1. Home
  2. Hedge Funds: Hände ­voller Dollars

 
Hedge Funds: Hände ­voller Dollars

Jim Simons, John Paulson, George Soros, Ray Dalio,David Einhorn und Carl Icahn (v.l.o. im Uhrzeigersinn).

Hedge-Fund-Manager sind die Könige von Wall Street. 2013 hinken ihre Renditen dem Aktienmarkt hinterher. Was Privatanleger trotzdem von Soros und Co. lernen können.

Von Peter Manhart
28.05.2013

Ein 2000 Quadrat­meter grosses Pied-à-Terre an der Upper East Side in New York mit Kunst in Museumsqualität an den Wänden, die Sommerresidenz eine Helikopterstunde entfernt in den Hamptons und Refugien rund um die Welt. Der Lebensstil von Hedge-Fund-Managern lässt selbst «Abzocker» wie Buchhalter Nötzlis aussehen. Die Stars der Szene beziehen mitunter fünf Milliarden Dollar pro Jahr, die Bücher ihrer Husarenstücke an der Börse tragen Titel wie «More Money Than God».

Als Alfred Winslow Jones in den fünfziger Jahren das erste Investmentvehikel lancierte, das als Hedge Fund bezeichnet werden kann, deutete noch nichts auf den kometenhaften Aufstieg einer neuen Elite in der Finanzwelt hin. Auch sein Investitionsansatz war alles andere als tollkühn, sondern von Skepsis geprägt: Da er dem Aktienmarkt nicht traute, versuchte er, nach Möglichkeit seine Positionen abzusichern, denn risikofähig war er nicht.

Ende vierzig, mit zwei Kindern und einem Job als Journalist beim Wirtschaftsmagazin «Fortune», konnte er sich keine Verluste leisten. Es ist eine Ironie der ­Geschichte, dass Jones – die erste «Heuschrecke» – ursprünglich an der marxistischen Arbeiterschule in Berlin studiert und in den Flitterwochen als Partisan im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft hatte.

Immer den Markt schlagen. Die Lebensläufe der heutigen Hedge-Fund-Grössen sind gradliniger – gemeinsam ist ihnen meist eine grosse Affinität zu Zahlen, ein Studium an einer Ivy-League-Universität, gefolgt von einer Karriere an der Wall Street. Ihre Investitionsstrategien lauten «long/short», «global macro», «merger ­arbitrage» oder «distressed securities». Das Ziel? Den Markt in jeder Situation zu schlagen. Doch das bleibt bisweilen ein frommer Wunsch.

Goldman Sachs und HSBC verglichen Mitte Mai und Mitte März die Renditen von Hedge Funds mit der Kursentwicklung des S&P 500 und ermittelten, dass eine grosse Mehrheit der Hedge Funds in den vergangenen Monaten dem amerikanischen Standardwerteindex hinterherhinkt: Zuletzt waren es im Durchschnitt zehn Prozent. Fairerweise sei gesagt, dass sich der S&P 500 nur bedingt als ­Referenzindex für Hedge-Fund-Renditen eignet. Eigentlich müssten diese mit dem HFRX Global Hedge Fund Index oder einem seiner Strategie-Unterindizes verglichen werden. Tut man dies, so haben die untersuchten Hedge Funds im laufenden Jahr wesentlich besser abgeschnitten und durchschnittlich eine gleich hohe Rendite erzielt wie die jeweiligen Benchmarks.

Der einflussreiche Finanzblog «Zero Hedge» macht sich genüsslich über die Studienergebnisse von HSBC und Goldman Sachs respektive über Hedge Funds lustig und krittelt, dass in Zeiten, wo die amerikanische Notenbank mit ihrer ­unkonventionellen Geldpolitik die Aktienkurse nach oben treibe, eigentlich gar kein Abwärtsrisiko mehr bestehe und der Sinn von Hedge Funds grundsätzlich in Frage gestellt sei. Zudem wundern sich die Autoren, wie lange es sich die Kunden noch gefallen lassen, für die relativ gesehen mauen Renditen zwei Prozent Verwaltungsgebühren zuzüglich 20 Prozent Performance Fee zu bezahlen. Das Fazit? Drei Dinge im Leben sind sicher: der Tod, die Steuerpflicht und dass die Hedge-Fund-Legende John Paulson der schlechteste Vermögensverwalter der Welt ist.

Dieser ist tatsächlich tief gefallen. Im Anschluss an die Subprime-Krise war Paulson der gefeierte Star, weil er die ­Immobilienblase erstens erkannt und zweitens zum richtigen Zeitpunkt auf ihr Platzen gewettet hatte. Bereits wurde Paulson als «neuer Soros» gehandelt. Doch in den vergangenen Jahren passte bei ihm vieles nicht mehr zusammen – dazu zählt das Debakel um den chinesischen Holzverarbeiter Sino-Forest 2011, das sich massiv negativ auf die Jahresperformance seines Advantage-Fonds auswirkte: Ende 2011 betrug das Minus 36 Prozent. Und im laufenden Jahr wurde er mit seinen Goldengagements auf dem falschen Fuss erwischt. Minenaktien schmierten ab, und auch der Preis des Edelmetalls selbst gab deutlich nach.

Auf dem falschen Fuss erwischt. Nicht nur Paulson hat im ersten Quartal viel Geld mit Gold verloren, ähnlich erging es auch den Hedge-Fund-Alphamännern David Einhorn, Daniel Loeb und Ray Dalio. Besonders Letzterer trat in der Vergangenheit als prominenter Fürsprecher für das Edelmetall auf. So stänkerte er gegen Warren Buffett, der seit je die Finger von Gold lässt, und meinte, dass die Verschuldungskrise in Europa, die heiss laufenden Notenpressen der Zentralbanken und der Vertrauensverlust in «Papiergeld» den Goldpreis zwingend in die Höhe schrauben würden. Und wie es so oft ist, wenn die meisten Akteure einer Meinung sind, kommt es anders.

Der Altmeister George Soros hat sich umsichtiger verhalten als die Jung­stars. Er verringerte seine Goldpositionen bereits Ende 2012 um mehr als die Hälfte. In einem Interview erklärte er, was sein Misstrauen geweckt hatte: «Trotz der Zuspitzung der Eurokrise 2012 tendierte der Goldpreis leicht nach unten. Damit wurde der Ruf von Gold als sicherer Hafen zerstört.»

Scott Bessent, der Investmentchef von Soros’ Family Office, hatte in den vergangenen Monaten den noch besseren Riecher als sein Boss. Bereits seit Jahren ­erwägt Bessent offenbar, auf die Abwertung des Yen zu spekulieren. Das berichten jedenfalls eingeweihte Kreise. Er gilt als einer, der nicht viele kleine Wetten abschliesst, sondern die Geduld hat, auf gute Gelegenheiten zu warten, und dann mit grossen Einsätzen spielt. Dieser Zeitpunkt war für Bessent im Oktober 2012 gekommen, als er auf einer Japan-Reise hörte, dass Neuwahlen Politiker an die Macht bringen würden, die die eigene Währung abwerten wollten. Sogleich ­begann er, gegen den Yen zu wetten, was dem Family Office seither geschätzte 1,3 Milliarden Dollar einbrachte.

Solche Coups sind die beste Werbung für Hedge Funds, ebenso wie die imposanten Performance-Zahlen der ­erfolgreichsten Manager (siehe Tabelle unter 'Downloads'). Doch zum Teil verhalten sich die Branchengrössen wie kleine Kinder im Sandkasten.

Grosse Egos prallen aufeinander. Eines der seltsamsten Tauziehen im Hedge-Fund-Olymp findet derzeit zwischen Bill Ackman und David Einhorn auf der einen Seite sowie Daniel Loeb und Carl Icahn auf der andern um den US-Diätspezialisten Herbalife statt. Den Fehdehandschuh warf Ackman in den Ring, als er in einer Präsentation mit dem Titel «Wer wird Millionär?» Herbalife als Schneeballsystem verunglimpfte. Zum Beleg streute er Bilder von Herbalife-Clubs ein, die aussähen, als ob dort Gras gedealt werde. Einhorn teilte diese Bedenken, und die beiden verkauften Herbalife-Aktien in grosser Zahl leer. Der sogenannte «Short Interest» stieg Anfang Jahr auf 35 Prozent, und die Aktien fielen von 46 auf 26 Dollar. Die tiefen Kurse lockten Loeb und später Icahn an, die beide in Herbalife grosse Positionen aufbauten, die zu einem «Short Squeeze» führten.

Zur Erklärung: Nach Leerverkäufen müssen die daraus resultierenden offenen Positionen wieder glattgestellt werden. Steigt nun der Aktienkurs, so müssen die Leerverkäufer die Titel zurückkaufen, was meist zu einem Nachfrageüberhang führt, der den Kurs nach oben treibt. Im Fall von Herbalife machten die Valoren die zwischenzeitlichen Verluste wett und notieren aktuell bei mehr als 48 Dollar. Eins zu null für Loeb und Icahn.

Die Top-Aktien der Heuschrecken. Solche Kämpfe sind ganz nach dem Geschmack von Daniel Loeb, er scheut die Konfrontation nicht, sondern sucht sie geradezu. Sein neuster Gegner ist Sony. Er fordert vehement die Abspaltung der Musik-und-Film-Division vom Rest des Konzerns. Mit einem Aktienanteil von 6,5 Prozent an Sony im Umfang von rund 1,1 Milliarden Dollar hat seine Stimme Gewicht, und es sieht so aus, als ob Sony dem Druck nachgebe und den Spartenverkauf prüfe. Ginge es nach der Börse, wäre die Sache bereits ausgemacht – seit der Intervention von Loeb schiessen die Titel steil nach oben, nicht einmal der grosse Ausverkauf vom 23. Mai konnte den Aufwärtstrend bremsen.

Doch zuoberst in der Gunst der Hedge-Fund-Manager stehen aktuell ganz andere Titel: Zu den beliebtesten Aktien zählen AIG, der weltgrösste Assekuranzkonzern, Google, Apple und ­Citigroup. An AIG glaubt vor allem Bruce Berkowitz, der ein sehr konzentriertes Portfolio mit wenigen Positionen führt und die Kursentwicklung des S&P 500 2012 um mehr als 20 Prozent übertraf. AIG ist nach wie vor sein grösster Depotposten, der beinahe 51 Prozent der Aktienpositionen ausmacht.

Wie im Fall von Herbalife kann es sich lohnen, antizyklisch zu handeln und auf die am meisten leer verkauften Aktien der Hedge-Fund-Manager zu setzen. Das sind Johnson & Johnson, Intel und IBM. Johnson & Johnson ist der Dividenden­titel schlechthin – die Ausschüttung wurde 51 Jahre in Folge erhöht. Zwar scheint die Bewertung bereits stattlich zu sein, doch eine Rückkehr der «Nifty Fifty» – also einer lange anhaltenden Hausse schicker Qualitätsfirmen – dürfte die Kurse weiter antreiben. Der Blick auf die gros­sen Aktienpositionen der Hedge-Fund-Titanen verrät, dass sie diese Einschätzung mitunter teilen. Branchen­primusse finden sich in den jeweiligen Portfolios überdurchschnittlich oft.

Anzeige