SMI und Dow Jones sind an der Börse bekannter als Lady Gaga in der Popwelt. Der aktuelle Stand der zwei Börsenindizes wird an jedem Wochentag in der Abendausgabe der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens genannt. Trotz ihrer Bekanntheit sind sie aber nicht unbedingt die besten Indizes für Anleger, die in börsen­gehandelte ­Indexfonds investieren, sogenannte ­Exchange Traded Funds (ETF). BILANZ zeigt die soliden Indizes und erklärt die Faktoren, die bei deren Auswahl zu ­beachten sind.

Mit ETF können Anleger kostengünstig und einfach in einen ganzen Markt oder in ein Anlagethema investieren. Die Basis der börsengehandelten Indexfonds, die mittlerweile fast jeden Investment­bereich abdecken und eins zu eins replizieren, bilden entsprechend zusammengestellte Indizes. Diese vergleichsweise eingängige Struktur ist ein Grund für deren Aufstieg zum Liebling der Anleger und der Finanzindustrie. «Indexprodukte profitieren weiterhin von einem Bonus», konstatiert Marc Weber, Leiter der VZ Depotbank. Während andere Finanzprodukte aktiv verkauft werden müssten, würden Indexvehikel von Kunden nachgefragt, so seine Beobachtung.

Eine wachsende Zahl von ETF-Anbietern versucht, die anhaltende Popularität zu nutzen, und bringt mit hoher Kadenz laufend neue Produkte auf den Markt: Allein an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange sind inzwischen mehr als 800 ETF gelistet, weltweit umfasst das Angebot mehr als 3250 Produkte. Die meisten dieser ETF replizieren einen Börsen­index. Das lässt bei Indexanbietern wie S&P, MSCI oder Stoxx die Kasse klingeln, und sie bringen ständig neue Indizes auf den Markt: Weltweit sind gemäss dem Index­anbieter Structured Solutions inzwischen mehr als eine Million notiert, nicht nur für ETF, sondern auf alle möglichen ­Finanzprodukte.

Wahl mit Tücken. Die Herausforderung für Investoren besteht nun darin, aus dem üppigen Angebot den richtigen Index herauszufiltern. «Da die Indexwahl das Rendite-Risiko-Profil bestimmt, sollte diese immer vor der eigentlichen Produktselektion stehen», betont Alex Hinder von der auf indexierte Vermögensverwaltung spezialisierten Hinder Asset Management. Die Indexwahl sei für einen passiv investierenden Anleger eine der wichtigsten aktiven Entscheidungen beim Aufbau eines Portfolios.

Dabei gilt es zu beurteilen, welches Börsenbarometer die Kursentwicklung der gewünschten Investments am besten spiegelt, nach welcher Methodik der Index idealerweise konstruiert sein sollte (siehe «Vielfältig») und wie es um die Handelbarkeit bestellt ist. «Ein gewisser Zielkonflikt ist dabei nicht zu vermeiden», sagt Christian Gast, Leiter Schweiz beim weltgrössten ETF-Anbieter iShares. Anleger müssten bei der Indexwahl die Vorteile einer möglichst breiten Marktabdeckung sowie die gegebene Investier- und Handelbarkeit gegeneinander abwägen. Bei Schwellenländer-Anleihen seien gewisse Märkte nicht oder nur sehr schwer zugänglich. Bei diesen mache es Sinn, einen Index zu wählen, der diese Länder von Anfang an ausschliesse, da sonst grosse Abweichungen vom Index vorprogrammiert seien.

Der Bekanntheitsgrad eines Index ist bei der Selektion nicht zwingend ein ­verlässlicher Indikator. Bezüglich einer ­Investition in den US- oder den Schweizer Aktienmarkt favorisiere die grosse Mehrheit der Privatanleger Dow Jones und SMI als geeignete Massstäbe. Doch im inner­amerikanischen Vergleich zieht der Dow Jones Index, der als «Dinosaurier» unter den Indizes bereits seit 1896 berechnet wird, gegenüber dem S&P 500 den Kürzeren. Der 1957 entwickelte Index umfasst auf Basis der Marktkapitalisierung die 500 grössten börsennotierten Konzerne der USA – der Dow Jones nur 30 Unternehmen. Zudem ist die Gewichtung der Firmen im Dow Jones abhängig vom relativ zufällig gewählten Preis einer Aktie, während beim S&P 500 sinnvoller anhand des Marktwertes gewichtet wird.

Mit einem Anlagevolumen von rund 103 Milliarden Dollar ist der SPDR auf den S&P 500 von State Street zugleich der grösste ETF weltweit.

Wie der Dow Jones ist auch der SMI trotz hoher Bekanntheit als Massstab für den Aktienmarkt nur bedingt geeignet. Das, obwohl beide sehr liquide sind und oft genutzt werden. Zumindest erlauben es ETF auf diese Indizes, dass durch die hohe Liquidität bessere Geld-Brief-Kurse ermöglicht werden, das heisst, die Spanne zwischen An- und Verkauf ist kleiner.

SLI schlägt SMI. Investoren, die in den hiesigen Aktienmarkt investieren möchten, sind mit dem 30 Titel umfassenden Swiss Leader Index (SLI) besser diversifiziert als mit dem SMI, bei dem die vier wichtigsten Titel, Nestlé (25,6 Prozent), Novartis (18,5 Prozent), Roche (15,3 Prozent) und UBS (5,6 Prozent), zusammen fast zwei Drittel des Index ausmachen. Beim SLI hingegen ist die Gewichtung der vier grössten Titel auf 9 Prozent gekappt und die der verbleibenden auf 4,5 Prozent.

Bei der Wahl von Anlageprodukten für die gebundene Vorsorge spiele die Titelgewichtung eine entscheidende Rolle, sagt Marc Weber. So sei in der stark regulierten Säule 3a das Gegenparteienrisiko pro Beteiligung (Aktie) beschränkt und eine hohe Gewichtung, wie sie etwa Nestlé oder Novartis im SMI aufwiesen, gemäss Beteiligungsrestriktionen nicht zulässig. Als Konsequenz daraus basierte die Mehrzahl der 3a-ETF auf dem SLI.

Noch beliebter als Basisindex für ­Finanzprodukte ist der Euro Stoxx 50 Index. Der nach Marktkapitalisierung gewichtete Blue-Chips-Index fasst die 50 grössten Firmen mit Hauptsitz innerhalb des Euroraumes zusammen und hat sich über die Jahre als wichtige Benchmark und führender Index etabliert. Der gleiche Status gilt im Bereich Schwellenländer für die Indizes von MSCI und FTSE. «Beide Indizes sind als Basis für ETF grundsätzlich geeignet», sagt Jeff Molitor, Anlagechef Europa bei der auf Index­anlagen spezialisierten amerikanischen Fondsgesellschaft Vanguard.

Es gelte aber zu beachten, dass die beiden Index­anbieter bei der Selektion einen unterschiedlichen Ansatz verfolgten. Während MSCI in ihrem Emerging Markets Index Korea und Taiwan als Schwellenländer einstufe, hätten beide Länder bei FTSE den Status von Industrienationen und fehlten daher im entsprechenden Schwellenländer-Index. «Allerdings sind die Korrelationen dieser zwei unterschiedlichen Ansätze sehr hoch, und sie lieferten in der Vergangenheit eine vergleichbare Performance», sagt Molitor.

Inhalte prüfen. Eine genaue Abklärung über die Zusammensetzung respektive Gewichtung der einzelnen Indexmitglieder ist auch bei Obligationen-Indizes ­angezeigt. So könnte etwa bei Eurozone-Staatsanleihen ein übermässiger Anteil an problematischen Schuldnern angehäuft werden, weil sich die Indizes meist auf die Verbindlichkeiten der am stärksten verschuldeten Emittenten konzentrierten, gibt Marc Weber zu bedenken. Zwar würden vermehrt gleich gewichtete oder gekappte Indizes lanciert, dennoch seien führende Obligationenindizes in der Regel nach dem Volumen der ausstehenden Anleihen gewichtet.

In diese Kategorie fällt etwa der iBoxx Euro Sovereigns Eurozone Total Return Index, bei dem italienische (23 Prozent) und spanische Staatspapiere (10 Prozent) einen Indexanteil von rund einem Drittel ausmachen. Wer anstatt in die ganze ­Eurozone lieber selektiv in einzelne Länder investieren will, kann ETF auf verschiedene Staatsanleihen-Indizes erwerben und diese Strategie umsetzen.

Bei Rohstoffen wiederum bietet ein breit diversifizierter Index eine sinnvolle Depotbeimischung. Allerdings gibt es auch hier Unterschiede zu beachten: Beispielsweise enthält der S&P Goldman Sachs Commodity Index (GSCI) 24 Rohstoffe, die anhand der durchschnittlichen Weltproduktionsmenge der vergangenen fünf Jahre gewichtet sind. Eine Gewichtskappung existiert nicht, der Energiesektor ist mit einem Indexanteil von 70 Prozent daher stark vertreten, während Edelmetalle mit 3,5 Prozent marginal gewichtet sind. Einiges ausgewogener ist dagegen der Rogers International Commodity Index (RICI), der 38 Rohstoffe beinhaltet und beispielsweise Energie «nur» mit 44 Prozent gewichtet.

Bei Rohstoffindizes gilt es zu berücksichtigen, dass die Berechnung auf der Basis der am Terminmarkt ­gehandelten Kontrakte (Futures) erfolgt. Das heisst, dass kurz vor Fälligkeit der auslaufende Terminkontrakt auf den nächsten Kontrakt umgestellt werden muss. Dieses sogenannte «Rollen» kann, abhängig von der Preiskonstellation am Futures-Markt, Gewinne oder Kosten verursachen. Bei Indizes der zweiten ­Generation wird versucht, basierend auf der Preis­struktur der Terminkurve, die Umschichtung in neue Kontrakte zu ­optimieren und Rollverluste zu minimieren. Beispiele dafür sind die UBS-Bloomberg-CMCI-Indizes und die J.P.-Morgan-Commodity-Curve-Indizes. Ob sie zu Stars werden, wird sich weisen.

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