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«Investoren hängen am alten Regime»

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Der Optimismus an den Börsen scheint verflogen.Quelle: Getty Image

Dave Fishwick warnt vor Bonds und prognostiziert eine Wiederholung von 1994.

Erich Gerbl
Von Erich Gerbl
18.05.2018

Herr Fishwick, der Optimismus an den Börsen scheint verflogen. Wie geht es an den Märkten nach dem Fehlstart weiter?
Der Flash Crash hat eine Normalisierung gebracht. Wir haben uns an die Ruhe an den Märkten gewöhnt. Doch nun sind die hohen, aber eigentlich normalen Schwankungen zurück. In vielerlei Hinsicht erinnert mich die aktuelle Situation an 1994. Auch damals sorgte die Normalisierung der Geldpolitik für Unruhe. Die Zinsen stiegen vom negativen Bereich auf drei Prozent.

Wie haben die Börsen das damals verdaut?
1994 war ein brutales Jahr. Die Volatilität war hoch. Aber unter dem Strich lief der S&P 500 Index seitwärts. Als die Zinsen 1995 weiterstiegen, folgte ein für Aktien enorm starkes Jahr.

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Waren Aktien 1994 auch so teuer?
Die Bewertungen waren nicht so ausgereizt. Aktien waren damals aber auch nicht billig. Jedoch ging die Hausse dann erst richtig los, zwischen 1995 und 2000 folgte ein massives Aktienrally.

Dave Fishwick

Dave Fishwick ist bei M&G Investments Leiter Macro und Multi Asset Investing. Zudem ist er Co-Manager des M&G Episode Macro Fund und Manager des M&G Managed Growth Fund.

Die aktuelle Hausse wird wohl kaum noch fünf Jahre dauern. Wie viel Zeit bleibt den Optimisten noch?
Übertreibungen sind Teil der Natur der Anleger. Irgendwann werden die Aktienkurse wieder einbrechen. Wenn die europäischen Leitzinsen auf zwei Prozent gehen, bekommen all jene, die die ganze Zeit von den niedrigen Zinsen profitiert haben, ein Problem. Davon sind wir noch weit weg. Die gefährlichste Anlageklasse sind jedoch nicht Aktien, sondern Bonds.

Wegen der hohen Bewertungen?
Ja, Bonds sind im Vergleich mit Aktien sehr teuer. Der Aufschlag ist riesig. Jeder, der eine Asset-Klasse mit einer negativen Rendite kauft, lässt sich auf ein riskantes Spiel ein. Wer der deutschen Regierung Geld leiht, riskiert permanente Verluste. Die Risiken werden nicht entlohnt. Viele Investoren denken offenbar, dass wir uns noch im alten Regime befinden.

Das alte Regime?
Ja, ein Regime, das noch von der Finanzkrise und der Angst bestimmt war. Es herrschte bis Mitte 2016. Dann folgte der Regimewechsel. Ab diesem Zeitpunkt legte der S&P 500 zu. Bonds verloren an Anziehungskraft. Investoren wandten sich ab dann verstärkt riskanteren Anlagen zu. Wir müssen den Optimismus erst wieder lernen. Viele Investoren hängen am alten Regime.