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Interview 
Fintech: «Viele Anbieter werden nicht überleben»

Martin Saidler
Martin Saidler: «Wir haben keine finanziellen Schwierigkeiten. Aber wir haben sehr grosse Expansionspläne.»Quelle: ZVG

Martin Saidler will mit seiner Banking-App Numbrs das Uber der Finanzindustrie werden. Ob es eine Fintech-Blase gibt, wie profitabel sein Geschäft ist und warum die Bank den Kontakt zum Kunden verlieren wird, erklärt der Centralway-Gründer im Interview.

Erik Nolmans
Von Erik Nolmans
19.12.2017
Herr Saidler, gibt es eine Fintech-Blase?
Es ist sicher ein grosser Hype entstanden, und sehr viele Anbieter werden nicht überleben. Doch auch hier gilt: Die Entwicklung dauert länger, sie ist viel härter als gedacht – aber aufzuhalten ist sie nicht.
 
Warum werden Sie mit Ihrer App Numbrs überleben?
Wir wollen das Uber der Finanzindustrie werden. Um das zu erreichen, wollen wir die beste Mobile-Banking-App der Welt bauen. Da sind wir auf einem guten Weg: Wir sind schon einerder am besten etablierten Player im Markt und können auf bekannte Investoren zählen. Im Januar ist der Staatsfonds von Dubai eingestiegen. Unsere Fundraising-Summe beträgt 130 Millionen Franken, wir haben 50 private Aktionäre, darunter auch viele Schweizer Familien. Sie halten 30 Prozent der Firma, 70 Prozent liegen bei mir.
 
Wird die gesamte Bankenindustrie verschwinden, wie Sie das vor drei Jahren vollmundig behaupteten?
Die Bank verliert den Kontakt zum Kunden, weil sie das digitale Front-End nicht bauen kann. Sie wird in die Gewerbegebiete verlegt werden. Es entsteht eine neue Schicht zwischen dem Produktanbieter und dem Kunden, wie dies schon bei Facebook, Airbnb oder eben Uber passiert ist. Auf dieser Plattform werden alle Finanzdaten des Kunden aggregiert. Wir bieten diese Plattform mobil an.
 
Klingt kühn. Wie verdienen Sie Geld?
Die App ist für den Kunden gratis. Wir verdienen an den Provisionen, wenn die Banken über uns Produkte verkaufen.
 
Sind Sie profitabel?
Wir sind vor dreieinhalb Jahren in Deutschland gestartet und wollen dort 2018 erstmals schwarze Zahlen schreiben. In Grossbritannien, unserem zweiten Markt, haben wir gerade erst begonnen.
 
Sie sind sehr zurückhaltend mit Zahlen. Selbst die Zahl Ihrer aktiven User veröffentlichen Sie nicht.
Wir wollen der Konkurrenz nicht zu viel Einblick geben. Deshalb haben wir auch keine Start-up-Finanzierung über Venture Capital, sondern setzen auf Privatpersonen. Wir wollen vermeiden, dass unsere internen Informationen nach draussen gehen. Was wir kommunizieren: Wir aggregieren 1,1 Millionen Konten und haben mit 15 Banken in Deutschland Kooperationsvereinbarungen.
 
Es kam sehr überraschend, dass Sie im Sommer 50 Mitarbeiter in Zürich abrupt entliessen – immerhin ein Drittel der Belegschaft. Wie kam es dazu?
Wir haben keine finanziellen Schwierigkeiten. Aber wir haben sehr grosse Expansionpläne. Deshalb brauchen wir Talente in ganz anderen Dimensionen. Viele Topleute können wir wegen fehlender Arbeitsplatzbewilligungen nicht anstellen. Jetzt stellen wir sie direkt dort an, wo sie leben.
 
Verlieren Sie damit im Arbeitsmarkt nicht an Glaubwürdigkeit?
In unserer Industrie haben alle nach drei Tagen einen Job. Wenn wir die Firma auf ein neues Level heben wollen, müssen wir die Qualität massiv erhöhen.
 
Wie viele haben Sie schon ersetzt?
15 bis 20.
 
Wo expandieren Sie?
Wir steigen immer erst in ein neues Land ein, wenn wir dort einen Investor finden, der den Markt kennt. In England waren das etwa Apax-Gründer Sir Ronald Cohen und der Hedge-Fund-Pionier Alan Howard. Mögliche Ziele wären Frankreich, Spanien, auch Asien. Wir können uns vorstellen, dass wir in weiteren Finanzierungsrunden mehrere hundert Millionen Franken aggregieren.
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