Am Dienstagabend sprang der Goldpreis unerwartet in schwindelerregende Höhen. Der Preis für eine Feinunze kletterte um über 20 Prozent von rund 1200 Dollar auf über 1470 Dollar. Der Spuk dauerte nicht lange. Nach nur ein paar Minuten schnellte der Preis wieder zurück auf sein vorheriges Niveau.

Gold wird von Anlegern in der Regel als «sicherer Hafen» gesehen. Denn phyisches Gold im Tresor schützt vor konjunkturellen Risiken. Umso mehr verunsichern solch misteriöse Kursschwankungen beim Gold die Anleger. Denn die Gründe für diese Sprünge sind meist diffus.

«Fat Finger»

Zwar wird der Goldpreis seit ein paar Wochen von vielen Seiten in die Mangel genommen – unter anderem auch von der Gold-Initiative. So sank der Preis innert Minuten um über ein Prozent, als die Ergebnisse der Trendumfrage ein Nein an den Urnen am kommenden Sonntag signalisierten. Allerdings lässt sich damit kein so grosser Ausschlag wie in dieser Woche erklären.

Wahrscheinlicher ist, das hinter dem Phänomen ein sogenannter «Fat Finger» steht: Grossinvestoren wie Hedgefonds oder Banken tätigen falsche Kauf- oder Verkaufsaufträge an den Börsen. Das kann ein Händler sein, der versehentlich eine Null zu viel im Bestellformular eingibt, oder auch eine fehlerhafte Software.

Fehler stürzte US-Firma in die Pleite

Ein «Fat Finger» kann schwere Folgen für den Verursacher haben, wenn sich der Fehler nicht stornieren lässt. Zumal, wenn der getätigte Auftrag andere Marktteilnehmer auf den Plan ruft, die ihrerseits nun ebenfalls kräftig kaufen oder verkaufen – und damit den Kursausschlag noch verstärken. Eine mögliche Kettenreaktion ist die Folge. Solche Orders können aus Panik erfolgen oder, heutzutage oft üblich, automatisert – sobald der Kurs einer Anlage einen bestimmten Kurs durchbricht.

Wie gefährlich so ein ungewollter «Fat Finger» sein kann, musste vor zwei Jahren etwa der US-Finanzdienstleister Knight Capital Group erfahren. Der Computer eines Händlers sendete eine grosse Anzahl fehlerhafter Kaufaufträge an die New Yorker Börse. Die Firma verlor so über Nacht 440 Millionen Dollar und ging beinahe Pleite. Kurze Zeit später wurde Knight Capital verkauft.

Ebenso kann eine fehlerhafte Übertragung von Kursdaten einen kräftigen Kursausbruch verursachen und zu einer falschen Chartanzeige führen. Solche Fehler würden immer wieder auftreten und seinen nichts Besonderes, sagt der Vertreter einer Bank, auf deren Webseite der hohe Kurssprung beim Gold in dieser Woche ebenfalls zu sehen war. Dabei kommen die Daten offenbar nicht direkt von der Börse, sondern von einer Drittfirma. Diese überprüft fehlerhafte Informationen und korrigiert sie. Im Chart sind die Auswüchse nach der Korrektur nicht mehr zu sehen.

Goldhändler nehmen es gelassen

Auch bei dem kurzzeitigen Kursprung in dieser Woche soll es sich gemäss der Bank um eine fehlerhafte Datenübertragung gehandelt haben. Mit hundertprozentiger Sicherheit könne man dies aber nicht sagen. Ein «Fat Finger» sei möglich, aber sehr unwahrscheinlich in diesem Fall, so die Bank. Für einen Übertragungsfehler spricht auch, dass der Ausschlag bei einer anderen Bank im Chart schon gar nicht angezeigt wurde.

Was auch immer der Auslöser war – der mysteriöse Kurssprung bereitet etwa dem Goldhändler Degussa in Zürich keine Sorgen. «Solche Preisausschläge an der Börse betrifft sowohl uns als Händler als auch unsere Kunden nicht, da wir ausschliesslich mit physischem Gold handeln», sagt Geschäftsführer Andreas Hablützel. «Der Goldpreis, nach dem wir uns richten, ist gehedged. Das heisst, dass wir gegenüber solch nicht nachvollziehbaren und starken Kursschwankungen abgesichert sind.»

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