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Pleite 
Griechen-Angst: Bank Run gabs auch in der Schweiz

Schlange stehen bei der Sparkasse Thun: Das Gelhaus setzte Hunderte Millionen in den Sand. Keystone

Massenandrang vor geschlossenen Bankschaltern, das Ersparte verloren: Was die Griechen derzeit befürchten, gab es bereits 1991 in der Schweiz. Damals ging eine Thuner Sparkasse pleite.

Von Marc Bürgi
22.06.2015

Mit der wachsenden Pleitegefahr haben griechische Bankkunden in den vergangenen Tagen immer mehr Geld von ihren Konten abgehoben. Vielerorts herrschte offenbar Ausnahmezustand. Für die Schweiz ist das trotz ihres Reichtums nicht unbekannt – im Gegenteil: Anfang Oktober 1991 belagerten Hunderte von Bankkunden die Spar- und Leihkasse Thun. Ohne Warnung hatte die Bank ihre Filialen geschlossen und alles Geld gesperrt.

Die Regionalbank war überschuldet. Ihre Führung hatte zu sorglos Hypotheken vergeben und war von der Immobilienkrise überrascht worden. Die Sparer waren verzweifelt. Sie müssten die Suppe auslöffeln, die ihnen die grossen Bankbosse eingebrockt hätten, zitierte damals der Thuner Tagblatt eine junge Frau. Ein 69-jähriger Mann starb offenbar an einem Herzinfarkt, nachdem er zuvor erfolglos seine AHV-Rente abheben wollte.

Mit 500 Franken abgespeist

Die bankrotte Bank erhielt von der Aufsichtsbehörde eine Frist von vierzehn Tagen, um sich mithilfe einer Grossbank zu sanieren. Für die Kunden begann eine Leidenszeit: Nach einigen Tagen erhielten sie Anrecht auf je 500 Franken. Vor den Filialen standen die Kunden Schlange, um ihr Geld zu erhalten.

Wenig später war die Spar- und Leihkasse Thun endgültig pleite und musste den Betrieb einstellen – keine Grossbank hatte eingewilligt, das Institut zu retten.

Die Sparer mussten Monate und Jahre warten, um ihr Geld zu erhalten. Doch rund 6300 Kunden verloren mehr als ein Drittel ihres Vermögens – insgesamt verspekulierte die Bank 223 Millionen Franken ihrer Kundengelder. Der Kollaps war auch ein Schlag für die lokale Wirtschaft. Viele Handwerksbetriebe und andere Kleinunternehmen hatten ihr Geld der Regionalbank anvertraut.

Bankmanager zahlen Millionen

Das Fiasko hatte juristische Folgen: Mehrere Bankdirektoren zahlten insgesamt Millionen von Franken Busse. Und auch die Politik reagierte: Beispielsweise müssen Schweizer Banken mittlerweile höhere finanzielle Polster für einen möglichen Konkurs haben. Statt 30'000 Franken wie damals gilt heute eine Einlagensicherung von 100'000 Franken – dieses Geld erhalten Kunden bei einem Konkurs in jedem Fall ausbezahlt.

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