Selten habe ich derart viele Anfragen bekommen wie dieser Tage zu Nestlé. Die Nervosität vieler Anleger kann ich nachvollziehen. Denn die Titel des Nahrungsmittelkonzerns sind seit Anfang Jahr um spektakuläre 30 Prozent in die Höhe geschossen.

 

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Nun zählen Nestlé für mich zu dem halben Dutzend Schweizer Papiere, die man einfach haben muss. Allerdings bewegen sich die Valoren nun in dünner Luft. Da ist bereits sehr viel Zukunft in den Kursen eskomptiert.

Das lässt sich auch am für dieses Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 25 ablesen; das ist etwas gar viel für einen Titel, der nicht zu den Wachstumswerten zählt.

Wohlgemerkt, CEO Mark Schneider (53) macht einen exzellenten Job, und VR-Präsident Paul Bulcke (65) hat an der Umsetzung der Strategie fürwahr nichts zu meckern. Die 2018 ergriffenen Massnahmen, um den mit einem Umsatz von 91 Milliarden Franken etwas schwer­fällig gewordenen Koloss wieder ­expansionsfreudiger zu machen, zahlen sich allmählich aus.

Schneider dürfte weitere margenschwache Bereiche abspalten und im Gegenzug vielversprechende Aktivitäten akquirieren. Dazu kommen die bekannten Stärken von Nestlé wie die führende Marktstellung in ertrags- und wachstumsstarken Bereichen, eine enorme Finanzkraft und die solide Bilanz.

Mark Schneider

Nestlé-Chef Mark Schneider baut den Konzern um. 

Quelle: Gian-Marco Castelberg

Doch gerade weil die Neuausrichtung so gut und schnell vonstattengeht, erwarten die Aktionäre immer noch mehr – letztendlich zu viel, zumindest auf kurze Sicht. Im Kurs jedenfalls ist die Entwicklung über die nächsten zwei, drei Jahre bereits eingepreist. Kommt es an der Börse zu Gewinnmitnahmen, wird Nestlé wohl zu den Hauptverlierern gehören – obwohl die Aktien zu den ­defensiven Werten zählen. Ich halte zwar am Blue Chip als Investment fest, kaufe aber nichts mehr dazu.

Paul Bulcke

Dabei wird Schneider tatkräftig von Präsident Paul Bulcke unterstützt. 

Quelle: Keystone .

Superrendite

Im ausserbörslichen Handel gibt es einige Perlen, beispielsweise Wel­invest. Die Basler Beteiligungs­gesellschaft besitzt Immobilien und vermietet Wohnungen. Hinzu kommen ein umfangreiches Wertschriftenportfolio sowie Edelmetalle. Das Geschäftsjahr 2017/18 war, einmal mehr, höchst erfolgreich.

Der Betriebsertrag stieg um 19 Prozent auf 19,3 Millionen Franken. Der Gewinn legte sogar satte neun Zehntel auf 16,8 Millionen zu, nicht zuletzt als Folge eines Verkaufs einer Liegenschaft. In der Kasse klimpern 53,5 Millionen Franken.

Welinvest glänzt mit stabilen Einnahmen sowie einer grundsoliden Bilanz mit – wohl beträchtlichen – stillen Reserven. Nur ist diesbezüglich der Anleger auf Mutmassungen angewiesen. Die Basler geizen mit Informationen; im ausserbörslichen Handel sind die Publizitätsvorschriften ziemlich lasch.

Die Aktien haben über die letzten Monate keine grossen Stricke zerrissen. Der Haupttrumpf ist sowieso die Dividendenrendite von 6,8 Prozent. An der hohen Ausschüttung dürfte sich so schnell nichts ändern. Die Valoren eignen sich für konservative ­Investoren, die auf Solidität und eine hohe Rendite setzen.

Tiefflieger

Vor gut einem Jahr kam die deutschstämmige Firma Klingelnberg an den Schweizer Aktienmarkt. Doch nach Spitzenkursen von bis zu 55 Franken stürzte der Börsenneuling um gegen 40 Prozent ab. Dabei hat der Maschinenbauer den Aktionären nach dem IPO für 2018/19 Top-Resultate in Aussicht gestellt – und prompt geliefert: Der Umsatz stieg um 8 Prozent, während Betriebs- und Reingewinn um je 35 Prozent zulegten.

Auf den Aktienkurs gedrückt ­haben indes die verhangenen Aussichten für das laufende Geschäftsjahr. Wichtigste Kundengruppe ist die Automobilbranche, und da steckt ziemlich viel Sand im Getriebe. Konzernchef Jan Klingelnberg (47), weiterhin grösster Anteilseigner, erwartet zwar kaum Auswirkungen auf den Umsatz ­Finanzanalysten rechnen jedoch ­damit, dass die Flaute bei den ­Fahrzeugbauern beim Technologieführer der Verzahnindustrie die Marge schmälern wird.

Nach diesem Jahr sollten die Verkäufe wie auch die Gewinne bereits wieder deutlich zulegen. Vontobel rechnet für 2020 und 2021 mit einem Zuwachs bei Ebit und Gewinn von jeweils 30 und mehr Prozent. Die paar Banken wie Vontobel, Credit Suisse oder Berenberg, die Klingelnberg auf ihrem Radar haben, raten denn auch ausnahmslos zum Kauf der Aktien.

Ich bin da etwas zurückhaltender. Zwar sind die Valoren mit einem fürs nächste Jahr geschätzten KGV von 14,4 günstig bewertet, und auch die Dividendenrendite ist mit 2,9 Prozent nicht ohne. Nur sind die Aktien stark zyklisch und bei den Anlegern noch wenig bekannt. Ich warte einmal ab, wie sich der ­Geschäftsgang in der Automobil­industrie entwickelt.

Gerangel

Ende April kam es beim Techno­logieunternehmen Comet zum ­Aufstand der Aktionäre: Nicht der vom Verwaltungsrat vorgeschlagene Christoph Kutter (54), sondern Heinz Kundert (67), der Gegen­kandidat des aktivistischen Investors Veraison, wurde zum VR-Präsidenten gewählt.

Doch damit war das Gerangel an der Firmenspitze noch nicht ausgestanden. Wochen später schmiss René Lenggen­hager (59) sein Amt als CEO hin; offiziell aus persönlichen Gründen, inoffiziell ging er kaum freiwillig. Nun übernimmt Kundert interimistisch auch noch Lenggenhagers Job.

Heinz Kundert

Heinz Kundert, neuer CEO und Präsident, muss Comet wieder in Schwung bringen. 

Quelle: Keystone .

Dabei hat das Management auch so schon genug um die Ohren. Bis 2017 brummte das Geschäft des ­Spezialisten für Röntgen-, Hochfrequenz- sowie E-Beam-Technologie (Einsatz beispielsweise bei der Ste­rilisation von Getränkeverpackungen).

2018 kam der Rückschlag: Der Umsatz ging zwar nur leicht zurück, dafür brachen Ebit und Gewinn um über die Hälfte ein. Aufs Geschäft gedrückt hat die schwache Nachfrage der Abnehmer aus der Halbleiter- und der Autoindustrie.

Laut Finanzanalysten war 2018 ein Ausrutscher, sie erwarten für die nächsten Jahre wieder steigende ­Erträge. Ich bin mir da nicht so ­sicher. Verbleiben die Auto- und die Halbleiterbranche in der Krise, wird sich die Erholung bei Comet in Grenzen halten.

Obwohl die Aktien in ein­einhalb Jahren die Hälfte an Wert ver­loren, sind sie mit einem geschätzten KGV von 27 für 2019 ­sowie 23 für 2020 nicht gerade wohlfeil. Auch die Dividendenrendite ist mit 1,4 Prozent nicht berauschend. Ich warte ab.