Bei dem, was sie vor dem Zugriff des Steuerkommissärs retten können, räumen die Schweizer der Sicherung unbedingten Vorrang ein. Die jährlich rund 6000 Franken, die man als Angestellter in die dritte Säule einzahlen und vom Einkommen abziehen kann, sind vor allem für Banken ein höchst lukratives Geschäft. Jahr für Jahr werden gut zwei Milliarden Franken frisch eingezahlt, derzeit sind gut 100 Milliarden Franken in den verschiedenen Formen der dritten Säule investiert.

Bekanntlich sind die Schweizerinnen und Schweizer grosse Sparer. Wählen sie für die langfristigen Anlagen aber auch die cleversten Investitionen? Den bevorzugten Anlageformen nach zu urteilen, nicht unbedingt. Ziemlich genau ein Drittel der 100 Milliarden Franken horten die Schweizer auf den Säule-3a-Konti der Banken. Dort erhalten sie zwar etwa 1,5 Prozent Zins, mehr als auf normalen Konti. Da aber das Kapital meist bis zur Pensionierung dort liegen bleibt, ist es für die Banken extrem billiges Geld. Je später man die Ersparnisse aus der Säule 3a beziehen möchte, desto weniger lohnt es sich, sie auf dem Konto versauern zu lassen.

Weitere 50 Milliarden stecken derzeit in Fonds mit Versicherungsschutz. Experten erklären dies mit dem Denken in absoluten Renditen, die sich am Zins für die Kontoeinlage orientieren. Wer so denkt, übersieht indes, dass die Vertragsspesen hoch und die Garantieerträge mager sind.

Der konservative Umgang mit den Spargeldern ist den Managern der Dritte-Säule-Fonds keineswegs entgangen: «Beim Investieren in die dritte Säule verhalten sich die Kunden sehr defensiv. Selbst Leute, die an der Börse investieren, lassen ihr Geld gerne auf dem Säule-3a-Konto liegen», resümiert Urs Holliger seine Beobachtungen. Wie das Direktionsmitglied der Swisscanto Anlagestiftung weiter feststellt, sind «die Zuflüsse heute in den konservativen Anlageklassen grösser. Die Anleger sind nach dem Börsenkrach vorsichtiger geworden.» Sie bevorzugten die weniger aktienlastigen Fonds, heisst es fast unisono.

Der Anteil von Aktien wird vom Gesetz auf maximal 50 Prozent beschränkt, die Banken bieten ihre Säule-3a-Fonds immer in mehreren Kategorien an, wobei die Fondsnamen in der Regel einen Hinweis auf den Aktienanteil geben. Beim UBS Fiscainvest 12 beispielsweise liegt der Aktienanteil bei rund 12 Prozent (siehe «3a-Fonds» auf Seite 111). Bei der Konkurrentin CS reicht die Palette vom BVG Basic bis zum BVG Maxi mit maximal 40 bis 50 Prozent Aktienanteil.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich das höhere Risiko mit grösserem Aktienanteil tatsächlich nicht gelohnt: Ganze fünf Prozent Performance ist den Anlegern zum Beispiel beim UBS Fiscainvest 50 geblieben. Der konservative Fonds mit nur zwölf Prozent Aktienanteil brachte hingegen 12,2 Prozent Gesamtperformance. Damit steht die Grossbank punkto Performance besonders schlecht da.

Gleichzeitig verlangt die UBS in jeder Kategorie die höchsten Spesen. Während sich etwa Pictet mit 1,15 Prozent begnügt (BVG-40), verlangt die UBS 1,64 Prozent (Vitainvest 50). Swisscanto verlangt für ihren konservativen Fonds jährlich ein Prozent des Vermögens, bei der UBS kostet das vergleichbare Produkt jedes Jahr 50 Prozent mehr – dies trotz miserablem
Abschneiden im Quervergleich.

Markant besser sehen die Zahlen bei der CS aus. Dort erhält der Anleger einen erkennbaren Mehrwert für die fixen Verwaltungsgebühren von 1,2 Prozent. Kurt Brändle, Geschäftsführer der Credit Suisse Anlagestiftung, führt den Erfolg auf die Asset Allocation zurück, also die Komposition der Anlagen.

Interessant auch hier: Die drei CS-Fonds erzielten in den vergangenen fünf Jahren ähnliche Renditen. Aber langfristig dürften sich die höheren Aktienanteile schliesslich doch lohnen. Vor allem wenn man auch in schlechten Börsenjahren konsequent einzahlt und damit günstige Fondsanteile erwerben kann. Über die Jahre gleichen sich die Kursschwankungen so etwas aus. Wer das Geld seiner privaten kleinen Pensionskasse früher ausbezahlt haben will, wählt mit Vorteil eine Strategie mit wenig Risiko.

Immer mehr Anleger schauen aber nicht nur für sich, sondern auch aufs gute Gewissen. «Das Volumen des Nachhaltigkeitsfonds ist stark gestiegen. Selbst in der Krise hat der BVG Oeko 3 zugelegt», freut sich Swisscanto-Mann Urs Holliger. Für ihre Glaubenstreue wurde die ideologiegefestigte Kundschaft bisher durchaus belohnt. Die Renditen über drei und fünf Jahre liegen beim BVG-Oeko-3-Fonds der Kantonalbanken klar über der klassischen Anlagegruppe BVG Diversifikation 3. Im Portefeuille fehlen beispielsweise die Langweilertitel Nestlé und Novartis, die sich in den letzten Jahren nur mässig entwickelt haben.

Die Gewissheit, nachhaltig anzulegen, gibt es allerdings nicht gratis. Öko-Fonds sind allesamt um 0,1 Prozentpunkte teurer. Aber diese Minigebühr ist gut investiert. Das Geld fliesst ins so genannte Nachhaltigkeits-Research.

Nur auf den ersten Blick attraktiv erscheint das Angebot der Bâloise. Sie verlangt eine jährliche Verwaltungsgebühr von bloss 0,3 Prozent. Allerdings investiert die Bâloise in andere Säule-3a-Fonds, und dies kostet nochmals mindestens ebenso viel. Damit ist der Versicherungskonzern zwar immer noch günstig, doch die beiden Bâloise-Fonds können diesen Vorteil keineswegs nutzen. Das Resultat für die Anleger sieht, was die Erträge betrifft, sehr mager aus: Gerade mal 3,1 Prozent über fünf Jahre stellen der Fondsauswahl ein schlechtes Zeugnis aus.

Die Schwierigkeiten für Private, ihr Geld der persönlichen kleinen Pensionskasse richtig anzulegen, sind mannigfaltig. Kapital auf dem Konto «todsicher» zu deponieren, ist nur in speziellen Fällen sinnvoll – etwa wenn man bald ein Haus kaufen oder auswandern möchte. Um beim Bezug der Ersparnisse die Steuerlast etwas zu verkleinern, empfiehlt es sich, bei zwei Banken eine Säule 3a zu errichten. Zusätzlich kann man so die Leistungen der Anbieter vergleichen. Bei den gutgeschriebenen Zinsen auf den Konti sind die Unterschiede minimal, aber auch hier zahlt die UBS am wenigsten (siehe «3a-Konto» auf Seite 110). Bei den Vorsorgefonds sind die Unterschiede erstaunlich gross.

Fairerweise sollten die Kunden heute die Möglichkeit haben, bei ihrer Bank auch hausfremde Dritte-Säule-Fonds zeichnen zu können. Das ist aber nicht einmal bei der Migrosbank möglich. Dabei hat sie bis Ende April drei Fonds der Swisscanto vertrieben und bietet erst seit ein paar Wochen eigene Fonds an.

Die rigide Marktpraxis nötigt den klugen Anleger dazu, erst einen leistungsstarken Fonds auszuspähen und sich anschliessend die Bank zu suchen, die diesen vertreibt, um dort ein Konto zu eröffnen. Hier sind derzeit die Kantonalbanken deutlich im Vorsprung, derweil die UBS vor allem an ihre Gebühren und wenig an die Anleger denkt.

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