsonst. Oft ist die Rendite aber derart mager, dass sich – im Nachhinein betrachtet – eine wesentlich einfachere und kostengünstigere Anlage besser geeignet und sogar das Sparheft den Zweck des Kapitalerhalts besser erfüllt hätte. Gerade weil Kapitalschutzprodukte aus mehreren Komponenten bestehen, lohnt es sich, das Kleingedruckte besonders aufmerksam zu lesen. Ob ein solches Produkt preiswert ist, kann erst beurteilt werden, wenn klar ist, worin der Schutz effektiv besteht und welche Kosten damit verbunden sind. Nicht zu vernachlässigen ist auch die steuerliche Belastung. Sobald eine Garantie eingebaut wird, sind auch die Kapitalgewinne per se nicht mehr steuerfrei, und zumindest ein Teil der Erträge muss als Einkommen deklariert werden.

Kapitalschutz mit Tücken

Absolute Return: Unter Kapitalschutz werden gemeinhin Absolute-Return-Produkte subsumiert. Ihnen ist wie keinem andern Finanzprodukt die Maxime eingeschrieben, kurzfristig Verluste zu vermeiden und mittel- bis längerfristig eine gute Performance zu erzielen. Eine fixe
Kapitalgarantie liefern sie nicht. Und die Bilanz fällt nicht eben berauschend aus: Nach einer Untersuchung der Ratingagentur Standard & Poor’s hat von August bis Oktober ein durchschnittlicher Verlust von 1,3 Prozent (in Euros) resultiert, und schon im Vorquartal war eine leicht negative Performance zu vermelden. Das ist besonders bedenklich – hätten doch gerade in diesen turbulenten Monaten derartige Fonds die Anleger schadlos halten sollen.

Nur gerade Fortis und Threadneedle erreichten mit ihren Absolute-Return-Fonds die Zielvorgabe, eine Rendite über dem durchschnittlichen Zinssatz für Tagesgelder der Europäischen Zentralbank (Eonia) zu erzielen. Von 53 in der Schweiz zugelassenen Fonds vermochten in den letzten sechs Monaten nur 15 überhaupt eine positive Performance zu erwirtschaften. Einzelne Fonds haben gar Verluste von über zehn Prozent erlitten. Nach Ansicht von Randal Goldsmith, Fonds-Analyst bei Standard & Poor’s, dürfte die Währungseinschätzung eine wichtige Ursache für den unterschiedlichen Erfolg gewesen sein.

Hans Lauber, bis Ende 2006 Anlageverantwortlicher der Winterthur-Versicherungen und heute mit seiner Firma Arecon Vermögensverwalter für institutionelle Anleger, macht andere Gründe für das schlechte Abschneiden verantwortlich: Absolute-Return-Produkte fristen bei den Banken ein Nischendasein. Dagegen geniessen Benchmark-Produkte einen viel höheren Stellenwert, weil das Risiko einer Fehleinschätzung gegen den Markttrend geringer ist. Die talentiertesten und erfahrensten Mitarbeiter sind jedoch wenig ambitioniert, für ein Nischenprodukt zu arbeiten. Zudem bieten Absolute-Return-Fonds geringe Profilierungsmöglichkeiten, da sie das Resultat einzelner Beiträge von Spezialisten aus verschiedenen Anlageklassen- und Research-Teams sind. Damit ist auch die Komplexität von grösseren Organisationen im Asset Management und deren Ausrichtung auf einzelne Anlageklassen ein Grund für das schlechte Abschneiden vieler Absolute-Return-Fonds der Banken.

Garantiefonds: Den gleichen Zweck wie Absolute-Return-Fonds, nämlich Kapitalschutz ohne Schmälerung der Renditechancen, versuchen Garantiefonds zu erfüllen. Besonders in Deutschland erfreuen sich diese Produkte grosser Beliebtheit. Die Garantie kann unterschiedlich ausgestaltet werden, etwa auf 80 Prozent des eingesetzten Kapitals beschränkt sein oder auf den Höchststand, den der Fonds in den ersten drei Jahren erreicht. Entsprechend unterschiedlich fällt die Performance aus. Gemäss E-Fundresearch haben die 24 Garantiefonds, die seit fünf und mehr Jahren im deutschsprachigen Raum angeboten werden, eine durchschnittliche Jahresrendite von bloss 3,1 Prozent erbracht, also nicht mehr als eine fünfjährige Kassenobligation.

Die Garantie gilt zudem nur am Ende der Laufzeit. Wer vorzeitig seine Anteile verkauft, erhält bloss den aktuellen Fondswert.

Garantiefonds sichern ihr Portefeuille entweder statisch über Optionen ab oder – weit häufiger – dynamisch. Bei der dynamischen Absicherung investiert der Fonds in Aktien und Obligationen und verändert die Gewichtung laufend je nach Marktentwicklung. Dieses Trendfolgesystem, CPPI genannt, führt aber bei hohen Kursverlusten und gegen Ende der Laufzeit eines Fonds dazu, dass der grösste Teil des Fondsvermögens im renditeschwachen, aber sicheren Geldmarkt parkiert wird.

Fondspolicen mit Kapitalschutz: Solche sind vor allem bei fondsgebundenen Lebensversicherungen zu berücksichtigen, in die derartige Produkte oft eingebaut werden. In der Regel sind der Kauf einer solchen Police und die Laufzeit eines Garantiefonds nicht deckungsgleich. Was von der Prämie, insbesondere bei Einmalprämien, nach Abzug der Versicherungs- und der Verwaltungskosten noch für den effektiven Sparteil übrig bleibt, wird kurz vor oder nach dem Höchststand des Garantiefonds investiert.

Von der garantierten Höchststandsrendite profitiert hingegen nur, wer bei der Lancierung des Fonds dabei ist. Bei einem späteren Einstieg muss der aktuelle Kurswert zuzüglich Gebühren bezahlt werden. Da kann sogar ein Verlust resultieren. Liegen beispielsweise der Höchststand bei 112 Franken und der aktuelle Kurswert bei 110 Franken, muss zudem noch eine Ausgabekommission von drei Prozent entrichtet werden, sodass der Kaufpreis von 113.30 Franken höher ist als der zugesicherte Ertrag. Nur wer bei 100 Franken kaufen konnte, hat nach Abzug der Kaufkosten eine sichere Rendite von 9 Franken in Aussicht.

Läuft der Fonds zudem aus, bevor die Laufzeit der Lebensversicherung beendet ist, wird das Kapital im Geldmarkt parkiert, wo kaum noch eine Rendite erzielt wird.

Garantiezertifikate: Zu optimistisch sind die Renditeerwartungen oft auch bei strukturierten Produkten mit Kapitalschutz. Meistens wird die Garantie mit einer geglätteten Durchschnittsrendite teuer erkauft, und letztlich resultiert kaum mehr Ertrag als mit dem Sparbuch. Einem solchen Zertifikat liegt jeweils ein Korb Aktien – Anlagen wie Rohstoffe, Währungen oder Indizes – zugrunde. Die Rendite wird aus der durchschnittlichen Performance errechnet. Allerdings wird die Performance der einzelnen Komponenten nach oben limitiert, um die Durchschnittsrendite zu berechnen. Eine Analyse der Zeitschrift «Euro» von über 700 solchen Produkten hat ergeben, dass 70 Prozent nur gerade die minimale Renditezusicherung von höchstens zwei Prozent einhalten konnten und keine Zusatzerträge zu erwirtschaften vermochten.

Kapitalschutz mit Wirkung

Neuartige Garantiezertifikate: Es gibt jedoch in der Tat Garantiezertifikate mit einem attraktiven Ertrag und Kapitalschutz. Statt erst am Ende der Laufzeit wird die Rendite regelmässig neu berechnet und ausgeschüttet oder zumindest der Minimalzins. Am Schluss wird zudem das garantierte Kapital zurückbezahlt. Diese Kapitalschutzprodukte mit Coupon wurden neu als eigene Kategorie in die Swiss Derivative Map aufgenommen. Solche Produkte führen beispielsweise die Zürcher Kantonalbank mit den Bonus-Protein-Zertifikaten (Valoren-Nr. 2 162 843), Raiffeisen mit den Zinspapieren (Valoren-Nr. 2 848 903) oder die beiden Grossbanken (CS unter Bonus Coupon Notes, UBS unter Groi Mini-Max Coupon Units).

Eine andere Variante sind die Allzeithoch- und Lock-in-Zertifikate. Sie funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip wie die Garantiefonds. Die Höchststandsausschüttung kommt aber bei den Zertifikaten erst dann zum Tragen, wenn ein Vergleichsindex ein bestimmtes Niveau überschritten hat. Von da an gilt jeder höhere Wert als neue Höchststandsabsicherung. Mit der Börsenabschwächung seit vergangenem Sommer bieten sich bei einigen dieser Produkte, die bereits am Markt sind, attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Solche Produkte werden allerdings nicht unter der Kategorie Kapitalschutz, sondern unter Renditeoptimierung gelistet. Eines führt zum Beispiel die Credit Suisse, allerdings nicht börsenkotiert, auf den SMI (Valoren-Nr. 1 687 416), eines Goldman Sachs auf BRIC-Länder (Valoren-Nr. 3 070 307).

Lebensversicherung mit garantiertem Kapital: Auch die Lebensversicherer haben dazugelernt und eine neue Generation von kapitalgeschützten Fondspolicen lanciert. Bei diesen wird nicht bloss das Fondskapital, sondern auch das einbezahlte Prämienvolumen garantiert. Eine solche Garantie ist aber auch nicht umsonst zu haben. Im Vergleich des Internetportals VZonline fällt die Renditeerwartung bei den Policen von Generali, der Vorreiterin solcher Produkte, gegenüber den herkömmlichen Fondspolicen am tiefsten aus. Bei einer zu erwartenden Fondsperformance von fünf Prozent pro Jahr kann eine Durchschnittsrendite von 3,28 Prozent erreicht werden. Neuartige Fondspolicen führen beispielsweise Zurich unter Capital Garant, AXA Winterthur unter WinLife Variant oder Swiss Life mit Swiss Life Index.

Kassenobligationen: Deutlich besser und wesentlich einfacher funktioniert der Kapitalschutz bei Kassenobligationen oder Festgeldern. Allerdings wird die Renditeaussicht durch die Zinszahlung begrenzt. Letztlich vermögen die Zinserträge aber in der Regel die Inflation, welche die Kaufkraft des Kapitals schmälert, zu übertreffen, zumal die Gebühren besonders tief sind. Und die Rendite ist nicht selten besser als bei manchem scheinbar so attraktiven Kapitalschutzprodukt, das an die Börsenentwicklung gekoppelt ist.

Wandelanleihen: Ein ähnlicher Kapitalschutz wie bei Kassenobligationen, aber mit intakten Renditeaussichten lässt sich über Wandelanleihen erreichen. Dies sind Obligationen mit einem Anrecht auf den Kauf von Aktien zu einem im Voraus festgelegten Preis. Steigen die Aktienkurse, nimmt der Wert der Anleihe zu. Fallen die Kurse, so sind zumindest die Verzinsung und die Kapitalrückzahlung gesichert, jedoch nur insofern, als die Bonität des Emittenten gewährleistet ist. Statt direkt in solche Anleihen zu investieren, können auch Anteile entsprechender Fonds erworben werden. Allerdings ist die Rendite damit vom Geschick des Fondsmanagers und allenfalls von Währungsrisiken abhängig. Eine Übersicht über die kotierten Wandelanleihen an der Schweizer Börse ist auf der Homepage www.swx.ch in der Rubrik Marktdaten unter Anleihenmarkt/Explorer zu finden. Fonds mit Wandelanleihen bieten unter anderem die Liechtensteinische Landesbank (TOPportunities, Valoren-Nr. 1 162 861), UBS (Convert Global,
Valoren-Nr. 1 976 715) oder Jefferies (Umbrella Fund, Schweizer Franken, Valoren-Nr. 1 631 518).

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