Die grösste Volkswirtschaft der Welt erlebt den längsten wirtschaftlichen Aufschwung aller Zeiten, doch nun geht auch in den USA die Rezessions-Angst um. Seit Monaten belastet der Handelsstreit mit China die Weltwirtschaft und ein Ende ist nicht ­absehbar.

An der Schweiz geht dies nicht spurlos vorbei. Noch vor einem Jahr gehörte die hiesige Wirtschaft mit einem Wachstum von 2,5 Prozent zu den dynamischsten Industrieländern. Laut offi­zieller Prognose steigt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr mit 1,2 Prozent nur halb so schnell.

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Damit ist die Schweiz zwar auf den ersten Blick von einer Rezession weit entfernt, doch es gibt erhebliche Risiken. Ist eine Rezession also nur eine Frage der Zeit? Und wie lassen sich konjunkturelle Wendepunkte prognostizieren? Diese Indikatoren geben Aufschluss.

Der Franken wertet auf

Die jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, den Handelsstreit mit weiteren Zöllen gegen China weiter eskalieren zu lassen, treibt Anleger in ­sichere Häfen wie die Schweiz. Die Folge: Der Franken wertet weiter auf und steht nun gegenüber dem Euro bei 1,09.

Die rasche Aufwertung belastet die Schweizer Wirtschaft zu­sätzlich, insbesondere die Exporte, die ohnehin bereits unter der schwächeren Nachfrage aus dem Ausland leiden.

Die Konjunkturexperten von BAK Economics betrachten die Währung daher derzeit als konjunkturellen «Sonderfaktor», der das Wirtschaftswachstum dämpft. Etwaige Zinssenkungen in Europa und den USA werden den Druck auf den Franken in den kommenden Monaten weiter erhöhen. Auf SNB-­Präsident Thomas Jordan und seine ­Direktoriumskollegen Zurbrügg und Maechler kommen nervenaufreibende Tage zu.

Trübe Stimmung in der Industrie

Der globale Abschwung trifft vor allem die Industrie, entsprechend düster ist die Stimmung, wie der Einkaufs­managerindex (PMI) zeigt. Er gilt als verlässlicher Indikator, um eine Rezession vorherzusehen. Hierzulande sank der Industrie-PMI erstmals im April ­unter die Wachstumsschwelle von 50. Im Juli stand er nur noch bei 44,7 – so tief wie seit der Wirtschaftskrise von 2009 nicht mehr.

Ein Alarm­zeichen, von dem aber bisher «keine tiefroten Signale» (BAK Economics) für die gesamte Schweizer Wirtschaft ausgehen. Zu branchenspezifischen Rezessionen könnte es dennoch kommen: etwa in der MEM-Industrie oder bei ­Investitionsgüterproduzenten wie Maschinenbau und Elektrotechnik. Der starke Dienstleistungssektor hingegen federt den Abwärtsdruck auf die gesamte Wirtschaft derzeit – noch – ab.

Pessimismus im Aussenhandel

Der Industrie macht die schrumpfende Nachfrage aus dem Ausland zu schaffen. Nach Deutschland exportierten hiesige Firmen im ersten Halbjahr 4,6 Prozent weniger. Hinzu kommt die Aufwertung des Franken, welche Jean-Philippe Kohl von Swissmem Kopfzerbrechen bereitet.

Entsprechend pessimistisch blicken Schweizer Exportunternehmen in die Zukunft. Die gute Nachricht: Insgesamt stiegen die Exporte auch im zweiten Quartal noch um 1,4 Prozent. Dafür sorgte vor allem die konjunkturunabhängigere Pharmaindustrie. Auch das vermindere die Rezessionsgefahr in der Schweiz, sagt ein BAK-Ökonom.

Fazit: Unberechenbare Risiken

Es gibt trotz allem auch Indikatoren, die nicht auf eine Rezession hindeuten. Was alles – gerade auch im Vergleich zu 2009 – unberechenbar macht, sind die politischen Risiken.

Wenn der Handelskonflikt zwischen Trump und Xi Jinping weiter eskalieren sollte und sich am Ende gar auf Europa ausweitet, hätte dies direktere Auswirkungen auf die Schweiz. Trump spielt mit dem Feuer, die Chinesen spielen mit. Und leidtragend ist die offene Volkswirtschaft Schweiz.